Erstellt 01.07.09, 23:17h
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Frau Gause, gibt es ab sofort mehr Kleidergeld vom ZDF? Schließlich werden sie im neuen Nachrichten-Studio nicht mehr nur mit ihrem Oberkörper zu sehen sein.
GUNDULA GAUSE: Diesbezüglich hat sich das ZDF schon immer sehr großzügig gezeigt. Wofür ich sehr dankbar bin.
Dass Nachrichten-Moderatoren bisher nur oben herum seriös gewandet waren und unter dem Tisch in Shorts und Badeschlappen saßen, ist also ein Mythos?
GAUSE: Natürlich. Ich kann versichern, dass alle „heute“-Moderatoren vor der Kamera schon immer von Kopf bis Fuß korrekt gekleidet waren. Zugegeben, samstags trug Claus Kleber schon mal eine Jeans zum Sakko, aber das wird er künftig nicht mehr tun.
Welche technischen Innovationen bei den Nachrichten-Sendungen haben Sie im Laufe ihrer 20 Jahre beim ZDF miterlebt? War 1989 schon der Teleprompter im Einsatz oder mussten sie noch vom Blatt lesen
GAUSE: Soweit ich mich erinnere, wurde der damals gerade in Betrieb genommen. Aber der war lediglich eine technische Hilfe, nicht zu vergleichen mit der Revolution in der Kommunikation, die wir heute erleben. Dabei betreffen die veränderte Beschaffung und die Verbreitung von Informationen ja keineswegs nur die Fernsehnachrichten, sondern längst die gesamte Gesellschaft. Immer mehr Menschen informieren sich heute über das Internet. Dieser Herausforderung müssen wir uns Nachrichten-Redakteure natürlich stellen.
Im neuen Studio werden sie demnächst wieder im Stehen moderieren&
GAUSE: Was ich als sehr vorteilhaft empfinde. Das tut der Stimme gut, wirkt nicht so statisch, man kann viel freier agieren und muss nicht ständig darauf achten, ob das Jackett unvorteilhafte Falten schlägt oder sonst irgendetwas nicht sitzt.
Ihre männlichen Kollegen von "heute" und „heute-journal“ sollen am Abend künftig nur noch in weißen Hemden auftreten. Welchen Dresscode gibt es für die Damen?
GAUSE: Wir werden weitestgehend auf Schmuck und andere Accessoires verzichten, die die Zuschauer nur vom dem ablenken, was wir ihnen nahe bringen möchten.
Droht da nicht der uniforme Einheitslook?
GAUSE: Im Gegenteil. Gerade weil wir auf äußerliche Herausstellungen verzichten, bietet sich uns die Möglichkeit, unsere jeweilige Individualität als Journalist und Moderator vor der Kamera stärker auszuleben.
Bemerken Sie an Zuschauerreaktionen nach der Sendung, dass die äußere Erscheinung bei Moderatorinnen noch immer eine weit größere Rolle spielt als bei ihren männlichen Kollegen?
GAUSE: Ja, das ist einfach nicht auszurotten. Auch wenn wir uns alle Mühe geben, den Focus auf die Nachrichten zu lenken, werde ich immer wieder angesprochen, wie gut oder schlecht mir diese oder jene Bluse gestanden hätte.
Ist das nicht frustrierend, wenn sich Zuschauer mehr für ihr Kostüm als für die von Ihnen vermittelten Nachrichten interessieren?
GAUSE: Natürlich, aber das ist ja eine uralte Geschichte. Man weiß ja aus Untersuchungen, dass viele Zuschauer sich nach solchen Sendungen nur an einen Bruchteil der Informationen erinnern, aber ganz genau wissen, welche Farbe die Krawatte des Moderators hatte. Aber wir hoffen, mit den Möglichkeiten des neuen Studios die Menschen noch besser als bisher davon abhalten zu können, auf solche Nebensächlichkeiten zu achten.
Überraschenderweise sind auch im hypermodernen Studio die guten alten DIN-A-4-Blätter nicht verschwunden. Im Gegensatz zu den Notebooks, die Sie bis bislang auf dem Tisch hatten. Haben Sie die jemals während der Sendung benutzt oder waren die nur Dekoration?
GAUSE: Die haben wir durchaus benutzt, um ums während eines Einspielsfilms, über aktuelle Entwicklungen zu informieren.
Geht das bei dem Stress einer Live-Sendung überhaupt?
GAUSE: Durchaus. Wir sind ja alle Journalisten und da gehört das zum Job. Im Laufe der Jahre hat man sich ohnehin angewöhnt, sehr schnell zu arbeiten. Wir stehen in diesem Geschäft ja alle ständig unter Strom.
Und wozu noch das raschelnde Papier?
GAUSE: Nun gut, darauf könnte ich eigentlich verzichten. Aber ich habe während der Sendung einfach gern etwas zum Anfassen. Oft überfliege ich, wenn ich nicht im Bild bin, noch einmal meine Texte und manchmal male ich auch nur darauf herum.
Das Gespräch führte Reinhard Lüke
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