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Kritik

Solche Schulen reißen Gräben auf

Von Lale Akgün, 29.06.09, 20:25h

Nach Ansicht der SPD-Bundestagsabgeordneten Lale Akgün schadet das Privatgymnasium der Integration. Ihrer Meinung nach sollte die Gesellschaft mehr auf Gemeinsames setzen, als ethnische Unterschiede aufzubauen.

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Köln - Ethnische Privatschulen sind schädlich für die Integration in Deutschland. Das Privatgymnasium „Dialog“, das erweitert werden soll, ist eine solche „ethnische Privatschule“, weil sie vornehmlich von türkischstämmigen Kindern und Jugendlichen besucht wird. Solche Schulen, die ethnisch definiert sind, reißen Gräben in einer Gesellschaft auf, die ohnehin viel zu sehr auf vermeintlich ethnische Unterschiede baut statt auf Gemeinsames.

Dieses Privatgymnasium gibt vor, strukturelle Assimilation fördern zu wollen. Damit sind gleiche Lebensverhältnisse gemeint - gleiche Chancen für Migranten wie Nicht-Migranten auf dem Arbeitsmarkt und in allen weiteren relevanten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Genau dieses Ziel konterkariert die Schule in Wahrheit jedoch, weil sie eine ethnische Nische für die jungen Menschen schafft. Eine ethnische Nische, in der sie zu wenig auf das Leben in Deutschland vorbereitet werden. Mehr noch: eine Dunkelkammer, die blind macht!

Kinder und Jugendliche, die ihre Schullaufbahn in einer solchen ethnischen Nische verbringen, haben in Wahrheit sogar schlechtere Chancen, wie der Integrationsindikatoren-Bericht nochmals wissenschaftlich bestätigt, den die Integrationsbeauftragte vorvergangene Woche veröffentlicht hat: Demnach sind die Kontakte in die Gesellschaft hinein die wichtigste Voraussetzung, damit Migrantinnen und Migranten schon im Kindesalter in die Gesellschaft hineinwachsen. Soziale Netzwerke sind neben der deutschen Sprache das „A und O“ für eine erfolgreiche Biografie als Zuwanderer in Deutschland.

Bei einem türkischen Privatgymnasium bleiben die türkischstämmigen Jugendlichen unter sich - statt in möglichst viele Milieus der Gesellschaft hinein Kontakte zu knüpfen. Ein weiterer Aspekt: Wie soll im Ernst die allgegenwärtige Perspektive der Ethnie überwunden werden, wenn Schülerinnen und Schüler ethnisch isoliert werden und von der Gesellschaft von wie sich selbst vor allem als Türken oder Deutsch-Türken wahrgenommen werden, obwohl sie meist hier geboren sind? Glaubt wirklich jemand, dass der Inklusion, also der Teilhabe an unserer Gesellschaft, hiermit geholfen ist? Nein, ganz im Gegenteil!

Paradox ist deshalb der Gedanke, eine Schule, die ausschließlich von türkischstämmigen Schülern besucht wird, sei der Integration dienlich. Es ist wichtig, dass wissenschaftliche Erkenntnisse, wie jene des Integrationsindikatorenberichts, auch von der Politik gehört werden - selbst wenn Applaus von der falschen Seite kommt oder Wahlkampfstrategen raten, „von diesem heißen Eisen“ lieber die Finger zu lassen.



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