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Juli 2009

Ein Barometer der Kölner Kultur

Erstellt 03.07.09, 15:16h, aktualisiert 06.11.09, 15:15h

Wie beurteilen die Kulturschaffenden in Köln die Stimmung in der Stadt? Der Kölner Stadt-Anzeiger legt erstmals exklusiv den „Kölner Kulturindex“ vor – er soll künftig zweimal jährlich zum Stimmungsbarometer der Kölner Kultur werden.

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Wie beurteilen die Kulturschaffenden in Köln die Stimmung in der Stadt? Wie schätzen sie die allgemeine und die ihrer eigenen Sparte ein? Was sind die drängendsten Probleme für die Zukunft. Auf Initiative des Kölner Kulturrats legt der Kölner Stadt-Anzeiger exklusiv den „Kölner Kulturindex“ vor, der sich in den kommenden Jahren zu einem kontinuierlichen Stimmungsbarometer entwickeln soll.

Im Abstand von sechs Monaten werden künftig die wichtigsten Parameter abgefragt, so beispielsweise die nach der Entwicklung der Besucherzahlen, nach der wirtschaftlichen Lage der unterschiedlichen Sparten. Neben diesem allgemeinen Teil wird der Kulturindex sich natürlich auch aktuellen Themen widmen. Zum Auftakt stehen der Einsturz des Historischen Archivs und dessen Folgen und der neue Kulturentwicklungsplan im Mittelpunkt. Die Daten hat das Forschungsinstitut für Soziologie der Universität Köln ermittelt. Der Kulturindex ist in dieser Form bundesweit einmalig.

Die Grundlage: Die Resonanz in der Kulturszene auf den ersten Aufruf war überraschend hoch. 242 Kulturschaffende haben sich an der Erhebung beteiligt und sich für die Beantwortung der Fragen im Durchschnitt 20 Minuten Zeit genommen. Dabei ist die Kulturszene mit einem repräsentativen Querschnitt vertreten. 32 Prozent der Befragten stammen aus dem Bereich der Bildenden Kunst, 27 Prozent aus anderen Sparten, 15 Prozent aus dem Musikgeschäft, 14 Prozent aus der Darstellenden Kunst.

Die kulturpolitische Stimmung wird in der Szene insgesamt verhalten pessimistisch bewertet. Das gilt für die momentane Lage ebenso wie für den Blick auf die kommenden sechs Monate. Wobei für Ulrich Rosar vom Forschungsinstitut für Soziologie vor allem eines überrascht: Die Kulturbetriebe, die privatwirtschaftlich organisiert und daher auf Gewinne angewiesen sind, kommen zu einer ähnlichen Einschätzung wie die Institutionen, die nicht in erster Linie wirtschaftlichen Zwängen unterliegen. „Die Stimmung in der eigenen Sparte wird ähnlich eingeschätzt wie die allgemeine kulturpolitische Stimmung“, so Rosar. Das sei ein Beleg dafür, dass die Befragten in der Regel über den „eigenen Tellerrand hinausgucken“.

Die wirtschaftliche Lage: Das Urteil lautet auch in diesem Falle: verhalten pessimistisch. Und auch hier gibt es keinen statistisch relevanten Unterschied zwischen den Profit- und Non-Profit-Betrieben.

Das Publikum: Bei der Frage nach den Besucherzahlen geht eine Mehrheit von 47 Prozent davon aus, dass sich in den kommenden sechs Monaten keinerlei Veränderungen ergeben werden. Weitere 30 Prozent erwarten einen leichten, zwei Prozent sogar einen starken Anstieg. Das führt zu dem Gesamturteil: verhalten optimistisch. „Diese Einschätzung überrascht mich trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht“, sagt Rosar. Köln sei ein Kulturmagnet mit einem „profilierten und breit gestreuten Angebot“. Die Bürger, die sich für dieses Angebot interessierten, entsprächen nicht dem Durchschnitt der Bevölkerung, sondern lägen in Sachen Einkommen und Bildungsstand eher darüber, stellt der Soziologe fest.

Die Projekte: Der Einsturz des Historischen Archivs und die Folgen sind das Top-Thema des ersten Kulturindex. 93 Prozent der Befragten stufen das in die Kategorien „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ ein. Für 78 Prozent der Befragten hat das Thema eine „große Bedeutung“. 29 Prozent sind der Auffassung, dass das neue Haus entweder in der Severinstraße oder am historischen Ort im Gereonsviertel errichtet werden soll.

Auch müssten weitergehende Konsequenzen aus dem Einsturz gezogen werden: 27 Prozent fordern generell eine bessere Sicherung und Bewahrung der kulturellen Schätze, 24 Prozent plädieren für eine bessere Bauplanung und Bauüberwachung. Für einen „schnellen und großzügigen Wiederaufbau“ setzen sich 17 Prozent der Befragten ein. Die Klärung der Unglücksursache und die Belangung der Schuldigen ist für 16 Prozent ein Thema.

Das Image: Die Kulturstadt Köln profitierte in den letzten sechs Monaten vor allem von der Neuausrichtung der Art Cologne. Aber auch die Bühnen der Stadt Köln, die zumal im Schauspiel-Bereich eine neue Aufmerksamkeit erfahren, sowie die Museen der Stadt zählen zu den positiven Faktoren im Kulturleben. Diese Ergebnisse sind umso interessanter, weil die Befragten ohne Vorgaben antworten konnten. Überraschend ebenfalls: die lit.Cologne, die ohne öffentliche Zuschüsse auskommt und rein privatwirtschaftlich organisiert wird, halten zehn Prozent der Befragten für besonders Image fördernd.

Einhellig fällt die Beurteilung der Image schädigenden Ereignisse aus: 54 Prozent sagen, der Einsturz des Archivs habe dem Ansehen der Kulturstadt Köln geschadet. Immerhin noch sieben Prozent nennen in diesem Zusammenhang die Affäre um den falschen Doktortitel von Hans-Georg Bögner, Geschäftsführer der SK Stiftung Kultur und ehemaliger kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Stadtrat. Schlechte Noten erhält auch das Kulturmanagement der Stadt Köln: Mehr als ein Viertel der Befragten sagt: Es ist eher schädlich als nützlich.

Wichtige Personen: Dass die Stimmung insgesamt eher verhalten ausfällt, ist vor allem auf die handelnden Personen in der Politik und der Verwaltung zurückzuführen. Auf die Frage, ob sie in den vergangenen sechs Monaten einen „sehr wichtigen“ oder zumindest „eher wichtigen“ Beitrag für die Kultur geleistet haben, erhalten Oberbürgermeister Fritz Schramma und Lothar-Theodor Lemper als Vorsitzender des Kulturausschusses mit 24 bzw. 31 Prozent extrem schlechte Noten. Auch Kulturdezernent Georg Quander - als Spitzen-Vertreter der Kulturverwaltung - erzielt mit 60 Prozent ein nach Einschätzung der Experten des Kulturrates eher dürftiges Ergebnis. Dagegen erzielt die neue Schauspielintendantin Karin Beier, deren Produktionen auch bundesweit wahrgenommen und zum Berliner Theatertreffen eingeladen werden, eine besonderes hohe Zustimmung. Aber auch Generalmusikdirektor Markus Stenz, Art-Cologne-Direktor Daniel Hug, Kulturamtsleiter Konrad Schmidt-Werthern und Andreas Blühm, Direktor des Wallraf-Richartz-Museums / Fondation Corboud, erhalten überdurchschnittlich gute Werte.

Der neue Kulturentwicklungsplan: Das Misstrauen in Politik und Verwaltung spiegelt sich auch bei der Bewertung des Kulturentwicklungsplans wider. 71 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass er sich insgesamt positiv auf die Kölner Kultur auswirken könnte und immerhin 47 Prozent erhoffen sich einen Schub für die eigene Sparte. Allein der Glaube daran, dass es der Politik gelingen wird, den Plan auch in die Tat umzusetzen, ist verschwindend gering. Gerade mal 13 Prozent der Befragten trauen das der Stadtverwaltung und der Politik zu. Entsprechend deutlich sind die Erwartungen an den kommenden Oberbürgermeister und den Kulturdezernenten Georg Quander. 13 bzw. 17 Prozent der Befragten fordern, dass beide künftig in der Kölner Kulturpolitik eine wichtigere Rolle spielen. Und eine Forderung richtet sich auch an das Land Nordrhein-Westfalen. 75 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass die Unterstützung durch das Land nicht angemessen ist.



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