Von Markus Wessel-Therhorn, 01.07.09, 14:51h
Das Konzert am Sonntag war das abschließende I-Tüpfelchen für das Forum Ostwest. Zum neunten Mal widmete sich das vielseitige Kulturprojekt der künstlerischen Begegnung mit Polen und seinen Nachbarländern. „Es geht hier um Kommunikation“, sagte die Kulturreferentin für den Rheinisch-Bergischen Kreis, Susanne Bonenkamp. „Das ist immer wieder eine Chance, sich mit der Kultur von Ländern auseinander zu setzen, von denen wir eher wenig wissen.“ So ist in diesem Jahr auch zum ersten Mal Litauen Teil des Forums.
Musikalisch sind Sängerin Taurinta und ihre Band, die schon auf der Eröffnungsfeier des Forums das Publikum begeisterten, schwer einzuordnen. Obwohl sie sich instrumental eher in den Gewässern des Jazz und Blues bewegen, wird diese Eingrenzung ihrer Vielfalt bei weitem nicht gerecht. Denn schließlich stecken ihre Wurzeln sowohl tief im Blues, Soul und Jazz, als auch in der Volksmusik ihrer Heimat. Die innovative Mischung kreiert einen sehr persönlichen Stil, den die Musiker voller Inbrunst und Souveränität vermitteln. Live schafften sie es spielerisch, zwischen den verschiedenen Genres hin und herzuwandern und bauten so musikalische Brücken nicht nur zwischen den verschiedenen Stilrichtungen, sondern auch zwischen den verschiedenen Kulturen. Das Erforschen ihrer musikalischen Wurzeln und das schaffensfreudige Stilbrechen wurde dabei nicht zu Selbstzweck, sondern orientierte sich immer am Gesamtkonzept des Auftritts und am Publikum. Dieser Drahtseilakt wurde besonders kritisch, als Taurinta begann, verschiedenen Effektgeräte in die Performance einzubinden. So wurde ein Computer zur Rhythmusmaschine und mit einem anderen Gerät konnte die Sängerin sich selber kurz aufnehmen, die Tonbausteine übereinander legen und so sich einen einen Backgroundchor erschaffen oder sogar mit sich selbst im Kanon singen.
Aber auch ohne die technischen Möglichkeiten von Computern und Co. konnten die musikalischen Fähigkeiten der jungen Künstler begeistern. Herausragend war hier besonders die rauchig-durchdringende Stimme von Taurinta selber, die so ihre Stücke mit einer bittersüßen Note garnierte. Saxophonist Lutz Streun und Pianist Gert Kapo boten ihr ein kraftvolles instrumentales Kontra, wobei sie sowohl durch ihre sensible Begleitung der Sängerin als auch durch zickig-energiegeladenen Improvisationen begeistern konnten. Für die nötige rhythmische Stabilität sorgten Bassist André Cayres und Sebastian Winne am Schlagzeug. Als musikalische Einheit schufen sie so einen groovigen, facettenreichen Klang voller Lässigkeit und Transparenz. Alles in allem war das Konzert ein würdiger Abschluss des Forum Ostwest.
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