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Proteste im Iran

„Ahmadinedschad, tritt zurück!“

Erstellt 16.07.09, 23:08h, aktualisiert 19.07.09, 22:54h

Das Freitagsgebet hat die Proteste der Opposition gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl im Iran neu entfacht. Tausende Anhänger von Oppositionsführer Mussawi gingen auf die Straße. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Menge ein.

Proteste in Teheran
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Demonstranten protestieren in Teheran. (Bild: rtr)
Proteste in Teheran
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Demonstranten protestieren in Teheran. (Bild: rtr)
Rafsandschani
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Der frühere iranische Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani. (Bild: dpa)
Mir Hussein Mussawi
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Irans Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi wurde von einer Zeitung des Hofverrats beschuldigt. (Bild: dpa)
Rafsandschani
Mir Hussein Mussawi
HAMBURG/TEHERAN - Hunderttausende Oppositionelle haben im Iran das Freitagsgebet zu neuen massiven Protesten gegen die Regierung genutzt. Erstmals seit Wochen versammelte sich eine große Demonstrantenmenge in der Nähe der Teheraner Universität, wo der einflussreiche regierungskritische Kleriker Akbar Hashemi Rafsandschani predigte. Die Polizei sei mit Tränengas gegen die Menge vorgegangen, berichteten Augenzeugen. Rafsandschani rief indes die Regierung dazu auf, bei den Demonstrationen nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl festgenommene Oppositionelle wieder freizulassen.

Es gebe eine Krise im Iran, sagte Rafsandschani in seinem ersten Freitagsgebet seit der Wahl vom 12. Juni. "In der aktuellen Situation ist es nicht nötig, dass so viele Menschen im Gefängnis sitzen", sagte Rafsandschani. "Wir sollten ihnen erlauben, zu ihren Familien zurückzukehren." Auch Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi war beim Freitagsgebet. Er saß allerdings nicht wie erwartet in der ersten Reihe, sondern hatte sich unter seine Anhänger gemischt. Das Gebet wurde vom staatlichen iranischen Fernsehen nicht übertragen, sondern lediglich im Radio gesendet.

Im Umkreis von drei Kilometern um die Teheraner Universität sammelten sich Hunderttausende Demonstranten, darunter viele Anhänger des bei der umstrittenen Wahl am 12. Juni unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mussawi. Nur einige Tausend hätten aber den Eingang der Universität erreicht, wo Rafsandschani auftrat.

Ein Großaufgebot von Polizei und Freiwilligen-Milizen riegelte das Gelände der Universität hermetisch ab. Nach Angaben von Augenzeugen setzten sie massiv Tränengas ein. Mehrere Demonstranten seien vor der Universität festgenommen worden. In anderen Berichten war sogar von Straßenkämpfen die Rede. Bei den Kundgebungen weiter entfernt von der Universität griff die Polizei demnach nicht ein. Verlässliche Angaben waren zunächst nicht möglich, weil unabhängige Berichterstatter nicht zugelassen wurden.

   Die Anhänger von Oppositionsführer Mussawi trugen zum Zeichen des Protestes gegen den Ausgang der Wahl die Farbe grün. An den erzkonservativen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gewandt skandierten sie: "Tod dem Diktator!" oder "Ahmadinedschad, tritt zurück!". Entlang der großen Kargar-Straße trugen Hunderte Demonstranten ein riesiges grünes Tuch als Zeichen ihrer Unterstützung für Mussawi. Dieser hatte die Wahl gegen Ahmadinedschad am 12. Juni nach offiziellen Angaben klar verloren. Mussawi zweifelt das Ergebnis an und wirft der Regierung Wahlfälschung vor.

Rafsandschani hatte seine Predigt mit einem Aufruf an die Anhänger Mussawis begonnen, die friedliche Atmosphäre des Freitagsgebets nicht durch Slogans gegen die Regierung zu stören. "Lasst uns die Gelegenheit nutzen, eine bessere Zukunft für unser Land zu schaffen, und die Probleme zu lösen", sagte Rafsandschani.

Der erste Teil eines Freitagsgebets ist traditionell religiös geprägt, Koranverse werden rezitiert. Den zweiten Teil bestimmen soziale und politische Themen. Da im Iran seit den Wahlen öffentliche Proteste auf den Straßen verboten sind, nutzt die Opposition die Freitagsgebete als einzige Möglichkeit zu Demonstrationen.

   Rafsandschani rief in seinem Gebet auch zu einer offenen Debatte über die umstrittene Wahl auf. Er warf der iranischen Führung vor, nicht genügend Toleranz gegenüber dem eigenen Volk zu haben. Bei den Demonstrationen in den Tagen nach der Wahl am 12. Juni waren in Teheran und anderen Städten mindestens 20 Demonstranten getötet und mehrere hundert festgenommen worden.



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