Von Tobias Kaufmann, 24.06.09, 22:35h, aktualisiert 26.06.09, 13:51h
Ansonsten aber nähern sich die Medien weiter aneinander an - nicht nur, was die Bedeutung betrifft. Das Internet ist Gegenwart, wie Uwe Kammann, Direktor des Grimme-Instituts mit Verweis auf die Lage im Iran sagte. Der Grimme-Award soll herausheben, wie viel Qualität und wie viele gute Ideen auf dieser Gegenwarts-Plattform zu finden sind.
Die Großen und die Kleinen
Dabei offenbarte sich am Mittwochabend ein doppelter Trend. Preiswürdig waren aus Sicht der Jury einerseits ganz Große und andererseits ganz Kleine. In der Sparte Information siegte so das ZDF-Parlameter, eine Seite, auf der die Mechanismen des Bundestags visualisiert werden. Ein Projekt, wie es wohl nur unter den Fittichen eines gebührenfinanzierten Riesen entstehen kann. Dasselbe gilt für die preisgekrönte Kinderseite „TOM und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig“ (SWR) und „Wissen macht Ah!“, die Internetbegleitung der gleichnamigen TV-Sendung - ein erfolgreiches Format von „Klugscheißern“, wie sich die Macher selbst nennen.
Das Internet zur Erweiterung bestehender Formate, das funktioniert bei den großen Anstalten gut - vorausgesetzt, es ist Platz für Kreativität. In derselben Kategorie wurde aber auch Carta.info ausgezeichnet. Das Autorenblog liefert Texte renommierter Schreiber aus Wissenschaft und Politik mit einem Fokus auf das Thema mediale Öffentlichkeit - ein Wegweiser durch den Dschungel des Internets für aufgeklärte Leser. Einen weiteren Preis im Bereich Information erhielt der Sportjournalist Jens Weinreich für sein Blog, in dem er Artikel, Recherche-Ergebnisse und Reaktionen veröffentlicht.
Musikspinner sind preiswürdig
Auch Seiten wie das im Bereich Wissen ausgezeichnete Designtagebuch oder das Webradio byte.fm - laut eigener Aussage von „Musikspinnern“ gemacht - passen in den Trend: Ideen einzelner Kreativer oder kleiner Teams, ohne große finanzielle Mittel umgesetzt und auf eine netzaffine Zielgruppe ausgerichtet. Nicht von ungefähr dankten alle Preisträger ihren Usern - denn die liefern in Kommentarspalten oft entscheidende Hinweise und Anregungen.
Obwohl fast alle Blogs nicht existieren könnten ohne Bezug auf Zeitungen, ist kein einziges Angebot eines klassischen Printmediums von der Jury 2009 als preiswürdig erachtet worden. Das kann man angesichts gelungener Auftritte zahlreicher Print-Häuser durchaus für ungerecht halten. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass diese Angebote genau dazwischen liegen - für den ganz großen Wurf fehlen oft die Mittel. Und die kleinen Kreativen tummeln sich im Qualitäts-Netz 2009 oft abseits des Etablierten.
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