Von Kathy Stolzenbach, 23.07.09, 19:14h, aktualisiert 24.07.09, 11:53h
Nach fünf Monaten mühevoller Schnitzarbeit hat Kätelhön am Vortag des einjährigen Jubiläums von Obamas Rede das erste fertige Blatt aus der Druckpresse gezogen - in Anwesenheit des stellvertretenden US-Generalkonsuls Christoph Grossmann.
ksta.tv: Obama aus Holz
Die präzise Fotografie von Jae Hong von der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), die Obama in Berlin zeigt, „hat mir den Atem verschlagen“, so Christ. „Man konnte jeden der etwa 1000 abgebildeten Menschen in seinem Jubel überdeutlich erkennen.“ Dem Künstler sei jedoch klar gewesen, dass der Holzschnitt „riesengroß“ werden musste, um jeden der euphorischen Zuschauer einzeln herausarbeiten zu können.
Der Fotograf und Holzschnittkünstler Christ beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Umsetzung meist eigener Fotos in Holzschnitte. Diese künstlerische Arbeit bezeichnet er als „Experimente, die Zeit aufzuhalten“. Mit einer jahrhundertealten Technik „versuche ich, fotografische Bilder zu konservieren - durch die Reduktion auf das Wesentliche“.
Christ, dessen Metier eigentlich das schnelle Bild ist, arbeitete fünf Monate lang an dem 84 mal 110 Zentimeter großen, detailgetreuen Holzschnitt - Abend für Abend. Stundenlang saß er über dem Druckstock: „Ich habe weder Gesichter noch Menschenmassen und auch keinen Obama gesehen, sondern nur das Holz, das weg musste - und solches, das stehen blieb.“ Ein Fortschritt sei lange nicht auszumachen gewesen, so langsam ging die Arbeit voran. Bei einem solchen „Mammutprogramm“ komme man ohne „Doping“ nicht aus: Den Kampf gegen die Langeweile besiegte Christ mit klassischer Musik und „fast alle Hörbücher, die die Stadtbücherei im Verleih hatte.“ Irgendwann habe sich die Arbeit in eine „Art Sucht“ entwickelt: In ihm habe es zu kribbeln begonnen, wenn er gelegentlich einen Tag aussetzte.
Gestern erfolgte schließlich der „spannende Augenblick“, auf den Christ fünf Monate lang hingearbeitet hat: Hochkonzentriert trägt Kunstdrucker Kätelhön mit einer großen Gummiwalze schwarze Kupferdruckfarbe auf den noch jungfräulichen Holzstock auf. Einzelne Bildelemente werden allmählich sichtbar, bis schließlich das ganze Bild in sattem Schwarz erscheint. Kätelhön positioniert das 350 Gramm schwere Kunstdruckpapier auf dem eingefärbten Druckstock und bringt die zentnerschwere Stahlwalze in Stellung. Diese lässt er mit einem Pressdruck von etwa 500 Kilogramm mit einem überdimensionalen Metallrad, ähnlich einem Schiffsruder, über den Druckstock rollen. Das nun bedruckte Papier nimmt Kätelhön vorsichtig vom Druckstock ab und legt den noch feuchten Druck auf einer großen Tischplatte aus. Der Künstler ist mit dem Ergebnis zufrieden und lobt den Kunstdrucker: „Martin, das ist prima geworden. Saubere Arbeit!“
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