Von Jan-Philipp Hein, 13.07.09, 13:39h, aktualisiert 13.07.09, 16:57h
Dass es ob dieser Filme in der ARD zu Reibereien kommt, ist bislang nicht zu vernehmen. Nun aber, im Vorfeld der Ausstrahlung von „Mein Freund George Weidenfeld“, schien es sie zu geben. „Der Spiegel“ wusste gar, dass der Film für „Unruhe in ARD-Kreisen“ gesorgt habe. Und zwar so sehr, dass das NDR-Stück im Sonntagnachmittag versteckt werden musste.
2007 erhielt Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, unter der Ägide von NDR-Intendant Jobst Plog den Auftrag, seinen Freund, den mittlerweile 89 Jahre alten George Weidenfeld, zu porträtieren. An diese „spannende Figur“ heranzukommen, so Plog, sei sicherlich nicht einfach: „Döpfner hat diese Nähe.“ Das Ergebnis dieser Nähe ist „Mein Freund George Weidenfeld“. Keine Frage: Journalistische Distanz zum Porträtierten sieht anders aus. Ein Nachruf auf den britischen Lord, Verleger und Diplomat hätte kaum schmeichelhafter ausfallen können. Doch wozu die Aufregung? Ranschmeißen gehört zum guten Ton des Genre - solange es nicht um Fieslinge wie Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic geht.
Die Aufregung gilt also weniger dem Film als dem Autor. Das Haus Springer bekennt sich in seinen Unternehmensgrundsätzen zur „Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes“. Der von Döpfner porträtierte George Weidenfeld ist Jude und war als Diplomat an der Gründung des Staates Israel beteiligt. Kann es überraschen, dass Doepfner ihn in diesem menschenfreundlichen TV-Format nicht nach den kritischen Punkten im Nah-Ost-Konflikt befragt? Wer sonst mit beliebigen Elogen auf beliebige Personen kein Problem hat, gerät jedenfalls einigermaßen in Argumentationsnot, wenn er diesen übrigens recht sehenswerten Film als anstößiges Springer-Placement geißeln will.
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