Von Thorsten Keller, 15.08.09, 07:03h, aktualisiert 25.08.09, 15:48h
Die verbindliche Art, gepaart mit subversivem Hintersinn, ist Martin Sonneborns Markenzeichen als Vorsitzender der „Partei“ - und in dieser Szene von Andreas Coerpers „Parteifilm“ funktioniert das erstaunlich gut. Auch in der C & A-Filiale, in die Sonneborn mit Parteifreunden zum Zwecke der Stilberatung reingeht und mit grauen Polyesteranzügen wieder rauskommt, führt der ehemalige „Titanic“-Chefredakteur das politische Showgeschäft virtuos vor. Nur bei Roderich Egeler stößt Sonneborns Ensemble nicht auf Gegenliebe. Der Bundeswahlleiter hat vor vier Wochen die Pläne der Partei durchkreuzt, sich am 27. September mit den Etablierten zu messen. Da war der „Parteifilm“ - eine sehr lockere Melange aus Propaganda und Dokumentation - allerdings fast fertig.
Parodie auf Guido KnoppMit einer neuen Eingangsszene haben Regisseur Coerper und sein Hauptdarsteller darauf reagiert. Der „Parteifilm“ spielt nun anno 2013, nach der übernächsten Bundestagswahl. Die „Partei“ ist an der Macht und wirft einen verklärenden Blick zurück, auf den dornigen Weg hierhin. Die Off-Kommentare - eine Art Wochenschau mit menschlichem Antlitz - sind unschwer als Parodie auf Guido Knopps Gesamtwerk im ZDF zu erkennen, und in 100 Minuten hakt der Film die wichtigsten Stationen der Parteigeschichte ab: Gründungskonvent in Münster, populistischer Wählerfang in der City von Krefeld (stellvertretend für die „ruinierten westdeutschen Randgebiete“), symbolischer Wiederaufbau eines Mauer-Teilstücks und eine Art alkoholbefeuerter Staatsbesuch in Georgien. Das ist nicht neu, weil das Zentralorgan „Titanic“ die Story der Partei kontinuierlich fortgeschrieben hat, aber trotzdem bitter unterhaltsam. Sonneborn gibt den Phrasendrescher so überzeugend, dass er, wenn es 2013 doch nicht klappt, auch in anderen Spaßparteien nach oben kommen könnte.
Der „Parteifilm“ ist zu sehen im Kölner Filmhaus (bis zum übernächsten Mittwoch, 26. August).
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