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Bayer Leverkusen

Heynckes macht den Dolmetscher

Von Christian Oeynhausen, 22.07.09, 20:23h

Kaum ein Bundesligist kann bei der Trainingsarbeit auf einen Dolmetscher verzichten. Anders bei Bayer Leverkusen, Coach Heynckes kann sich mit vielen seiner ausländischen Spielern problemlos verständigen.

Jupp Heynckes
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Jupp Heynckes beim Training. (Bild: dpa)
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Jupp Heynckes beim Training. (Bild: dpa)
WINDEN - Obwohl er richtig gut in Form war, darf Peter Jünnemann nicht mehr am Training von Bayer 04 Leverkusen teilnehmen. Trainer Jupp Heynckes verzichtet auf dem Platz auf die Dienste des Dolmetschers, der zu Zeiten von Bruno Labbadia ständig für Renato Augusto, Henrique (beide Brasilien) und Arturo Vidal (Chile) da war. Unterbrach Labbadia eine Übung, um von der linken Spielfeldseite Rechtsaußen Renato Augusto zu korrigieren, sprintete Dolmetscher Lünnemann quer über den Platz und zurück.

Jetzt ist das nicht mehr nötig. Heynckes spricht Spanisch und etwas Portugiesisch, er kann bei Bedarf in die Muttersprachen der Spieler wechseln. Hauptsächlich soll aber Deutsch gesprochen werden. Die Kommunikation wird schneller und direkter. Auch der Grieche Theofanis Gekas soll bei seinem zweiten Versuch in Leverkusen weitgehend ohne Übersetzer klar kommen. Für Heynckes ist das aber keine Grundsatzfrage: „Ich stehe dem Einsatz von Dolmetschern völlig offen gegenüber. Ich habe in Spanien auch so gearbeitet, bis ich die Sprache beherrscht habe. Auch in München habe ich mit Franck Ribéry noch ein sehr wichtiges Gespräch per Dolmetscher geführt“, sagt Heynckes, „wichtig ist, dass der Dolmetscher das Fingerspitzengefühl hat, sich in einer Fußball-Mannschaft zurecht zu finden.“

Rund 230 Spieler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, werden in der kommenden Saison in den Erstliga-Vereinen beschäftigt sein, fast die Hälfte. In Leverkusen stehen Spieler aus neun Nationen im Kader, beim 1. FC Köln 15. 30 Fremdsprachen von Arabisch über Neu-Hebräisch bis Ungarisch werden in der Liga gesprochen, ein babylonischer Zustand, aber dank der einfachen Mechanismen des Spiels kein Chaos. Zur Verständigung während des Spiels reicht ein deutscher Minimalwortschatz, dessen schwierigstes Wort „Hintermann“ ist - der Rest ist die viel zitierte „internationale Sprache des Fußballs“. Problematisch wird es, abgesehen von Interviews, bei Mannschaftssitzungen, bei medizinischen Problemen oder ganz schlicht im Alltag - es gibt viele Geschichten wie die von der argentinischen Spielerfrau, die sprachlos ewig auf der Tankstelle wartet, weil sie aus ihrer Heimat keine Selbstbedienung kennt.

Am meisten werden Portugiesisch-Dolmetscher gebraucht. Brasilien ist immer noch das beliebteste Importland, und die Südamerikaner haben es etwas schwerer als zum Beispiel viele Osteuropäer, die deutsche Sprache zu lernen.

Beim FC Bayern hatte Jürgen Klinsmann neben einer sprachgewandten Assistentenschar einen Konferenzraum mit Simultanübersetzung in fünf Sprachen installieren lassen. Bei Nachfolger Louis van Gaal, selbst Niederländer, sind Dolmetscher nicht gefragt: „Es wird nur Deutsch gesprochen“. Nur in Ausnahmefällen werde er sein Englisch und Spanisch benutzen.

Auch in Köln würde Trainer Zvonimir Soldo am liebsten ohne Dolmetscher auskommen, mit denen Christoph Daum arbeitete, zum Beispiel beim Portugiesen Petit. Nach der Verpflichtung von dessen Landsmann Maniche wird nun doch wieder einer gebraucht.

Borussia Mönchengladbach hat gerade den Ex-Torwart Jörg Stiel eingestellt, der Übersetzungsdienst und Integrationshilfe für die Neuzugänge Bobadilla (Argentinien) und Arango (Venezuela) leisten soll.

Nicht alle Spieler entwickeln Ehrgeiz, etwas Deutsch zu lernen. Für Rudi Völler ist das ein Fluch der modernen Zeit. Denn, so erzählt Leverkusens Sportchef im Trainingslager in Winden: „Als ich damals nach Rom ging, da gab es kein Internet, kein deutsches Fernsehen, nichts. Man musste Italienisch lernen, wenn man klar kommen wollte.“

Seit vielen Jahren bietet Bayer 04 neben einer Betreuung der ausländischen Spielerfrauen auch Sprachunterricht für die Profis an. „Besonders für die jungen Spieler ist das wichtig. Da sind wir auch hinterher“, sagte Völler. Nicht bei allen stellt sich der Erfolg schnell ein. Hinter Völler an der Hotel-Rezeption arrangieren Vidal und Renato Augusto gerade einen Friseurtermin. Die Verhandlungen führt der Deutsch-Spanier Gonzalo Castro.



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