Von Kathy Stolzenbach, 14.07.09, 15:45h, aktualisiert 14.07.09, 15:48h
Fast vier Jahrzehnte verkaufte sie exklusive Mode der französischen Nobelmarke Rodier. Doch seit die Firma vor einigen Jahren Insolvenz angemeldet hat, ging es auch mit dem kleinen Laden von Adele Peters bergab. „Früher haben die Leute hier Schlange gestanden“, berichtet Peters. In ihrem Geschäft in der Nähe des Barbarossaplatzes hatte die gelernte Schneidermeisterin zeitweise sechs Angestellte. Heute ist es nur noch eine, die seit 18 Jahren in der Boutique arbeitet. „Noch immer bekomme ich Anrufe von jungen Mädchen, die gerne ihre Lehre bei mir machen würden“, so Peters. Der Abschied fällt ihr nach der langen Zeit sichtlich schwer: „Ich hänge sehr an meinem Geschäft. Und es tut mir wahnsinnig leid für meine Angestellte und meine Kunden.“ Eine Kundin sei in Tränen ausgebrochen, als sie von der Schließung erfahren habe: „Wenn Sie jetzt auch noch weggehen, ist die Weyerstraße tot.“
Peters erzählt, dass die Straße sich in den vergangenen Jahren sehr verändert habe: „Früher gab es hier viele Läden. Aber Geschäfte, die hier jahrelang ansässig waren, sind jetzt weg.“ Wenn man nun durch die Straße geht, bietet sich ein trister Anblick von leer stehenden Ladenlokalen, deren Schaufenster mit Zeitungsseiten zugeklebt sind. Schilder mit Aufschriften wie „zu vermieten“, „zu verkaufen“ oder „Ausverkauf“ prägen das Straßenbild.
Thomas Raeder vom Kölner Einzelhandels- und Dienstleistungsverband sieht das Ladensterben in der Weyerstraße eher als eine „allgemeine Entwicklung“: Vor allem kleine Einzelhandelsgeschäfte im Bekleidungsbereich hätten in den letzten Jahren schließen müssen.
Oft trete - wie etwa in der Weyerstraße - eine Kettenreaktion auf: „Ein Laden wandert ab, weitere folgen und die Kunden bleiben schließlich weg.“ Außerdem gebe es statt kleiner Boutiquen heute viele große Filialen, die sich auf die Innenstadt - vor allem auf Hohe Straße und Schildergasse - konzentrieren.
„Ein Geschäft kann sich heute nicht mehr halten, wenn es kein Konzern ist“, meint die rüstige Seniorin im Hinblick auf große Filialketten, die den Handel dominieren. Von verlängerten Öffnungszeiten und Rabattaktionen, die das ganze Jahr über stattfinden, hält die Geschäftsfrau wenig. „Die Wirtschaft macht sich selbst kaputt“, glaubt sie. Peters weiß, was die Kunden an ihrer Boutique schätzen: „In Kaufhäusern wird man schlecht beraten und oft wollen Verkäufer einem etwas aufschwatzen!“ In Adele Peters' Geschäft hingegen herrscht gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre. „Meine Kunden können sich in aller Ruhe umsehen, ohne etwas kaufen zu müssen,“ sagt Peters. „Viele Ältere kommen einfach zum Erzählen, weil sie sonst niemanden haben, der ihnen zuhört.“
Wenn sie Ende September die Ladentür nach 41 Jahren zum letzten Mal abschließt, wird das ein komisches Gefühl für Adele Peters sein. Gleichzeitig ist es aber auch ein Triumph: „Mein Steuerberater hat mir damals vor der Eröffnung gesagt: »Ich gebe Ihnen hier vier Wochen!«“
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