Von Maria Machnik, 10.07.09, 09:46h, aktualisiert 10.07.09, 09:49h
Im Herbst, wenn sie auf drei bis vier Zentimeter herangewachsen sind, sollen 1000 bis 1200 Edelkrebse (auch Europäische Flusskrebse genannt) im ersten renaturierten Abschnitt des Pulheimer Baches ausgesetzt werden. Dort, hinter der Grabenmeisterei des Unterhaltungsverbandes Pulheimer Bach an der Straße „An der Bachaue“, sollen sich die nachtaktiven, vom Aussterben bedrohten Tiere auf einer Länge von 700 Metern tummeln und nach Lust und Laune verstecken können.
In ihrer neuen Heimat sollen die meist einheitlich braun gefärbten, zehnfüßigen Edelkrebse auf ihre volle Größe - 18 Zentimeter von der Nasenspitze bis zum Schwanzende, die zwei großen Scheren nicht eingerechnet - heranwachsen und in ihrem natürlichen Lebensraum unbehelligt leben können. Ob einige der Gesundheitspolizisten - Edelkrebse ernähren sich auch von verendeten und kranken Tieren - auch in der Großen Laache, nahe von Gut Pletschmühle, eine neue Heimat finden, wird sich zeigen. Mit der Idee liebäugeln Dr. Harald Groß, Leiter des Edelkrebsprojektes NRW, und der Unterhaltungsverband Pulheimer Bach, in jedem Fall. Doch muss das Gewässer noch einen Eignungstest bestehen. Auch den renaturierten Abschnitt des Pulheimer Baches werden Groß und seine Mitstreiter noch auf Herz und Nieren testen.
Schließlich müssen sie die Schlüsselfrage klären, ob es in den Gewässern Amerikanische Flusskrebse gibt. Ist der Exot dort beheimatet, dann ist das Gewässer für die heimischen Edelkrebse tabu. Der Grund: Der Einwanderer überträgt die Krebspest, einen Pilz, der für heimische Krebse gefährlich und sogar tödlich ist. Der Immigrant selbst ist gegen den Pilz resistent. Der Test am Pulheimer Bach ist übrigens rein vorsorglich, denn bislang gibt es dort keine Hinweise auf die Existenz Amerikanischer Flusskrebse.
Übrigens haben Groß und sein Team ganz bewusst entschieden, den renaturierten Abschnitt des Gewässers in das „Edelkrebsprojekt NRW“ aufzunehmen. „Wir haben noch nie Edelkrebse in einem renaturierten Gewässer ausgesetzt“, sagt Harald Groß. Doch seien die Tiere gute „Strukturindikatoren“, die viel über die Qualität eines Gewässers und den Erfolg der Renaturierung aussagen. Denn: „Fühlen sich die Edelkrebse wohl und überleben sie, dann ist das Projekt gelungen.“ Die Tiere in dem renaturierten Gewässer anzusiedeln ist zugleich auch eine Überprüfungsmöglichkeit, ob der Bach schon „für solche Strukturindikatoren geeignet ist“, so Groß.
Das Projekt sei zugleich auch wichtig für die Öffentlichkeitsarbeit: Viele Bürger setzten exotische Fische, Schildkröten und Krebse aus Unkenntnis aus. „Wüssten sie, dass sie Tausende anderer Tiere umbringen, weil sie Krankheiten übertragen oder schwächere Arten verdrängen, dann würden sie es nicht tun“, so Groß.
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