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Eine Orgel mit Charakter

Von Marianne Kierspel, 13.07.09, 15:04h

Die neue Orgel in St. Nikolaus wird die Kölner Orgellandschaft um eine neue Facette bereichern. Sie hat rund 3.400 Pfeifen und wird in der Kirche ein klangliches Pendant zu den kostbaren Mosaiken darstellen.

Orgel St. Nikolaus Köln
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In die Sülzer Pfarrkirche St. Nikolaus wird eine neue große Orgel mit 53 Registern eingebaut. (Bild: Hennes)
Orgel St. Nikolaus Köln
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In die Sülzer Pfarrkirche St. Nikolaus wird eine neue große Orgel mit 53 Registern eingebaut. (Bild: Hennes)
Sülz - Etliche neue Orgeln locken längst Orgeltouristen nach Köln. Jetzt fragen manche Fans schon bei dem Sülzer Kirchenmusiker Marius Horstschäfer (34) an, ob sie demnächst seine große neue Orgel in St. Nikolaus einmal spielen dürfen. Das süddeutsche Instrument soll die Kölner Orgellandschaft um eine neue Facette bereichern.

Ein Dutzend Musikfreunde hat mitgesucht: „Wir haben uns Orgeln zwischen Hamburg und dem Bodenseeraum angehört“, erzählt der Kantor. „Fündig wurden wir in Winnenden bei Stuttgart.“ Die Wahl fiel einhellig auf die Leonberger Orgelbaufirma Mühleisen, die mit 25 Mitarbeitern Orgeln zwischen Stuttgart, Budapest und Norwegen baut. Und jetzt erstmals in Köln. In Sülz entsteht eine Orgel, auf der Musik vom Barock bis zur Gegenwart dargestellt werden kann. „Sie hat Charakter“, schwärmt Organist Horstschäfer: „Ein warmer, erdiger «Elsässer» Klang, orchestrale Farbvielfalt für Musik der deutschen Romantik und kernig-brillante französische Elemente“.

Über die „mechanische Traktur“ mit direkter Verbindung von Taste und Ventil kann der Spieler Klang und Charakter des Tons unmittelbar beeinflussen. Die neue Orgel wird mit 53 Registern und rund 3400 Pfeifen groß, etwa so groß wie die Orgel in St. Agnes. Übrigens stammen zwei Register aus der Orgel von 1917. Originelle Registernamen ehren den heiligen Nikolaus, aber auch kunstsinnige Sülzer Pfarrer. Und bei den Schwellwerken, zu sehen an den verschließbaren Lamellen, gibt es drei Tritte. So können manche Klänge zuerst in den Turm und von dort in die Kirche gelangen - Musik aus der Ferne.

Horstschäfer freut sich darüber, wie viele Sülzer mit Herz und Tatkraft bei der Sache sind: „Manche haben sogar Urlaub genommen.“ Fotos im Internet zeigen die Helfer beim Abbau der alten Orgel und beim Anschleppen neuer Pfeifen. Bei soviel Begeisterung ist dem Kantor kaum bange um den Preis von 870 000 Euro, der weitestgehend über Spenden finanziert werden muss. Man kann noch alte Orgelpfeifen von 1917 kaufen, vom Winzling bis zur Sechs-Meter-Trumm. Und man kann Pate einer neuen Pfeife werden. Im Kircheneingang zeigt eine große Tafel, welche Pfeifen noch Paten suchen. „Interessant zu sehen, wer sich welchen Klang aussucht, einen kräftigen oder ätherischen“, sagt der Musiker und schmunzelt.

Schon steht das Holzgehäuse mit silbrigen Prospektpfeifen aus Zinn und mächtigen hölzernen Tieftönern vor dem Westfenster. Derzeit tragen die Orgelbauer die Farben auf, die mit dem Denkmalamt abgestimmt sind, Tupfer in Rot und Gold über warmem Mittelbraun. Das passt zu dem alten Spieltisch, dessen Schublädchen jetzt modernste Technik verstecken. Die edle Klaviatur aus Knochen und Ebenholz lädt zum Spiel ein. Und ein Register mit dem seltsamen Namen „Nikolausium“ macht stutzig. Was mag sich dahinter verbergen?

Die Mühleisen-Orgel soll am 15. November eingeweiht werden, als krönender Abschluss des Festjahres zum 100. Geburtstag der neoromanischen Kirche. Erste Konzerte geben Professoren und Domorganisten aus Köln und Paderborn. Dann erklingt die neue Orgel jeden Tag in der Messe, sonntags auch in extra ausgewiesenen Nachspielen. Und bei den ohnehin gut besuchten Sülzer Abendmusiken tritt die Königin der Instrumente mit Partnern auf, mit Harfe, Trompete oder Gesang. Es wird eine Festschrift geben, mit Beiträgen von Orgelexperten und einer Sülzer Orgelgeschichte, für die Marius Horstschäfer tief im Pfarrarchiv gegraben hat.



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