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Bedrohte Tiere

Irrationale Angst vor dem Wolf

Von Manfed Kriener, 16.07.09, 22:46h

Kaum geht es Wolf und Grizzly besser, droht beiden die Flinte. In Deutschland wurden im letzten halben Jahr drei Wölfe illegal erschossen. Begegnet der Elchjäger im US-Yellowstone-Nationalpark einem Bären, fackelt er nicht lange.

Da liegt er seit Jahrhunderten: im Schlafgemach der Großmutter, getarnt mit Bettkappe, Nachthemd und Spitzenkragen. Gleich wird er das unschuldige Rotkäppchen schmatzend verschlingen. Ist der Wolf wirklich so heimtückisch, verschlagen, blutrünstig, einfach hundsgemein wie im Märchen? In unserem Mythenschatz gilt er als Inbegriff des Bösen. Aber neuerdings gehört er zu den Lieblingstieren der Naturschützer. Er hat sich prächtig vermehrt. Wildbiologen vermuten, dass 2009 in deutschen Landen der 100. Wolf geboren wurde.

Ganz ähnlich sieht es bei den Grizzlybären aus. Auch er hat sich gut erholt, nachdem er schon auf der Liste bedrohter Tierarten gestanden hatte und streng geschützt worden war. In den US-Bundesstaaten Wyoming, Idaho und Montana stieg die Zahl der Bären von 130 auf 600, das Tier wurde daraufhin wieder von der Liste gestrichen.

Doch Wolf und Grizzly haben noch etwas miteinander gemein: Kaum geht es ihnen besser, droht den beiden die Flinte. In deutschen Wäldern wurden in den vergangenen sechs Monaten drei Wölfe illegal erschossen, der letzte im Juni in Sachsen-Anhalt ausgerechnet während der Aufzucht der Welpen. Begegnet im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark der Elchjäger einem Bären, fackelt er nicht lange: 48 Exemplare wurden dort im vergangenen Jahr niedergestreckt. Vergeblich hat der US-Biologe und Bären-Populationswächter Christopher Servheen die „nicht-letale“ Bärenabwehr durch wirksame Schutzsprays empfohlen. Bricht der Koloss durchs Geäst, verlassen sich viele Jäger lieber auf ihre Schusswaffen. Das kann man sogar nachvollziehen.

Zweifel, ob Wölfe Menschen angreifen

Bei den Wölfen sieht die Sache etwas anders aus. Schon lange bezweifeln Wissenschaftler, ob die Tiere überhaupt Menschen angreifen. Honigbienen haben weit mehr Menschen auf dem Gewissen als Wölfe. Längere Beobachtungen eines Rudels in Kanada ergaben, dass die Tiere dort hauptsächlich Mäuse und Kleinvieh fraßen. Gelegentlich kommen Wölfe menschlichen Siedlungen nahe und reißen ein Schaf. Inzwischen kümmern sich die Wolfshüter aber auch um den Schafschutz. Bundesländer geben Geld für Spezialzäune und die Ausbildung großer Hütehunde aus.

Dass Wölfe trotzdem immer wieder erlegt werden, liegt eher an irrationalen Ängsten und ihrem schlechten Image. Demnächst wird sich der Wolfsjäger aus Sachsen-Anhalt vor Gericht verantworten müssen. Vielleicht erinnert sich der Richter ja an das alte Märchen und fragt, frei nach den Gebrüdern Grimm: Jäger, warum hast Du so panische Augen? Und so ein großes Gewehr?



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