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Linken-Parteitag

„Nicht allzu plump anstellen“

Von Jochen Loreck, 19.06.09, 13:49h

Am Wochenende trifft sich die Linke zum Bundesparteitag. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" sprach mit Jan Korte von den Linken über Antworten auf die Krise, politischen Gegnern und möglichen neuen Wählergruppen.

Herr Korte, laut Umfragen befindet sich ihre Partei - Die Linke - im Sinkflug. Fast könnte man sagen: Je stärker die Krise, desto schwächer die Linke...

Jan Korte: So pessimistisch sehe ich das nicht. Als ich in den 90-er Jahren in der alten Bundesrepublik der Partei beigetreten bin, die damals noch PDS hieß, da kriegten wir im Westen keinen Fuß auf die Erde. Insofern ist schon einiges in Bewegung gekommen. Die spannende Frage ist eben: Findet die Linke Antworten auf die Krise, die wirklich überzeugend sind? Können wir Antworten präsentieren, die nicht nur als fundamentale Systemkritik daherkommen?

Und können Sie?

Jan Korte: Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist - die Menschen sorgen sich um Arbeitsplätze, Wohlstand, Ersparnisse. Einfach platt zu sagen: Leute, der Kapitalismus macht Euch arm - das wäre eine falsche und fahrlässige Botschaft. Stattdessen müssen wir unsere Reformkonzepte stärker in die Öffentlichkeit tragen - Stichworte: grundlegender sozial-ökologischer Umbau, solidarische Bürgerversicherung und ein gerechtes Gesundheitssystem.

Das bringt aber noch nicht automatisch strahlenden Wahlerfolge...

Jan Korte: Immerhin ist die Linke im Osten Volkspartei. Sie findet Anklang in den unterschiedlichsten Milieus. Das wünsche ich mir auch von der Partei im Westen. Wir sollten uns also stärker einlassen auf Kontakte auch zu solchen Bevölkerungsgruppen, die uns jetzt noch eher fern stehen. Wer so etwas will, gerät partei-intern aber schnell in Verdacht, er wolle die Stammwähler vernachlässigen und wolle angeblich einen Rechtsruck einleiten.

Geht's etwas konkreter?

Jan Korte: Ich kümmere mich im Innenausschuss des Bundestags schwerpunktmäßig um das Thema Bürgerrechte. Und mir gibt zu denken, dass bei der Europawahl die Piratenpartei wie aus dem Nichts einen Achtungserfolg errungen hat. Die Piratenpartei ist - kann man sagen - eine Jugendprotest-Partei, die vor allem für die maximale Freiheit der Internet-Nutzung kämpft. Das zeigt mir: Da kommt 'was in Bewegung, da müssen wir uns mehr kümmern, da haben wir durchaus Chancen, mehr junge Wähler zu gewinnen.

Wenn Ihre Partei wachsen will, dann schielen Sie ja in erster Linie auf unzufriedene, ehemalige SPD-Wähler?

Jan Korte: Stimmt, aber dabei darf man sich nicht allzu plump anstellen. Es gibt in der Linken ja Leute, die sagen, die SPD sei durch und durch neoliberal und deshalb müsse man die SPD ganz besonders heftig attackieren. Ein solches Vorgehen halte ich für grundfalsch. Unser Hauptgegner - das hat ja auch Parteigeschäftsführer Dietmar Bartsch betont, ist nicht die SPD. Unsere Hauptgegner im bevorstehenden Bundestagswahlkampf sind Union und FDP. Schwarz-Gelb verhindern - das ist eines der Kernziele. Es geht darum, die Achse insgesamt nach links zu verschieben.

In wenigen Tagen will die Linke auf einem Parteitag ihr Programm zur Bundestagswahl beschließen. Das hat im Vorfeld zu einigem Flügelschlagen geführt - zum Beispiel zu noch mehr Abgrenzung gegenüber der SPD.

Jan Korte: Wir haben mit Gregor Gysi und Oskar Lafontaine ein gutes Spitzen-Duo. Im Wahlkampf geht es darum, neue Wählerschichten anzusprechen und sich thematisch nicht zu verengen. Das ist eine Aufgabe für die Gesamtpartei, nicht nur für die Führung. Also mehr Energie in die Außendarstellung stecken, weniger Rechthaberei nach innen hin praktizieren.

Was tut sich denn hinter den Kulissen, um Rot-Rot oder Rot-Rot-Grün voranzubringen?

Jan Korte: Chancen für Rot-Rot gibt es, auch schon in diesem Jahr, aber nur bei den Landtagswahlen, nicht bei der Bundestagswahl. Wenn es in diesem Jahr im Saarland oder auch in Thüringen eine rot-rote Landeskoalition gäbe, so wäre dies schon deshalb ein Fortschritt, weil die Linke einen größeren Beitrag zur realen Veränderung der Gesellschaft leisten könnte. Im übrigen ist es ja kein Geheimnis, dass ich mich ab und zu auch mal mit SPD-Bundestagsabgeordneten treffe.

Klingt spannend.

Jan Korte: Es gibt gelegentlich Treffen mit einzelnen SPD-Parlamentariern im kleinen Kreis - bei Bier und Schnitzel. Da wird sehr offen diskutiert. Aber in welche Richtung die SPD eines Tages geht - das muss die SPD letztlich selbst entscheiden.

Sie sind 32 Jahre alt. Glauben Sie, dass sich zu ihren Lebzeiten der Traum von einer rot-rot-grünen Bundesregierung erfüllt?

Jan Korte: Ich habe mehr als einen Lebenstraum. Ich strebe nach einer demokratisch-sozialistischen Bundesrepublik. Ich mache nicht Politik, damit die Linke die nächsten 50 Jahre immer in der Opposition bleibt. Daneben habe ich natürlich auch private Lebensträume. Ich würde zum Beispiel gern mal einen Hecht von über einem Meter Länge angeln.

Jan Korte (32) ist Mitglied im Vorstand der Links-Partei. Er stammt aus Niedersachsen, war zunächst bei den Grünen kommunalpolitisch tätig und wurde 1999 PDS-Mitglied. Über die Landesliste Sachsen-Anhalt zog er 2005 in den Bundestag ein. Partei-intern bemüht sich Korte um eine besonders deutliche Distanzierung von der SED-Tradition.



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