Von Andreas Damm, 13.07.09, 19:02h, aktualisiert 21.06.10, 10:15h
Von der Idee her ist die Anlage keine Treppe, sondern eine Tribüne. Die Stufen sind 45 Zentimeter hoch, beste Sitzhöhe also. Wer sich hier niederlässt, hat freie Sicht auf die Postkartenseite Kölns. Damit das Treppensteigen nicht so schwer fällt, soll es - ähnlich wie in einem Fußballstadion - mehrere Auf- und Abgänge geben. Bei einem Pegelstand von etwa fünf Metern reicht das Wasser bis zur unteren Stufe. Diese wird durch ein Geländer gesichert. Für gehbehinderte Menschen sind zu beiden Seiten der Treppe Rampen geplant.
Der in einem Planungswettbewerb preisgekürte Entwurf stammt von dem Berliner Büro Planorama. Außer der Freitreppe sind zwei Promenaden beiderseits der neuen Hochwasserschutzmauer vorgesehen. Verwaltungsmann Bauer und seine Mitstreiter sehen den Rheinboulevard in einem größeren Zusammenhang. Die Entwicklung der Kölner Innenstadt folge der Leitidee von „Bewahren und Aufbruch“. Das Ziel des „Bewahrens“ der historischen Erbes aus 2000 Jahren Stadtgeschichte finde sich in der - überwiegend vom Land finanzierten - Archäologischen Zone vor dem Rathaus wieder. Der „Aufbruch“ zeige sich in der dynamische Stadtentwicklung im Rechtsrheinischen. Beispielhaft nennt Bauer den bevorstehenden Umbau des Ottoplatzes vor dem Deutzer Bahnhof, der ebenfalls mit Geld aus dem Regionale-Topf gefördert wird. Als verbindendes Element dienen der Rhein - und eben der Rheinboulevard.
Einige Schritte weiter, vor dem Hyatt-Hotel, beugt Bauer sich über die alte Schutzmauer und deutet auf den Fluss. „Wir werden dem Rhein an dieser Stelle 3000 Kubikmeter Raum wegnehmen“. Die alte Uferböschung muss abgetragen werden, die neue Befestigung wird dann ein wenig versetzt. Dadurch wird das Flussbett verengt. So geringfügig dieser Eingriff sein mag, das Hochwasserschutzgesetz schreibt einen vollständigen Ausgleich vor. Weiter südlich wird die Böschung deshalb ebenfalls versetzt, vom Rhein weg, so dass er sich hier etwas stärker ausbreiten kann. Weil das jedoch nicht reicht, haben sich die Planer einen Trick einfallen lassen: Bei Hochwasser wird eine Kammer im Inneren der Deutzer Brücke geflutet - auch so lässt sich Überschwemmungsraum schaffen.
Das Deutzer Rheinufer ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Zur Vorbereitung des Umbaus mussten dessen Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere untersucht werden. „Für Aale und Muscheln besteht keine Gefahr“, sagt Bauer. Fraglich ist allerdings, ob die Ufersteine, die das Fundament seit Jahrzehnten vor der Strömung schützen, an der neuen Böschung wieder zum Einsatz kommen dürfen. „Wir müssen ihre Festigkeit prüfen“, sagt Bauer.
Welcher Aufwand mit dem Bau des Rheinboulevards verbunden ist, wurde den Planern erst nach und nach klar. Die Kosten sind stetig gestiegen, mittlerweile sind 18 Millionen Euro veranschlagt und politisch bewilligt. Das Bauministerium in Düsseldorf habe habe zugesagt, 80 Prozent davon zu finanzieren, so Bauer. Derzeit bereitet die Verwaltung die europaweite Ausschreibung vor, bis Anfang 2010 sollen die Arbeiten beginnen. Bis zur Einweihung dürfte es dann noch einmal zwei Jahre dauern, Verzögerungen durch Hochwasser nicht ausgeschlossen.
Während der Regionale selber, werden Spaziergänger in Deutz allenfalls Bauarbeiten sehen. Das Vorhaben ist nicht gänzlich unumstritten, es dürfte Protest geben. Denn der denkmalgeschützte Rheindamm nahe des Lufthansa-Hochhauses, geplant vor mehr als 80 Jahren von Stadtbaumeister Adolph Abel, soll abgetragen werden. Der neue Boulevard wird in gleicher Höhe liegen wie die Kirche St. Heribert. Der „Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschatzschutz“ hat die kleine Grünanlage, auf der sich die Reiterstatue des „Deutzer Kürassiers“ befindet, kürzlich zum „Denkmal des Monats“ gekürt. Abel hatte die Erhöhung als Basis für die Anlage das Fundament des Bahnhofes der Bergisch-Märkischen Eisenbahn genutzt, die später von der Deutschen Reichsbahn übernommen wurde. Das Mahnmal aus der Preußenzeit werde abgetragen und wieder aufgebaut, sagt Baur.
Wir nähern uns dem südlichen Ende des Rheinboulevards. Hier, keine hundert Meter von der Deutzer Brücke entfernt, offenbart sich ein Problem, dass die Stadt noch nicht lösen konnte. Die Rampe, die zur Promenade führen wird, gehört zu dem privaten Wohnhaus, das dort steht. Dessen Eigentümer, so Bauer, wollen weder in eine ansprechende Verkleidung der Rampenwand investieren, noch die Farbschmierereien entfernen lassen. Sollte es dabei bleiben, hat das Deutzer Vorzeigeprojekt bereits vor der Eröffnung einen Schönheitsfleck.
mhhh
23.06.2010 | 08.43 Uhr | Hypocrite
Also was das ganze mit "Größenwahn" zu tun haben soll erschließt sich mir nicht ganz. Es mag ja größenwahnsinnig sein eine U-Bahn durch die ganze…
Erneut Kölner Größenwahn
19.07.2009 | 22.03 Uhr | HvdStein
Einmal mehr ein völlig überzogenes Projekt. Der Teilbereich
des "alten Deutzer Bahndamms" könnte ohne Probleme im Sinne
eines guten Kompromisses…
Freie Sicht auf die Postkartenseite
14.07.2009 | 20.40 Uhr | pat.lehr
Hat Herr Damm im Zeitungsartikel die beiden Fotos verwechselt? Ein Trauerspiel ist doch eher die "Schwimmbad-Tribüne" als das natürliche Rheinufer.…
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