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Statistik

Die Krise drückt auf die Löhne

Von Peter Hahne, 06.07.09, 23:05h, aktualisiert 01.03.11, 10:17h

Das fünfte Jahr in Folge sinken die Einkommen in Deutschland. So rechnet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung mit einem Minus von 1,5 Prozent bei den Reallöhnen pro Kopf.

BERLIN - Trotz historisch niedriger Inflationsraten bleibt den Arbeitnehmern in diesem Jahr erneut weniger Geld in der Tasche. Es wäre das fünfte Jahr in Folge, dass die Reallöhne der Beschäftigten sinken. Grund ist die Wirtschaftskrise. Denn die angespannte Lage in den Unternehmen führt nicht allein zu Entlassungen und Kurzarbeit, sondern auch zu Kürzungen bei Sonderzahlungen, freiwilligen Leistungen der Firmen und der verstärkten Nutzung tariflicher Öffnungsklauseln. Das alles drückt die Einkommen der Beschäftigten. So rechnet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen mit einem Minus von 1,5 Prozent bei den Reallöhnen pro Kopf.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt jetzt die Commerzbank in einer Studie, über die die „Berliner Zeitung“ berichtet. Danach werden die Tariflöhne in diesem Jahr zwar noch um 2,2 Prozent zulegen. Tatsächlich jedoch kommt wegen der Krise immer weniger bei den Beschäftigten an. Unterm Strich dürfte das Plus bei den Effektivlöhnen nach Berechnungen der Bank auf 0,3 Prozent schrumpfen.

Die gezahlten Bruttolöhne steigen wohl weniger stark als die Inflationsrate, die 2009 bei voraussichtlich 0,4 bis 0,5 Prozent liegen wird. Für die Arbeitnehmer bedeutet das: Real bleibt unterm Strich erneut nichts mehr übrig. So war es auch in den vier Jahren zuvor. Selbst 2008 - im Aufschwung - sind die Reallöhne der Beschäftigten gesunken. Im vergangenen Jahr lag das allerdings an der hohen Inflationsrate. 2008 waren die Lebenshaltungskosten mit einem Plus von 2,6 Prozent bereits das vierte Jahr in Folge schneller gestiegen als die Bruttolöhne (plus 2,3 Prozent).

Für Arbeitnehmer besonders entmutigend: Eine Besserung der Lage ist auch im kommenden Jahr nicht in Sicht. Im Gegenteil: Es könnte noch schlimmer werden. Dazu trägt nicht nur der erwartete Anstieg der Arbeitslosigkeit bei. Auch durch das Zusammenstreichen von Sonderzahlungen, freiwilligen Leistungen und niedrigeren Tarifabschlüssen ist sehr wahrscheinlich, dass das verfügbare Einkommen der Arbeitnehmer 2010 weiter sinkt.

Die Commerzbank rechnet für 2010 nur noch mit stagnierenden Effektiveinkommen. Unterstellt man, dass sich der Preisauftrieb wieder auf eine normale Rate von rund 1,5 Prozent beschleunigt, müssen sich die Arbeitnehmer auf schmerzhafte Reallohneinbußen einstellen. Genau lassen sich solche Berechnungen natürlich heute noch nicht durchführen, da sie auf etlichen Annahmen beruhen, die sich im Lauf der Zeit ändern können. Doch die Richtung der Commerzbank-Prognose dürfte angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung und des Übergreifens der Krise auf den Arbeitsmarkt zutreffen. Bereits im ersten Quartal sind die Reallöhne um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, berichtet das Statistische Bundesamt. Der Trend für das laufende Jahr wurde da schon erkennbar: Von Januar bis März stiegen zwar noch die Grundvergütungen für die Mitarbeiter, die Unternehmen schränkten ihre Sonderzahlungen jedoch schon um fast acht Prozent ein.



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