Von Bastian Brinkmann, 08.07.09, 18:19h
Er radelt zu seinen Kunden, 40 Minuten ist er an diesem sonnigen Tag von seiner Zentrale am Chlodwigplatz in den Kölner Norden zu seinem ersten Kunden gefahren. Der hat zwei Räder aus der Garage geholt, an denen Spinnweben kleben. Vier platte Reifen, ein lockerer Lenker und kein Auto, um die Drahtesel zu einem Fahrradladen zu fahren.
Die Geheimwaffe gegen widerspenstige Schläuche in Hinterreifen ist ein Fläschchen mit grüner Flüssigkeit. „Wasser mit Spüli“, verrät Lenert und gießt das Gemisch auf Felge und Mantel. Er pumpt, der Reifen ploppt und der Fahrradbesitzer guckt glücklich. Seine Reparaturkenntnisse hat Lenert aus einem selbstverwalteten Werkstattkollektiv in Bielefeld. Hier wurde Lenert 1955 geboren, mit fünf bekam er sein erstes Fahrrad: ein 28er Damenrad. Er lernte Schlosser, lebte in alternativen Wohngemeinschaften, arbeitete als Hausmeister eines Jugendzentrums.
In der zugehörigen Metallwerkstatt baute er einen Fahrradrahmen für eine Bekannte, die mit ihrem blinden Sohn Tandem fahren wollte. Er baute auch Rahmen für Rennräder. „Aber das war brotlose Kunst“, sagt er heute. Mit seinem mobilen Reparaturdienst will er jetzt Geld verdienen. „Fahrradambulanz“ hat er seine Firma genannt, die er im Dezember gegründet hat. „Kein günstiges Datum für Fahrradreparaturen“, sagt Lenert, aber wer den Existenzgründerzuschuss der Arbeitsagentur will, der muss sich an amtliche Termine und Fristen halten.
Bis das eigentliche Geschäft im Frühling begann, hat Lenert sich ausgerüstet: seine Werkstatt auf zwei Rädern, Werkzeug und etwas Material, eine Website und ein Handy, ein kleines Ladenlokal in der Nähe des Chlodwigplatzes, Aufkleber und Visitenkarten - relativ geringe Investitions- und Fixkosten für den Existenzgründer. „Bei den niedrigen Ausgaben ist es egal, wenn ich baden gehe“, sagt Lenert. „Vielleicht etwas naiv“, schiebt er hinterher und lacht wie jemand, der keine Sorgen hat. Die Idee der Radambulanz stammt von Norbert Winkelmann, einem ehemaligen Bielefelder Mitbewohner Lenerts, der seit sechs Jahren durch die Straßen Berlins rollt. 2007 ist Lenert mit seiner Freundin nach Köln gezogen, vorher hatte sein Ex-Mitbewohner ihm angeboten, die Hälfte des Berliner Marktes zu betreuen.
Lenert entschied sich für Köln, obwohl es hier schon mobile Reparaturdienste gibt: die Fahrradengel aus Porz und den Fahrraddoctor, der vor der Unimensa steht. „Aber die sind motorisiert“, sagt Lenert. Auf seinem Rad kann er einen Drahtesel abschleppen, das er dann am Chlodwigplatz repariert, wenn eine Notfallversorgung auf dem Bürgersteig nicht ausreicht. Aus seinem Ladenlokal will er keine Werkstatt mit festen Ladenzeiten machen, auch weil direkt um die Ecke in der Bonner Straße eine Fahrradwerkstatt sitzt, die genauso selbstverwaltet-alternativ ist wie seine alte Bielefelder Werkstatt. „Denen will ich keine Kunden wegnehmen“, sagt Lenert, der Selbstständige, und es klingt ehrlich.
Die Reparatur unter den Ahornbäumen ist fast fertig. Der letzte Vorderreifen hat noch eine Acht, Lenert dreht kurz an den Speichen. Die Acht perfekt zu entfernen, würde viel Zeit und Geld kosten. Unverhältnismäßig für den Kunden, der als Frührentner nur dann und wann zum Fahrradlenker greifen möchte. Das sagt Lenert ihm direkt und der Kunde stimmt dem zu. Die Probefahrt geht direkt in die Garage.
@Hilfskraft
09.07.2009 | 16.26 Uhr | puddingteilchen
Hallo,
aus der GKV ist er nur raus, wenn er sich dafür entscheidet. Er kann freiwillig in dieser bleiben.
Gibt er seine Selbstständigkeit auf, muß…
Fahrradambulanz
09.07.2009 | 11.28 Uhr | magellan
Nur der Vollständig halber die Internetadresse:
www.fahrradambulanz.com
Nein, ich kenne Herrn Lenert nicht und betreibe auch keine Werbung.
ich finds gut
09.07.2009 | 10.54 Uhr | Heinz-1234
im Gegensatz von Beamten und Politikern und deren Geschwätz eine Vorbildfunktion für die Aufrichtigen und Ehrlichen in diesem Lande...
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