Von Nicola Kuhrt, 06.08.09, 22:00h
Sie seien fest in den empfindlichen Lebenszyklus des Meeres integriert, erklärt die Biologin Kristina Barz vom Alfred-Wegner-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Die Quallen, die zu 99 Prozent aus Wasser bestehen, fressen Plankton, Fische und Wasserflöhe - und werden ihrerseits von Fischen gefressen. Der Blaue Sittling hat sich unter einer Feuerqualle sogar häuslich eingerichtet. So weit, so gut. Dass die Glibbertiere noch eine ganz andere, wichtige Rolle spielen könnten, hat man glatt übersehen. Wie das Magazin „Nature“ berichtet, beeinflussen Quallen und andere Kleinlebewesen die Durchmischung und Umwälzung der Meere und sind somit an der Entwicklung von Meeresströmungen beteiligt, was bekanntermaßen wiederum das Weltklima beeinflusst. Bislang dachten die meisten Forscher, wenn sie sich mit dem Einfluss der Meeresströmungen auf den Klimawandel befassten, nur an das Zusammenspiel von Wasser, Wind und Gezeiten. Dabei hat Sir Charles Darwin, der Enkel des berühmten Naturforschers, schon vor über fünfzig Jahren den Mechanismus beschrieben, wie selbst kleinste Lebewesen die Durchwirbelung des Meeres beeinflussen. Darwin bezog nicht nur die Bewegungen der Tiere, sondern auch ihre Größe und Körperform mit ein.
Darwin ernst genommenKakani Katija and John Dabiri vom California Institute of Technology in Pasadena (USA) nahmen den alten Darwin endlich ernst. Im Pazifik maßen sie mit Hilfe von Lasern die Turbulenzen, die Quallen durch ihre Bewegungen verursachen - und fanden Darwins Theorie vollauf bestätigt. Hochgerechnet auf alle kleineren Meeresbewohner ergab sich, dass sie einen vergleichbaren Einfluss auf die Meeresströmungen haben wie Wind und Gezeiten. Sollte sich diese Annahme in weiteren Untersuchungen bestätigen, hätte es gravierende Folgen: Klimaforscher müssten schleunigst ihre Modelle überarbeiten. Und unsereins wird wohl mit etwas mehr Respekt auf eines dieser Tierchen blicken - wenn es da so platt vor uns am Strand liegt.
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