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GutenMorgenKöln

Achim Achilles ist die schnellste Frau

Von Claudia Lehnen, 23.06.09, 13:19h, aktualisiert 23.06.09, 13:57h

Hajo Schumacher wirkt sehr entspannt. Unter dem Pseudonym Achim Achilles läuft der Zeitschriftenherausgeber und Internetkolumnist aber überall dort, wo es wehtut. Auch Frühsport bereichert er mit seinem Motto: "Qualität kommt von Qual."

Hajo Schumacher Frühsport
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"Ich war ein dickes Kind. Ich saß vor dem Fernseher und meine Mutter hat mich mit Süßigkeiten gefüttert. Sie hat mich verwöhnt." (Bild: Lehnen)
Hajo Schumacher Frühsport
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"Ich war ein dickes Kind. Ich saß vor dem Fernseher und meine Mutter hat mich mit Süßigkeiten gefüttert. Sie hat mich verwöhnt." (Bild: Lehnen)
DÜSSELDORF - Hajo Schumacher sieht aus, als hätte er nicht den richtigen Biss. Die Arme schlenkern ein bisschen wie sie das bei großen Männern oft zu tun pflegen. Vielleicht sind sie auch ein wenig zu lang. In jedem Fall elastisch. Ein 18-Jähriger, ein bisschen zu schnell gewachsen. Der Kopf ist auf einmal zu weit oben. Kaugummi würde gut in Schumachers Mund passen. Aber beim Dauerlauf kann man sich ja leicht verschlucken. Deshalb hat Schumacher nichts im Mund als ein paar lockerer Worte über die eigene Geschichte, die er erst gut durchkaut bevor er sie ausspuckt. „Ich war ein dickes Kind“, sagt Schumacher, der mal Max-Chefredakteur war und jetzt als Deutschlands bekanntester Online-Hobbyläufer unter dem Pseudonym Achim Achilles durchs Internet joggt.

Warum dick? Kinder rennen doch. Schumacher rannte nicht. „Ich habe gern ferngesehen und meine Mutter hat mich mit Süßigkeiten gefüttert. Sie hat mich verwöhnt.“ Die Wende brachte der Kinderarzt, der sagte: „Das Kind muss sich bewegen. „ „Und meine Mutter schickte mich ins Kinderturnen. Es gibt nichts Schlimmeres als ein dickes Kind zu sein und am Reck zu hängen.“ Schumachers Körper ist durchtrainiert. Das Bild will sich nicht so recht über den pummeligen Jungen im Turnunterricht schieben. Die Sonne kommt raus, mir wird heiß. Kein Wind vom Rhein. Schumacher sieht aus, als würde er dribbeln, dabei macht er immer noch größere Schritte als ich.

Der Iron-Man läuft ganz locker

Hajo Schumacher will mal Iron-Man werden. Natürlich auf Hawaii. Eisen und der Hobbyläufer. Das will auch nicht zusammen passen. Schumacher wirkt locker. Wie einer, der sein ganzes Leben am liebsten immer Amateur wäre. Aber auch ein Hobby kann zum Ehrgeiz anstacheln. Oder zum späten Sieg in hoher Altersklasse. „Ich habe meiner Frau schon vor langer Zeit eröffnet, dass ich mit 60 Jahren beim Iron-Man auf Hawaii starten will. Bis dahin will ich auch mehrfacher Millionär sein, weil wir dann schließlich ein bis zwei Jahre dort zur Vorbereitung leben müssen. Der Plan mit dem Geld ist noch etwas wackelig, aber teilnehmen will ich auf jeden Fall.“

Schumacher klagt über die Pflicht. Darüber, dass er zu wenig Zeit für sein sportliches Hobby hat. Auch der Kinder wegen, über die er froh ist, die „mich aber davon abhalten, meinen sportlichen Leidenschaften nachzugehen.“ Und doch ist Schumacher am Ende einer, der das Korsett, über das er klagt, lieb gewonnen hat. „Ich glaube, man tut immer das gerne, für das man keine Zeit hat. Wenn ich dauernd Sport machen könnte, würde ich es immer verschieben. Wenn ich aber nur eine Stunde am Tag habe, dann ziehe ich es durch und jammere, dass ich nicht mehr Zeit habe."

„Achim Achilles ist die zweitschnellste Frau“, hat Schumacher von seinem letzten Triathlon getwittert, weil er nach der schnellsten Frau ins Ziel trabte. Der Mann, der bei der Zeitschrift Max die Hochglanz-Doppelseiten liebte, haut jetzt kurze knackige Twitter-Botschaften ins Netz. Der Schmuck ist irgendwo auf dem Weg zum Online-Achilles abhanden gekommen. Aber Schumacher geht mit der Zeit. Und hat gemerkt, dass die Zeit dem Dauerläufer auch entgegenkommt. „Jogger sind sehr onlineaffin. Das liegt vielleicht daran, dass das Internet ein so schnelles Medium ist.“

Die SPD-Krise? Nicht so dramatisch

Schumacher ist konzentriert. Wir haben nur 40 Minuten, dann muss er zum Flughafen, zurück nach Berlin, in zwei Tagen ist er schon wieder am Rhein, er hält die Laudatio für einen Gewinner des Grimme Online Awards, der am Mittwochabend in Köln verliehen wird. Beim Joggen machen wir Fotos, überqueren Straßen, am Uferweg liegt ein Fotomodell in angespannter Pose, einen halb aufgeblasenen Luftballon im Mund. Ich quatsche dazwischen. Spreche Passanten an. Aber Schumacher lässt sich nicht rausbringen. Er trabt. Er redet. Er ist kein bisschen aus der Puste. Ich spreche die SPD an, weil die eines seiner Lieblingsthemen ist. Wieder zwei Memorybilder, die nicht zusammen passen. Ein politischer Journalist, der sich mit Lust in die Niederungen der Hobbysportberichterstattung begibt. Die Krise der SPD sieht er nicht so dramatisch. Zusammen mit den Linken und den Grünen haben die linken Parteien immer noch etwa die Hälfte der Stimmen. Darüber, wann und ob es zu einer Koalition kommen könnte, will Schumacher nicht spekulieren. Aber er zieht den Mann aus dem Ärmel, der dem Brückenbauen nicht abgeneigt ist: „Für die SPD kommt als nächster Vorsitzender eigentlich nur Klaus Wowereit in Frage.“

Als wir zum Flughafen düsen und Schumacher kein bisschen schwitzt, gebe ich zu, dass er fitter ist als ich. Biss hat er genug. Heute Abend kann er twittern: „Achim Achilles ist die schnellste Frau.“

Hajo Schumacher ist einer der Laudatoren für die Gewinner des Grimme Online Awards, der am Mittwoch, 24. Juni in Köln verliehen wird. Der Sender 3sat berichtet in seinem Magazin "neues" am 28. Juni über die Preisverleihung.



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