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Kommentar

Kulturtechnik Internet

Von Tobias Kaufmann, 30.06.09, 22:42h

Ein Drittel der Deutschen nutzt das Internet nicht. Wenn Menschen über 70 nicht mehr durch die digitale Realität surfen, dann ist das weder unnormal noch besorgniserregend. Der Begriff „digitale Kluft“ kann dennoch eine dramatische Bedeutung haben.

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Das World Wide Web wird von vielen Deutschen genutzt: Fast 70 Prozent sind einer Studie zufolge online. (Bild: dpa)
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Das World Wide Web wird von vielen Deutschen genutzt: Fast 70 Prozent sind einer Studie zufolge online. (Bild: dpa)
Die Nutzung des Internets wird immer mehr zu einer Kulturtechnik. Umso mehr macht es Sorgen, wenn Experten von einer „digitalen Kluft“ sprechen - einen Graben zwischen jenen, die das Internet nutzen und jenen, die das nicht tun. Solange es dabei nur um Altersunterschiede geht, sollte man sich aber nicht von dem dramatisch klingenden Begriff auf die falsche Fährte locken lassen. Dass Menschen über 70 nicht mehr durch die digitale Realität surfen, ist weder unnormal noch besorgniserregend. Außerdem zeigt der Trend, dass sich dieser Graben schließt. Die zunehmende Verbreitung von schnellen Breitbandverbindungen ist ein Grund dafür - die Zugriffszahlen etwa von Nachrichtenseiten im Netz zeigen, dass immer mehr Menschen abends zu Hause surfen, statt nur im Büro, wie früher. Zudem hat sich in keiner Altersgruppe binnen eines Jahres die Zahl der Internetnutzer so erhöht wie unter den 60- bis 69-Jährigen.

Der Begriff „digitale Kluft“ kann dennoch eine dramatische Bedeutung haben. Der heftige Streit über das Internetsperren-Gesetz hat es zuletzt gezeigt. Mit den Gegnern dieses Gesetzes, die zumeist viel im Internet unterwegs sind oder darin sogar ihre Jobs oder ein Geschäft haben, fühlt sich eine ganze Gesellschaftsgruppe von der Politik nicht mehr vertreten. Wie können Volksvertreter bar jedes einschlägigen Wissens so ein untaugliches Gesetz durchdrücken? Die Politik wiederum fühlt sich von einer ganzen Gesellschaftsgruppe missverstanden. Wie können diese Bürger übersehen, dass wir es doch gut meinen?

Das ist jene gegenseitige Sprachlosigkeit, die wirklich gefährlich werden kann - und in der sich beide Seiten lieber nicht einrichten sollten. Denn selbst wenn alle ans Netz angeschlossen sind, ist der Lernprozess mit der Kulturtechnik Internet noch längst nicht abgeschlossen.



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