Von Carl Dietmar, 13.08.09, 23:10h, aktualisiert 17.08.09, 21:30h
Ursprünglich war das Römisch-Germanische Museum (RGM) mit der Durchführung des Projekts beauftragt worden, doch im Herbst 2006 hatte der neue Kulturdezernent Georg Quander dem Direktor des RGM, Hansgerd Hellenkemper, die Projektleitung entzogen - um sie dem Archäologen Sven Schütte zu übertragen. Schütte war zuvor mehr als zweieinhalb Jahre vom Dienst im Kölnischen Stadtmuseum suspendiert worden, als Folge jahrelanger Auseinandersetzungen mit der Museumsleitung. Die Stadt hatte Schütte - nach verlorenem Prozess vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf - eine neue Aufgabe geben müssen. Seine Bestellung zum Projektleiter stieß in Fachkreisen auf einigen Widerspruch.
Schüttes Projektarbeit wurde allerdings erschwert, als die Archäologische Zone (AZ) in die Diskussion um den Standort eines „Hauses und Museums der Jüdischen Kultur“ geriet - dessen Förderverein beharrte nämlich darauf, dass allein der Rathausplatz, im Mittelalter das „Herzstück“ des Kölner Judenviertels, als Standort in Frage komme. Das Museum sollte also über der AZ erreichtet werden. Die Kölner Kommunalpolitik ließ sich darauf ein, was dazu führte, dass zwei Projekte miteinander verkoppelt wurden.
Ein weiterer Konflikt war programmiert als man nicht umhin kam, einige Kritiker der Bestellung Schüttes, darunter den Althistoriker Werner Eck und den Bauhistoriker Günther Binding, in den Wissenschaftlichen Beirat der AZ zu berufen. Der Beirat sollte die Arbeit der Projektleitung inhaltlich und konzeptionell begleiten. Schütte schaffte es nicht, ein vom Beirat gebilligtes Projektdossier vorzulegen. Das Dossier, in dem die inhaltliche Zielsetzung und ein architektonisches Konzept für die AZ formuliert sein sollten, bildet aber nach den Regularien der Regionale die Basis für eine Qualifizierung (und damit für die Bezuschussung durch das Land). Der Projektleiter behauptete wiederum, der Beirat sei für die zeitliche Verzögerung verantwortlich - der Beginn endloser Querelen, die dazu führten, dass mehrere Beiratsmitglieder das Gremium verließen.
Auslobungstext wurde vorgezogenDer Oberbürgermeister setzte schließlich durch, dass der Auslobungstext für den Architektenwettbewerb vorgezogen wurde - womit die Stadt Köln eindeutig gegen die Regularien der Regionale 2010 verstieß. Als schließlich auch der von Schütte verfasste Auslobungstext vom Beirat als nicht verwendungsfähig zurückgewiesen wurde, schritt der Oberbürgermeister erneut ein - Fritz Schramma übernahm den Beiratsvorsitz (die Satzung des Beirats wurde dafür extra geändert), und er hat, eine einmalige Aktion, zusammen mit dem damaligen NRW-Bauminister eigenhändig den Auslobungstext redigiert und korrigiert, der dann im Dezember 2007 vom Rat verabschiedet werden konnte.
Den Wettbewerb für das Museum gewann im Juni 2008 der Entwurf des Architektenbüros Wandel, Hoefer, Lorch und Hirsch, ein Entwurf, der vielfach als „zu wuchtig“ kritisiert wurde. Der OB, der bei der Präsentation der Preisträger noch tapfer in die Kameras gelächelt hatte, sprach sich einige Tage später nicht nur gegen den Siegerentwurf, sondern grundsätzlich gegen jegliche Bebauung des Platzes aus. Die Ratsmehrheit indessen hielt am Standort des Museums und am ausgezeichneten Entwurf fest. Der sah vor, dass das Museum der Archäologischen Zone als Schutzhülle dienen sollte.
Während Schütte auf dem Platz weiträumige Grabungen durchführen ließ (die keine substanziell neuen Erkenntnisse erbrachten), verabschiedete sich - für viele nicht überraschend - Ende Juni dieses Jahres die „Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der Jüdischen Kultur“ vom Projekt. „Die allgemeine wirtschaftliche Situation“, so stand es in einem Brief an den OB, habe „die in Aussicht gestellten Spenden hinfällig werden lassen“, der Verein sehe sich nicht mehr in der Lage, Bau und Unterhalt des Museums zu finanzieren.
Was nun? Das Ministerium für Bauen und Verkehr, das die AZ aus Regionale-Mitteln mit maximal 14 Millionen Euro bezuschussen will (zwei Millionen werden bis Ende 2009 nach Köln abgeflossen sein), hält daran fest, dass die AZ weiterhin das Vorzeigeobjekt der Regionale 2010 sei, sie habe zumindest „die Potenziale dafür“. Vieles deutet darauf hin, dass die Stadt in die eigene Tasche greifen will, um das Gesamtprojekt irgendwie zu retten - und um nicht das Gesicht zu verlieren. Man hat das Architektenbüro Wandel und Partner gebeten, einen „abgespeckten“, verkleinerten Entwurf für das Museum vorzulegen, der OB hat vorgeschlagen, das Ganze dann „Haus der Stadtgeschichte“ zu nennen. Der Kölner Rat muss nun letztlich über den Umfang des zu errichtenden Museums / Schutzbaus entscheiden.
Projektleiter Schütte geht mittlerweile davon aus, dass das Projekt „voraussichtlich Ende 2012 / Anfang 2013“ fertig gestellt sein werde. Ihm hat man einen „Projektkoordinator“ zu Seite gestellt, der die „Kommunikationsstrukturen“ zwischen den Beteiligten beschleunigen und „optimieren“ soll. Die AZ ist damit das einzige Regionale-Projekt, dass neben einem Projektleiter noch einen Projektkoordinator hat - für Kritiker ein klarer Fall für den Landesrechnungshof.
Vielleicht sollte man all diesen Beteiligten nochmals ins Stammbuch schreiben: Die AZ könnte eine der wichtigsten Attraktionen Kölns werden, vielleicht die wichtigste nach dem Dom - wenn man sie mit Sachverstand und Augenmaß realisiert. Das scheinen einige Entscheidungsträger bis heute nicht erkannt haben, nicht zuletzt der Kulturdezernent. Aber der will ja ohnehin lieber Opernintendant sein.
Politik um archäologische Zone
18.08.2009 | 11.00 Uhr | geoff
I don't pretend to understand the politics involved here. I do know that Kölner archaeology is relatively well known in England because of the large…
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