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Protest im Iran

Wie Bilder die Zensur umgehen

Von Tobias Kaufmann, 18.06.09, 11:44h, aktualisiert 22.06.09, 14:30h

Um die Protestbilder-Flut einzudämmen, haben Irans Behörden zahlreichen Fotografen, die für ausländische Medien arbeiten, die Zulassung entzogen. Um kein Risiko einzugehen, müssen die Agenturen ihre Kunden nun über Umwege bedienen.

Protest im Iran
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Dieses Foto von Protesten im Iran wurde am Mittwoch von der staatlichen iranischen Agentur Farsnews verbreitet. Im Hinweis der Agentur epa (dpa) steht dazu: Wir sind verpflichtet, Bilder aus offiziellen Quellen zu verwenden. (Bild: Farsnews, dpa)
Protest im Iran
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Dieses Foto von Protesten im Iran wurde am Mittwoch von der staatlichen iranischen Agentur Farsnews verbreitet. Im Hinweis der Agentur epa (dpa) steht dazu: Wir sind verpflichtet, Bilder aus offiziellen Quellen zu verwenden. (Bild: Farsnews, dpa)
KÖLN - Die Bilder fehlen. Wie stark die iranischen Behörden die Berichterstattungsmöglichkeiten für ausländische Medien eingeschränkt haben, kann man in den letzten Tagen daran sehen, dass man kaum noch etwas sieht. Bis zum Montag gab es noch eine regelrechte Flut von ausdrucksstarken Fotos – man denke nur an das Bild von dem jungen Mann, der seine bluverschmierte Hand in die Kamera hält. Doch inzwischen sind die offiziellen Fotoquellen vieler Redaktionen beinahe versiegt.

Es gibt nur noch wenige Fotos von Demonstrationen. Meistens sind sie nicht besonders aussagekräftig. Viele wurden weitab vom Geschehen gemacht. Zudem sind die Bilder etwa der großen Nachrichtenagenturen Reuters und dpa mit Vermerken versehen, aus denen hervorgeht, dass das Material nicht von den eigenen Fotografen stammt. Bildquellen sind statt dessen entweder offizielle staatliche Stellen oder Netzwerke der Oppositionellen. So steht unter Fotos von Reuters der Hinweis: "Reuters via Your View (IRAN CONFLICT POLITICS IMAGES OF THE DAY)".

In der jüngeren Geschichte von Reuters ist diese Art, zu arbeiten, die absolute Ausnahme - vielleicht ist sie sogar einmalig. Unbestechlichkeit und ureigene Quellen gehören zum Ethos der Agentur, auch in Krisengebieten. Fragt man bei Reuters nach, wo die aktuellen Fotos genau herkommen und auf welchem Weg sie aus dem Iran gelangen, bittet das Unternehmen um Verständnis. Mit Rücksicht auf die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter wolle man sich dazu nicht äußern. Fest stehe aber, dass die offiziell im Iran arbeitenden Reuters-Reporter derzeit keine Bilder liefern.

Die europäische Fotoagentur epa, die unter anderem die Deutsche Presseagentur dpa beliefert, verschickt Bilder ebenfalls mit einem Warnhinweis. Chefredakteur Cengiz Seren sagt im Gespräch mit ksta.de: "Unseren Fotografen im Iran ist die Akkreditierung entzogen worden." Zwischendurch nutzte die epa alternativ Fotos, die Irans staatliche Agentur Farsnews zur Verfügung stellte - inzwischen kommt selbst von dort nichts mehr. Statt dessen durchsuchen die epa-Mitarbeiter jetzt das Internet, um etwa auf den Seiten von Studenten brauchbare Bilder zu finden. "Wir verbreiten aber nur Fotos weiter, bei denen wir hundertprozentig sicher sind, dass die Quelle sauber ist", betont Seren. Da die meisten Demonstrationsteilnehmer mit ihren Handys fotografieren, reicht die Aufnahmequalität zudem meist nicht, um solche Fotos drucken zu können.

Alternative Anbieter

Dennoch gibt es Plattformen im Netz, von denen sich beispielsweise epa und Reuters bedienen – die professionellen Journalisten bekommen Schützenhilfe von Halb-Profis oder ganz normalen Bürgern.

Zu den konkreten Arbeitsbedingungen seiner eigenen Leute im Iran will auch Seren sich jedoch nicht ausführlich äußern. Da die epa-Fotografen eng mit schreibenden Kollegen, etwa der dpa, zusammenarbeiten, steht für die Beteiligten fest, dass sie möglichst keinerlei Risiko eingehen wollen. Denn wenn ein Journalist in den Fokus gerät, sind schnell alle anderen in seinem Umfeld dran – ein Dominoefeekt.

Das Gefährliche an der Situation ist vor allem die Willkür und Undurchsichtigkeit des Apparats. Viele kleine Chefs handeln auf eigene Rechnung oder in vorauseilendem Gehorsam. Ist ein Fotograf erstmal von einem Trupp Milizionäre um sein Arbeitsgerät erleichtert oder zusammengeschlagen worden, nützt es auch nichts mehr, wenn zwei Tage später aus dem Kulturministerium eine liberalere Haltung vorgegeben wird.

Aus Sicht von Experten haben die Behörden in Teheran mit ihrem Vorgehen dennoch ein Eigentor geschossen. Denn weltweit ist der wahre Charakter des islamischen Regimes dadurch offenbar geworden. Und komplett stoppen können die Machthaber den Fluss von Informationen und Bildern doch nicht. Parallel zu den Verhandlungen mit offiziellen Stellen öffnen nun selbst Medien und Agenturen alternative Kanäle, die früher nie auf "Bürgerjournalisten" oder Online-Netzwerke zurückgegriffen hätten – mit wachsendem Erfolg.



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