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Oliver Pocher

Er ist doch nicht blöd

Von Jan Freitag, 25.06.09, 19:29h, aktualisiert 25.06.09, 21:48h

Oliver Pocher castet ab Samstag aus Hobbykickern seine eigene Fußballmannschaft. Mit der neuen Sendung „Sportfreunde Pocher - Alle gegen die Bayern“ dreht der Comedian in Sachen Eigenwerbung am Rad.

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Oliver Pocher startet mit der Fußball-Casting-Sendung "Sportfreunde Pocher - Alle gegen die Bayern". (Bild: Sat 1)
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Oliver Pocher startet mit der Fußball-Casting-Sendung "Sportfreunde Pocher - Alle gegen die Bayern". (Bild: Sat 1)
Unterhaltungsformate geraten zusehends zu Dauerwerbesendungen: Red-Bull-Kurven in Wok-WM-Bahnen, Cross-Marketing-Kanonaden bei „Deutschland sucht den Superstar“, Gottschalks gummibärchensüßes Product Placement bei „Wetten, dass. . ?“. Überall wird die Primetime zum Teilaspekt rotierender PR-Maschinen. An einem der Räder dreht Oliver Pocher besonders geschickt.

Man zähle aus Jux einmal die erwähnten Marken im folgenden, nicht ganz frei erfundenen Satz nach: „Ab heute castet Oliver Pocher, derzeit mit seiner Liveshow „Gefährliches Halbwissen“ auf Tour, bei Sat 1 Hobbykicker für ein Fußballspiel seiner „Sportfreunde Pocher“ in der Veltins-Arena zu Schalke, die zugunsten der „Bild“-Aktion „Ein Herz für Kinder“ neben dem neuen Sat 1-Moderator Johannes B. Kerner oder Skandalrapper Bushido im Team des Fitnessdiscounters McFit unter Leitung des Exmanagers Reiner Calmund gegen den FC Bayern München spielen.“

Zwölf Begriffe, zwölf Marken, die mehr oder minder gezielt vom Publikumsmagneten Castingshow profitieren. Dass geldwerte Mittel geflossen sind, etwa zwischen Sponsor und Sender oder Presse und Pocher wird naturgemäß dementiert. Doch abseits üppiger Honorare lebt die Präsenzökonomie des TV-Entertainments von Bildern pro Sekunde, Zeilen pro Seite, Klicks pro Homepage. Und so zahlt sich die wechselseitige Reklame für „Sportfreunde Pocher - Alle gegen die Bayern“ auch auf anderen Ebenen als Überweisungsträgern aus: Zwischen Boulevardbericht und Bandenwerbung, Werbespots bei Sat 1 oder Mitgliederzuwachs beim Fitness-Riesen.

Wie das funktioniert, belegen derzeit zwei weitere Schauplätze: die nach nur drei Folgen am Montagabend wegen miserabler Einschaltquoten auf den Samstagnachmittag, um 15.45 Uhr strafversetzte Serie „Mission Hollywood“, wo Till Schweiger dürre Püppchen für eine Nebenrolle im Nachfolger des Kinowelterfolgs „Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen“ castet. Und „Germanys Next Showstar“, das für die Europatournee von des Popstars DJ Bobo Pausenclowns sucht. Beides ist inhaltlich völliger Blödsinn (oder wie bitte soll man Schauspielerinnen für eine Rolle finden, die es noch nicht gibt?), aber betriebswirtschaftlich durchaus schlüssig.

Im „Twilight“-Fieber

So darf sich der Kölner Privatsender RTL im Glanz des globalen „Twilight“-Fiebers sonnen und der Kinoverleiher im Gegenzug über billige Spots bei RTL frohlocken. Die Juroren (Moritz Bleibtreu, Thomas Kretschmann, Heiner Lauterbach) können wie Till Schweiger munter PR in eigener Sache machen oder sich aus der Versenkung ins Gedächtnis hieven wie Leslie Anne Down, Carmen Electra, während drittklassige Darsteller sendereigener Soaps (Heiko Obermöller, Marcel Saibert) als Anspielpartner der Kandidatinnen suggerieren, es ginge um Handwerk, statt um das Anwerfen einer globalen Kommerzmaschine. Und am Ende der Verwertungskette freut sich der Carlsen-Verlag über Mehrverkäufe seiner Romanvorlagen, ganz zu schweigen vom DVD-Handel.

Nicht anders läuft es bei der ProSieben-Showstarsuche. „Natürlich profitieren beide Seiten davon“, sagt DJ Bobo zur Bühne für trommelnde Polizisten und steppende Hausfrauen. Und wie so oft bringt es seine Jury aus Verena Pooth und Elton ohne jede Kompetenz zu Top-Gagen und Bildschirmpräsenz. Und „Germanys Next Topmodel“ steht ja auch längst wieder in den Startblöcken der Renditekaskade Mitmachfernsehen, gleich neben „DSDS“ und „Popstars“. Überteuerte Voting-Hotlines, umfassendes Merchandising und langfristig gesicherte Sieger(innen)nutzung inklusive.

Bis zu solchen Konzernstrukturen hat es Oliver Pocher noch relativ weit. Dennoch kann sich die Werbetour in eigener Sache sehen lassen: Im Winter die medienwirksame Flucht von der ARD. Im Frühjahr ein Gastspiel auf der Superstarbühne. Nun, pünktlich zu Boris Beckers Hochzeit publiziert, die Liaison mit dessen Ex Sandy Meyer-Wölden. Im Herbst dann ein Auftritt beim lukrativen RTL-Hit „Cobra 11“. Und mittendrin sein Einsatz als Klassenclown der Fußballnation.

„Sportfreunde Pocher“ produziert übrigens die Constantin Entertainment GmbH, einst als Fernsehsparte des Sat 1-Miteigners Leo Kirch gegründet, heute eine Beteiligung der Constantin Film AG, die ihrerseits vom vormaligen Sat 1-Vordenker Fred Kogel gelenkt wird, dem Inhaber der „Kogel & Schmidt GmbH“, die „Schmidt & Pocher“ im Ersten verantwortete. An der Spitze von Constantin Entertainment wiederum steht neben Otto Steiner, dem Ex-Unterhaltungschef des ProSiebenSat 1-Zulieferers Tresor TV, auch Ulrich Brock, ehedem Sat 1-Programmchef. Jeder profitiert von jedem und alle von allem allerorten. Kurz: Pocher ist doch nicht blöd.



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