Von Angela Horstmann, 07.07.09, 21:03h, aktualisiert 01.09.10, 16:14h
Sollen sich die Mücken doch vermehren. Können Sie uns denn nicht in Ruhe lassen? Nein, das können sie nicht, erklärt Burkhard Schricker. Mücken-Weibchen brauchen zur Eiablage ein „gutes schnelles Eiweiß“. Das bietet ihnen nur eine Blutmahlzeit. Und das heißt: Stechalarm für Menschen. Die nötige Blutmahlzeit nämlich bekommen die Mückenweibchen bei unsereinem grundsätzlich leichter und schneller als bei Tieren. Durch unsere Haut können sie, anders als durch die dicht behaarten Tierfelle, schnell ihren Rüssel bohren und sich an unserem Blut „bedienen“.
Mücken-Speichel hemmt die BlutgerinnungEin Entrinnen ist vor allem nachts kaum möglich. Die CO2-reiche Luft, die wir beim Ausatmen produzieren, ist für die Mücken Orientierung und verrät ihren Weibchen schnell, wo es Nahrung gibt. Dass sich ein Mücken-Weibchen bei uns bedient hat, merken wir freilich erst, wenn es bereits passiert ist. „Bevor die Mücke mit dem Saugen beginnt, spritzt sie zunächst Speichel in die Haut. Dieser hat nicht nur eine gerinnungshemmende Wirkung, was dafür sorgt, dass das Blut flüssig bleibt, sondern auch eine leicht betäubende Wirkung“, erklärt Zoologe Burkhard Schricker.
Das im Speichel enthaltene Gift - und nicht der Stich an sich - verursachen letztlich den quälenden Juckreiz. „Dieses Speichelgift regt Abwehrzellen an, körpereigenes Histamin freizusetzen“ erläutert Dr. Jan Hundgeburth, niedergelassener Dermatologe in Frechen und stellvertretender Vorsitzender des Verbands Kölner Hautärzte.
Warum aber muss der eine Mensch gleich für mehrere „Gänge“ der Blutmahlzeit herhalten und der andere bleibt nahezu komplett unversehrt? Ein bisschen gibt dieses Phänomen auch noch den Experten Rätsel auf. Vermutlich hängt die unterschiedliche Beliebtheit bei den Mücken-Weibchen aber mit dem individuellen Duftcocktail eines jeden Menschen zusammen. Nur wie jene Duft-Mischung genau aussieht, die Mücken anzieht, wissen die Experten immer noch nicht vollständig. Fest steht aber, dass manche Gerüche für Insekten attraktiver sind als andere. Oben auf der Hitliste stehen neben der Körperwärme mit bestimmten Schweißkonzentrationen vor allem auch süßlich Parfums, die Sexualhormone enthalten. Ob 2009 ein super Mückenjahr wird, darüber möchte Insektenexperte Schricker noch keine Prognose wagen. Der Start in den Sommer war für die kleinen Stechinsekten schon mal ideal. Bereits jetzt stehe aber schon fest, so Schricker, dass es in diesem Jahr weniger Hummeln gibt. „Als im Frühjahr die Hummel-Königinnen heraus gekommen sind, war es zu kalt. Da sind viele Nester gar nicht weitergebaut worden“, sagt der Berliner Insekten-Experte.
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