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Boxer-Leben verfilmt

Maske ist der perfekte Schmeling

Erstellt 07.08.09, 16:51h, aktualisiert 07.08.09, 19:23h

Der Burscheider Regisseur und Produzent Uwe Boll hat mit Henry Maske einen Film über Box-Legende Max Schmeling gedreht und sucht nach der „goldenen Himbeere“. Grund genug, um ihn zum Gespräch zu bitten.

Henry Maske
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Henry Maske spielt Max Schmeling – und zeigt in Uwe Bolls Film auch dessen Leben abseits des Boxringes: In den 1940er Jahren beispielsweise kämpfte Schmeling als Soldat im Zweiten Weltkrieg. BILD: BOLL KG
Henry Maske
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Henry Maske spielt Max Schmeling – und zeigt in Uwe Bolls Film auch dessen Leben abseits des Boxringes: In den 1940er Jahren beispielsweise kämpfte Schmeling als Soldat im Zweiten Weltkrieg. BILD: BOLL KG

LEVERKUSENER ANZEIGER / KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Boll, wie weit sind die Dreharbeiten zu ihrem neuen Projekt, dem Max-Schmeling-Film, gediehen?

UWE BOLL: Die sind vorbei. Wir schneiden gerade. Im November ist der Film komplett fertig. Und im Februar oder März 2010 ist Kinostart.

Wie lange haben sie gedreht?

BOLL: Von Mitte Mai bis Anfang Juni, insgesamt 35 Drehtage.

Und wo?

BOLL: Zum Großteil in Kroatien. Und am Schluss in Hessen.

Dabei verbindet man den Namen Max Schmeling ja eher mit Berlin und Hamburg, wo er seine großen Kämpfe hatte...

BOLL: Richtig. Aber Hessen war das einzige Bundesland, von dem wir eine Förderung für den Film bekamen. Die habe ich zwar auch in Berlin und Hamburg beantragt. Aber da habe ich nichts gekriegt. Es bekommen eben immer dieselben Produzenten Geld - egal, ob deren Filme gut oder schlecht sind. Das ist eine richtige Cliquenwirtschaft in der Filmförderung.

Wer hatte die Idee zum Film?

BOLL: Das waren zum einen zwei Hamburger Geschäftsleute, die unbedingt eine solchen Film finanzieren wollten. Und zum anderen hatte ich das Konzept für einen Schmeling-Film schon vor acht Jahren gelesen - entworfen von Drehbuchautor Timo Berndt, der damals viel an diesem Thema gearbeitet und lange mit Produktionsfirmen verhandelt hatte. Da war aber nie was draus geworden. Das wusste ich - und deshalb rief ich Timo an, fragte ihn, ob er das Drehbuch schreiben wolle. Und dann ging's los.

Wer bezahlt den Film?

BOLL: Die beiden Hamburger Geschäftsleute, die Hessenförderung mit 650.000 Euro, der deutsche Filmförderfonds mit 330.000 Euro und meine Produktionsfirma. Insgesamt liegt das Budget bei knapp fünf Millionen Euro.

Die Hauptrolle spielt mit Henry Maske jemand, der selbst ein Box-Idol ist. Wie kamen sie auf ihn?

BOLL: Wir zeigen in dem Film neun Boxkämpfe - das ist nicht unerheblich, weshalb wir natürlich einen Schauspieler haben wollten, der boxen kann. Und in einem Magazin las ich einmal ein Interview mit Henry Maske, in dem er erzählte, Schmeling selber habe mal gesagt: Wenn mich jemals einer in einem Film spielen sollte, dann bitte nur Henry Maske. Also dachte ich mir: Warum spreche ich Maske nicht mal an und lasse einen Schauspiel-Trainer entscheiden, ob er das packt.

Und er hat's gepackt.

BOLL: Jawohl. Nach den ersten vier Wochen rief mich der Trainer an und sagte mir: Der schafft das! Von da an hat sich Henry Maske acht Monate lang auf den Film vorbereitet: mit Schauspielunterricht und Boxtraining. Ich war baff! Aber Maske spielt sich ja auch irgendwie selber, schließlich ist er ebenfalls so ein wortkarger Typ wie Schmeling.

Die perfekte Besetzung?

BOLL: Absolut. Henry Maske sieht aus wie Max Schmeling. Er hat dieselbe Größe. Er hat dasselbe Gewicht. Schmeling hat gesagt, er will, dass er ihn spielt. Kurzum: Maske ist der perfekte Schmeling. Wer hätte ihn sonst spielen sollen?

Verspürten Sie als Ex-Boxer - der sogar schon allzu hartnäckige Filmkritiker in den Ring bat - nicht auch Lust, mitzumachen?

BOLL: Nein, auch wenn ich 14 Jahre bei Bayer Leverkusen geboxt habe. Aber: Die anderen Schauspieler, die Schmelings Gegner darstellen, sind ebenfalls aus der Boxszene - unter anderem aus dem Boxstall von Wilfried Sauerland. Das macht unsere Boxszenen allesamt professioneller als die in „Rocky“. Wir mussten da nicht rumpfuschen.

Sie mussten in der Vergangenheit viel Kritik für ihre Filme, die meist brutale Computerspielverfilmungen sind, einstecken. Ist ein „seriöser“ Film über ein Idol wie Schmeling vielleicht ein Statement: „Seht her, ich kann auch anders!“?

BOLL: Über die Jahre wird sich die Akzeptanz meiner Person sicherlich relativieren - auch durch einen Film wie den über Schmeling, der wohl mein massentauglichster bislang ist. Aber wissen Sie: Ich habe doch eigentlich schon viel früher damit angefangen, solche „realen“ und „seriösen“ Filme zu drehen - es wurde nur nicht zur Kenntnis genommen. Denken Sie an den Film „Stoic“, der den Foltermord in der JVA Siegburg behandelt. Oder „Postal“: Mit dem habe ich eine gravierende Satire zum Thema Busch / Bin Laden abgeliefert. Und mein zweiter Film war „Barschel - Mord in Genf“. Auch der hatte einen realen Hintergrund.

Wie erklären Sie sich dann die stete Kritik am Filmemacher Uwe Boll?

BOLL: Das Problem ist, dass meine größten und kommerziell erfolgreichsten Filme, die gleichzeitig bei den Kritikern am schlechtesten abschneiden, meine Videospielverfilmungen sind. Und wenn Du einmal ein Image weg hast, dann werden andere Sachen gar nicht mehr richtig zur Kenntnis genommen. Für viele bin ich der „Trash-Meister“.

Würden Sie diese „Trash“-Filme manchmal gerne aus Ihrer Vita tilgen?

BOLL: Nein. Erst durch sie habe ich mir ja einen Namen gemacht. Und in Sachen Verkaufszahlen von DVDs stehen sowieso nur Roland Emmerich und Wolfgang Petersen besser da als ich. Wenn sie in die Videothek gehen, dann finden Sie sieben Boll-Filme - aber keinen von so hochgelobten Regisseuren wie zum Beispiel Tom Tykwer. Und das ist in 80 Ländern so.

Eine Fragen muss zum Schluss dennoch gestellt werden: Hat die „Goldene Himbeere“, die ihnen als „schlechtester Regisseur“ überreicht wurde, einen Ehrenplatz daheim bekommen?

BOLL: (lacht) Das ist eine sehr gute Frage, denn als ich jemanden bei der Jury vorbeischickte, um sie abzuholen, hatten die keine Himbeere da! Angeblich hätten sie nicht damit gerechnet, dass wirklich jemand diesen Preis einfordern würde. Ich war stinksauer und habe denen einen Protestbrief geschrieben, dass ich diesen Preis will. Die Himbeere würde ich mir nämlich auf jeden Fall in die Vitrine stellen. Das ist ja ein Statement. Erstens wird zur Wahl nur „A-Ware“ zugelassen. Und zweitens muss man auch sehen, wer diesen Preis schon bekommen hat: Halle Berry, Steven Spielberg, Sylvester Stallone oder Kevin Costner. Ich befinde mich da also in guter Gesellschaft.

Das Gespräch führte Frank Weiffen



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