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TV-Journalisten

Die Nebenjobs von Buhrow und Co.

Von Jan-Philipp Hein, 18.06.09, 20:44h, aktualisiert 19.06.09, 14:20h

Prominente Journalisten von ARD und ZDF arbeiten auch für die freie Wirtschaft. Die hoch dotierten Nebentätigkeiten lassen Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufkommen. Alles halb so schlimm, wiegelten die Sender am Freitag ab.

heute-Journal-Moderator Kleber
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„heute journal“-Moderator Claus Kleber soll eine Tagesgage von 20.000 Euro erhalten. (Bild: dpa)
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„heute journal“-Moderator Claus Kleber soll eine Tagesgage von 20.000 Euro erhalten. (Bild: dpa)
Wenn es um berufsethisch einwandfreie Verhaltensregeln und Transparenz in Politik und Wirtschaft geht, ist die Kommentierung von Journalisten in der Regel einhellig: Nebentätigkeiten von Abgeordneten oder Gehälter von Managern sollten veröffentlicht werden. Die Öffentlichkeit hat zumindest bei gewählten Politikern ein Recht zu erfahren, welche Nebeneinnahmen ihre Parlamentsvertreter etwa von Verbänden oder Industrieunternehmen erhalten - und welche Rückschlüsse dies auf ihre politische Unabhängigkeit oder eben Abhängigkeit zulässt.

Nun werden Journalisten an die eigene Nase gefasst. „Zapp“, das Medienmagazin des Norddeutschen Rundfunks (NDR), befasste sich diese Woche mit den lukrativen Nebenjobs prominenter Fernsehmacher. Die moderieren oder referieren auch gerne mal auf Verbands-, Partei- und Unternehmens-Events, mitunter zu erstaunlichen Tagesgagen.

Zapp nannte Preise, die von den Vermittlungsagenturen genannt worden seien: „heute journal“-Präsentator Claus Kleber (20.000 Euro), „heute“-Kollegin Petra Gerster (14.000 Euro) oder „Berlin direkt“-Korrespondent Peter Hahne (10.000 Euro) - ungenannt blieben die Honorargrößen für die Nebentätigkeiten der ebenfalls aufgeführten Sport-Kollegen Wolf-Dieter Poschmann oder Michael Steinbrecher.

Für die ARD wird unter anderem genannt: „Tagesthemen“-Frontmann Tom Buhrow (20.000 Euro). Wie viel Geld nach Abzug der Vermittlungshonorare tatsächlich bei den Moderatoren ankommt, konnte nicht geklärt werden - denn die genannten Journalisten wollten sich auf Anfrage weder zu ihrer Tätigkeit noch zu ihren Verdiensten äußern. Einige tausend Euro werden es aber doch sein, wenn beispielsweise Tom Buhrow für eine Veranstaltung der Deutschen Bank gebucht wird.

Viele der Moderatoren wie etwa Claus Kleber haben ihr festes Angestelltenverhältnis zugunsten einer Freien Tätigkeit beim ZDF aufgegeben. rbeitsrechtliche Einwände gegen Nebentätigkeiten gibt es also offensichtlich nicht. Wie aber steht es mit der Glaubwürdigkeit von Buhrow, wenn er anderntags den Deutsche Bank-Chef Ackermann zu dessen Managergehalt interviewen soll, oder wenn Petra Gerster, die das offizielle Geburtstagsfest von SPD-Politiker Kurt Beck moderierte, anderntags mit ihm ein ZDF-Interview führen soll? Wie unabhängig kann ein Journalist da erscheinen, wenn der Zuschauer weiß, dass er freiberuflich für den Interviewten arbeitet? Und grundsätzlich: Muss und sollte ein öffentlich-rechtlich bestellter Journalist sich in ein solches Zwielicht stellen?

Über Geld spricht man nicht, schon gar nicht im Fernsehen: Mit den „Zapp“-Reportern wollten die Kollegen offenbar nicht über ihre Nebenjobs sprechen. Nebentätigkeitsgenehmigungen werden von den Sendern, deren Nachrichten, Sportschauen oder Magazine sie sonst moderieren, aber offenbar umstandslos erteilt. Auch die Sender sind eher wortkarg. Ein zerknirschter ARD-Justiziar erklärte in „Zapp“: „Die Höhe des Entgelts geht in den privaten Bereich hinein. Den kann der Arbeitgeber nach heutiger Lage grundsätzlich nicht abfragen.“

Die Agenturen agieren offenbar wie Makler ohne Auftrag. So findet sich auf den Seiten der Agentur „Nowak Communications“ auch das Bild von Inka Schneider, die das Medienmagazin „Zapp“ und eben jenen Beitrag über die Nebentätigkeiten der öffentlich-rechtlichen Kollegen anmoderierte. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärte Schneider auf Anfrage: „Ich habe nie mit denen zusammengearbeitet.“ Tatsächlich sei es zu einer konkreten Vermittlung bislang nicht gekommen, erklärt Nowak Communications auf Anfrage, Schneiders Bild aber sei nach Absprache mit der Moderatorin eingestellt worden. Offenbar ist auch die „Zapp“-Moderatorin grundsätzlich geneigt, Nebentätigkeiten anzunehmen.

Alles streng geregelt, sagt das ZDF

Die betroffenen Sender reagierten gelassen auf den "Zapp"-Beitrag. "Bei uns ist alles streng geregelt", sagte ZDF-Sprecher Alexander Stock am Freitag. Nebentätigkeiten von festen Mitarbeitern sind genehmigungspflichtig. Bei freien Mitarbeitern gilt das nur, wenn ein Genehmigungsvorbehalt vertraglich vereinbart wurde. Ein vollständiges Verbot von Nebentätigkeiten ist aus rechtlichen Gründen ausgeschlossen."

Von einer "Neid-Debatte" sprach Tobias Häuser vom Hessischen Rundfunk. Die beim hr beheimatete ARD-Börsenexpertin Anja Kohl war ins "Zapp"-Visier geraten, weil sie unter anderem Veranstaltungen von börsennotierten Unternehmen moderiere. "Anja Kohl ist eine freie Mitarbeiterin des hr. Im Gegensatz zu Festangestellten muss sie ihre Nebentätigkeiten nicht genehmigen lassen. Trotzdem spricht sie ihre Nebenjobs mit ihrem Vorgesetzten ab", sagte Sendersprecher Häuser. Bislang gebe es keine Hinweise auf Interessenkonflikte. (mit dpa)



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