Von Sven Winterschladen, 24.06.09, 21:27h, aktualisiert 24.06.09, 22:19h
KÖLNER STADT-ANZEIGER Herr Baer, Sie haben 1967 das Telespiel erfunden. Deshalb gelten Sie heute als „Vater der Videospiele“. Haben Sie mit dieser Entwicklung gerechnet?
RALPH BAER Nein, nein. Das war damals für mich überhaupt nicht vorstellbar. Ich war ein einfacher Ingenieur, der sich darüber gewundert hat, dass man auf dem Fernseher nur das TV-Programm verfolgen konnte. Das erschien mir angesichts der Möglichkeiten als zu wenig. Ich wollte etwas entwickeln, das den Menschen zusätzliche Freude bereiten kann. Und dann kam mir an einer Bushaltestelle in New York die Idee zu „Ping Pong“.
Eine riesige Videospiel-Industrie war geboren. . . Was denken Sie über die aktuelle Games-Generation, die gestern Abend mit dem angesehenen Lara-Award ausgezeichnet worden ist?
BAER Das ist schwierig zu beantworten. Da könnten Sie mich auch fragen, was ich von den aktuellen Büchern halte. Es gibt gute, und es gibt schlechte. Genauso ist das auch bei den Videospielen. Natürlich, die Grafik ist einfach fantastisch heutzutage. Aber insgesamt ist das alles sehr, sehr komplex geworden. Da bin ich zu alt für. Das ist nicht meine Generation. Ich spiele nicht mehr, ich schaue höchstens noch meinen Enkeln beim Spielen über die Schulter, weil es mich noch interessiert. Ich habe mich mein Leben lang mit Videogames beschäftigt - und ich bin ja mittlerweile 87 Jahre alt.
Computerspiele werden ständig kritisiert, weil sie gewaltverherrlichend seien und Jugendliche angeblich aggressiv machen sollten. Können Sie das nachvollziehen?
BAER Einige Programme sind pervers. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Brauchen wir wirklich Spiele, in denen sich die Menschen gegenseitig abballern? Oder in denen Personen brutal getötet werden, indem man mit Autos über sie fährt? Das ist eklig. Das ist grenzwertig. Andererseits gibt es ganz offensichtlich auch dafür eine Zielgruppe. Menschen wollen solche Spiele, also sollen sie diese auch bekommen. Denn es geht in diesem Geschäft natürlich auch um sehr viel Geld. Das darf man nicht vergessen.
Ihre Wurzeln liegen in Köln. Sie haben von 1924 bis 1938 hier gewohnt. Was halten Sie von der Entwicklung der Stadt zu einem Zentrum für Computerspiele?
BAER Ich bin neben der 4711-Fabrik aufgewachsen. Aber es hat sich einiges verändert. Der Krieg hat vieles zerstört, es musste fast alles neu aufgebaut werden. Köln war anders. Aber mir fällt sehr positiv auf, dass sich hier mit der Gamescom, dem Lara-Award, Electronic Arts und Microsoft, um nur einige zu nennen, ein richtiges Zentrum für Computerspiele entwickelt. Das ist beachtlich.
Das Gespräch führte Sven Winterschladen
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