Von Michaela Paus, 02.08.09, 17:25h, aktualisiert 02.08.09, 17:50h
„Wenn die Temperaturen günstig sind, braucht man mindestens eine halbe Stunde, um aus drei Litern Milch Butter zu stampfen“, weiß Rose-Karla Frewer. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Bergischen Museums für Bergbau, Handwerk und Gewerbe führte beim Museumsfest zusammen mit rund einem Dutzend Helfer vor, wie Bäuerinnen noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Sahne zu Butter verarbeiteten: Vereinfacht erklärt, platzen durch das Stampfen die Eiweißhüllen, die die Fettkügelchen umschließen; das Fett verbindet sich und als „Nebenprodukt“ zur Butter entsteht Buttermilch. „Die Bauern haben die Butter nicht selbst gegessen, sondern auf dem Markt verkauft“, sagte Frewer, „das war eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle.“ Doch vorher musste die cremefarbene Masse noch mit kaltem Wasser geknetet, dann gepresst und zum Haltbarmachen gesalzen werden.
Das Buttern war nur eine der vielen Vorführungen, bei denen sich die Festbesucher ein Bild vom Leben und Arbeiten in früheren Zeiten machen konnten. Auf dem gesamten Außengelände und in den Ausstellungsräumen zeigten rund 80 Ehrenamtler etwa 30 traditionelle Handwerke: vom Fachwerkbau bis zur Stellmacherei, vom Buchbinden bis zum Schmieden. Zudem gab es Infostände, unter anderem vom Förderverein des Museums und dem Bergischen Naturschutzverein. Insgesamt rechnete Museumsleiter Wolfgang Vomm, der selbst die Kunst des Papierschöpfens vorführte, mit 2000 bis 3000 Gästen. Viele davon nutzten auch die Gelegenheit, durch die gerade eröffnete Ausstellung „Weißer geht's nicht“ zu schlendern und sich über die Kulturgeschichte des Wäschewaschens zu informieren.
„Wir sind zum ersten Mal hier im Museum und ganz überrascht, wie groß das Gelände ist. Das nimmt man von außen gar nicht so wahr“, sagte Andrea Fischer, die mit ihrem Mann Matthias Fischer und Töchterchen Miriam (5) unterwegs war. „Mein Mann und ich sind Lehrer. Deshalb interessieren wir uns besonders für den historischen Schulunterricht“, erzählte die Herkenratherin. Nach einer Bandweberei-Vorführung stand Miriam aber erstmal der Sinn nach etwas Praktischem. In einem Pavillon, in dem Kinder mit Holz werkeln durften, wollte sie sich ein kleines Puppenbett bauen. Ihr Vater hielt die drei Brettchen fest, während Miriam vorsichtig die Nägel ins Holz schlug.
Ein paar Meter weiter, am Stand von Künstlerin Martine Dupont, arbeiteten Kinder mit Ton. „Wie geht denn ein Monster?“, wollte Marius (7) von seiner Mutter, Iris Hermann, wissen. „Auf jeden Fall muss es unheimlich aussehen“, warf Dupont ein. Marius entschied sich dann doch für eine Mini-Vase. „Wir sind mindestens zum sechsten Mal hier“, erzählte Iris Hermann, die begeistert mittöpferte, während ihre beiden ältesten Sprösslinge nebenan einen Drachen bauten. Eine weitere Attraktion für die Kinder war das Goldwaschen. Walther Schiebel, Vorsitzender des Museumsfördervereins, hatte dafür winzige Nuggets aus Australien mitgebracht. „Die habe ich mal bei einem Projekt mühsam selbst aus dem Sand herausgewaschen“, verriet der promovierte Geologe.
Viele Neugierige lockte Bürstenmacher Helmut Schnepper an, der erstmals an dem Fest teilnahm. An seinem Stand verkaufte er Bürsten aller Art und erklärte sein selten gewordenes Handwerk. Mit einem durchgehenden Draht werden hierbei Haar- und Borstenbüschel am hölzernen Bürstenkörper befestigt. Schnepper kommentierte: „Ziegenhaar bindet durch sein natürliches Haarfett den Staub besonders gut, Schweineborsten hingegen eignen sich als Haar- oder Nagelbürste, aber auch als Backpinsel.“
Adolf Leisch engagierte sich derweil in einer „Herzensangelegenheit“. Mit einem speziellen Hammer arbeitete der Dachdecker aus Schieferplatten Figuren und Untersetzer heraus, je nach Wunsch der Besucher. „Besonders beliebt sind Herzen“, stellte Leisch fest. Die kleinen und großen Gäste konnten sich die Schieferkunstwerke sogar nach Hause mitnehmen, als Andenken an den Museumsbesuch.
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