Von Lars Richter, 09.07.09, 18:57h, aktualisiert 09.07.09, 22:28h
Wie bei der BBL-Sitzung am Donnerstag in Ludwigsburg bekanntwurde, plagen die Kölner aber inzwischen Zweifel, mit knapp über einer Million Euro ein wettbewerbsfähiges Team aufstellen zu können. „Die Köln 99ers strengen offenbar aktuell Überlegungen an, ob und wenn ja auf welche Weise, sie am Spielbetrieb der BBL-Saison 2009 / 2010 teilnehmen“, hieß es in einem offiziellen Kommuniqué der Liga.
Bei dem gestrigen BBL-Treffen erhielt Gießen per Wildcard den nach dem Rückzug der Giants Nördlingen vakanten Bundesliga-Platz. Sollte sich Köln ebenfalls zurückziehen, würde Bremerhaven nachrücken. Bereits im April hatte der dreimalige Pokalsieger aufgrund des Ausfalls von Werbegeldern eine Etatlücke von 600 000 Euro zu beklagen. Deshalb forderte die Liga die 99ers auf, bis Ende Juni nachzuweisen, dass sie 80 Prozent ihres für die Zukunft selbst gewählten Etats durch Zuwendungen von Sponsoren decken können. Um am BBL-Betrieb teilzunehmen, bedarf es mindestens einer Million Euro.
Dem Vernehmen nach musste Köln sein zuletzt auf etwa zwei Millionen Euro taxiertes Budget noch einmal auf circa 1,3 Millionen Euro senken. Die finanziellen Einschränkungen sowie die in der Vergangenheit unsichere wirtschaftliche Situation führten dazu, dass sich von den Kölnern umworbene Profis für andere Vereine entschieden. Symbolfigur dieses Prozesses ist Robin Benzing: Der 20-jährige, 2,11 Meter große A-2-Nationalspieler unterzeichnete einen Zweijahresvertrag beim Ligakonkurrenten Ulm, statt sich dem um die Nachwuchskräfte Philipp Schwethelm (20) und Tibor Pleiß (19) geplanten „Team Germany“ der Rheinländer anzuschließen. Die 99ers mussten erkennen, dass sie ihren Status als eine der gefragtesten Adressen der Branche verloren haben. Sie fürchten um ihre Konkurrenzfähigkeit.
Bauermann befürwortete KonzeptZu den Befürwortern des von den Kölnern ersonnenen Konzepts gehört Bundestrainer Dirk Bauermann. Nachdem einige etablierte Leistungsträger der DBB-Auswahl ihre internationale Laufbahn beendet haben, steht der Coach mit der Nationalmannschaft ebenfalls vor einem Neuaufbau. Bauermann (51) soll in den Überlegungen der 99ers sogar als Coach des neu formierten Teams eine Rolle gespielt haben, dies allerdings wäre nach den Statuten der BBL nicht möglich gewesen. Vor zwei Jahren hatte sich die Liga dagegen ausgesprochen, dass der Bundestrainer gleichzeitig Coach eines BBL-Klubs sein darf. Einerseits, weil die Aufgabe als Nationaltrainer nach Auffassung des DBB und der Liga volle Konzentration erfordert. Andererseits, weil es dem Bundestrainer leichter fallen könnte, Nationalspieler von einem Wechsel zum von ihm betreuten Klub zu überzeugen. „Ein Engagement in Köln hätte nur zur Debatte gestanden, wenn es zu einer großen Lösung gekommen wäre, an der sich BBL, DBB und die 99ers beteiligt hätten“, erklärte Bauermann.
Für eine Stellungnahme war gestern kein Verantwortlicher der Köln 99ers zu erreichen. Eine Entscheidung des Klubs erwartet die Liga im Laufe des heutigen Tages.
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