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Deutscher Kamerapreis

Fein ausbalanciertes Kammerspiel

Von Frank Olbert, 21.06.09, 21:44h, aktualisiert 21.06.09, 22:25h

Gestern Abend wurde der Deutsche Kamerapreis im Rahmen des Medienforum.NRW in Köln vergeben. Unter den Preisträgern war unter anderem Christian Rein, der für seine Kameraführung in „Die zweite Frau“ geehrt wurde.

Christian Rein
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Preisträger Christian Rein. (Bild: ARD)
Christian Rein
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Preisträger Christian Rein. (Bild: ARD)
Die zweite Frau
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Stand in "Die zweite Frau" vor Christian Reins Kamera: Die Mitte Mai verstorbene Schauspielerin Monica Bleibtreu (r.) verkörpert eine resolute Mutter. Die ARD zeigt den Film am kommenden Mittwoch um 20.15 Uhr. (Bild: ARD)
Die zweite Frau
KÖLN – Stark vereinfacht, kann man die Temperamente der Kameraleute in zwei Kategorien unterteilen: den einen merkt man ihre Arbeit an, die anderen bleiben unsichtbar. Die Schwerarbeiter wählen gern ungewöhnliche Perspektiven, laufen mit der Handkamera hinter den Akteuren her oder wagen riskante Schwenks - die stillen ordnen sich der Geschichte unter und unternehmen alles dafür, dass der Zuschauer zwar Bilder sieht, aber nicht auf die Eigentümlichkeit der Kamera aufmerksam wird.

Christian Rein, Kameramann bei Hans Steinbichlers Film „Die zweite Frau“ gehört eher zu dieser letzteren Kategorie. Die Jury für „Fernsehfilm / Dokudrama“, die bei der Sitzung des Deutschen Kamerapreises in München tagte, kürte ihn als ihren Favorit. In verschiedenen Sektionen wie Kurzfilm, Fernsehen und Kino werden mit diesem Preis alljährlich jene Crewmitglieder ausgezeichnet, die nicht wie Regisseure oder gar Schauspieler im Rampenlicht einer Filmproduktion stehen.

Die Jury „Fernsehfilm / Dokudrama“ sah unter mehr als 60 Einreichungen qualitativ hochwertige, in Einzelfällen wie dem ausgezeichneten Werk gar glänzende Produktionen. Häufig aber - zu häufig - musste sie sich über Gepflogenheiten beklagen, die sich irgendwie ins aktuelle Fernsehschaffen eingeschlichen haben: es gibt eine Art, immer voll mit der Kamera draufzuhalten, stets eine Spur zu aufdringlich auszuleuchten, oft zu schematisch nach Schnitt- Gegenschnitt-Muster zu gliedern, die den TV-Alltag im fiktionalen Bereich geradezu bestimmt.

Allerdings gibt es auch das Gegenteil: Kameraleute wie beim NDR-Tatort „Auf der Sonnenseite“, die sich in den Kopf gesetzt haben, Kunst zu produzieren. Schräge Winkel, kurvenreiche Fahrten, scharfe Kontraste, all das hängt nicht zwingend mit der sehr konventionellen Krimihandlung zusammen, sondern wirkt so, als wolle es von der Betulichkeit der Geschichte ablenken. Da lobte man sich einen ehrlichen, geradlinigen „Tatort“ wie „Der oide Depp“ aus Bayern, der seinen Kriminalfall ohne viel Schnickschnack erzählte. Das war auch der große Vorzug gelungener Produktionen wie der Reiseballade „Fräulein Stinnes fährt um die Welt“ (Kamera: Sophie Maintigneux), „Die Wölfe“ (Hanno Lentz) und „Liesl Karstadt und Karl Valentin“ (Gunnar Fuß).

Und natürlich vom preisgekrönten Werk „Die zweite Frau“, bei dem es Christian Rein gelingt, das Kammerspielartige der Geschichte mit einer beiläufigen Kamera einzufangen. Fast wirkt es, als stoße diese Kamera zufällig auf das Geschehen um einen schon nicht mehr jungen Nesthocker (Matthias Brandt), der sich zum Verdruss seiner Mutter (Monica Bleibtreu) ein junge Rumänin (Maria Popistasu) angelt. Hier steht alles im Dienst einer konzentriert erzählten Geschichte - es war diese ausbalancierte Komposition des Films, welche die Jury überzeugte.

Der Autor war Mitglied der Jury des Deutschen Kamerapreises.



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