Von Susanne Hengesbach, 29.06.09, 19:10h
Das Thema „nachfolgende Generation“ beziehungsweise „Kinder“ ergibt sich, weil Deetz auf dem Weg zu seiner 88-jährigen Mutter ist, die „immer noch rüstig und tatkräftig“ im Teutoburger Wald lebt. In der Auseinandersetzung mit seinen eigenen beiden inzwischen erwachsenen Kindern sei er zu der Erkenntnis gelangt, dass man als Eltern mindestens so viel dazu zu lernen habe wie der Nachwuchs. „Man möchte die Kinder behüten, beschützen und kontrollieren.“ Aber das sei das, was ihnen am wenigsten helfe, um sich ablösen zu können.“ Früher habe er gedacht: „Erziehung heißt, ich muss was tun, damit Kinder richtig funktionieren.“ Dann habe er gemerkt, „genau das funktioniert nicht.“
„Man muss sich zurückhalten“, sagt der 66-Jährige, der an der Hochschule Fresenius einen Lehrauftrag im Bereich Personalwirtschaft innehat. „Aber man kann sie doch nicht einfach sich selbst. . .“, entgegne ich, an Jugendliche im Pubertätsalter denkend. Deetz lächelt. „Ganz beiläufig dasein“, lautet seine Maxime. Es sei normal, dass Kinder Fehler machten und Irrwege beschritten. Ihnen Predigten zu halten, nütze gar nichts. Wir müssten lernen, Geduld mit ihnen zu haben. Mit ihnen und mit uns selber. „Kinder sind wie Schildkröten. Wenn man sie anschiebt, ziehen sie die Beine ein und machen gar nichts mehr.“
„Wir wollen stets das Beste für unsere Kinder. Aber genau das ist das Problem!“ - Jetzt bin ich wahrscheinlich diejenige, die den Mann mir gegenüber mit staunenden Kinderaugen betrachtet. Deetz fährt lächelnd fort. „Kinder müssen selber rauskriegen, was sie wollen und wer sie sind. Sie wollen nicht unsere Wunschvorstellungen erfüllen. Sie möchten sich ihre Ziele selber aussuchen. Und auch ihre Vorbilder.“
Und was, wenn es gerade die falschen Vorbilder sind? - Deetz schaut, als kenne er diesen Einwand nur zu gut. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten“, sagt er und benutzt das Bild von Rehen im Wald. „Sie können einen Zaun drum machen, dann können die nicht weg. Oder Sie lassen den Zaun weg und vertrauen darauf, dass sie von sich aus kommen, wenn sie etwas brauchen.“ Mit Kindern sei es so, „wie wenn man aufs Examen zugeht: Da weiß man auch immer erst am Ende, ob man bestanden hat.“
Kinder sind wie Schildkröten
30.06.2009 | 19.10 Uhr | Maike Korte
Sehr geehrte Frau Hengesbach,
wie schön, dass sie noch Erfolg hatten und einen Kaffeeinteressenten gefunden haben.
Schon lange verfolge ich ihre…
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