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Kultur als Kölns Zugpferd

„Das Niveau halten“

Von Martin Oehlen, 18.08.09, 18:27h, aktualisiert 24.08.09, 10:31h

Kultur gehört zu Köln wie Lukas Podolski zum FC. Trotzdem drohen ihr Etatkürzungen für 2010. Im Kölnischen Kunstverein erklären Spitzenpolitiker den Kulturetat für unantastbar. Alles nur leere Wahlkampf-Versprechungen?

Der Buddha Aksobhya
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Der Buddha Aksobhya (18. Jahrhundert) ist ein Repräsentant der Weisheit und soll in der Bhutan-Ausstellung des Museums für Ostasiatische Kunst zu sehen. Sofern sie im Februar stattfindet. (Bild: Shuzo Uemoto)
Der Buddha Aksobhya
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Der Buddha Aksobhya (18. Jahrhundert) ist ein Repräsentant der Weisheit und soll in der Bhutan-Ausstellung des Museums für Ostasiatische Kunst zu sehen. Sofern sie im Februar stattfindet. (Bild: Shuzo Uemoto)
Kölner Spitzenpolitiker loben im Kölnischen Kunstverein die Bedeutung der Kultur für die Stadt.

Ein Gespenst geht um in Köln. Gesichtet wurde es jetzt, als sich Kölner Spitzenpolitiker im Kölnischen Kunstverein zur Kulturpolitik äußerten. Der Kämmerer der Stadt fordert die Kultur auf, ihren Etat, der derzeit 132 Millionen Euro beträgt, im kommenden Jahr um 30 Prozent zu kürzen. Kulturdezernent Georg Quander hat das Ansinnen bereits zurückgewiesen (siehe Interview). Aber die Verunsicherung ist groß.

Die Reaktionen der OB-Kandidaten auf das jüngste Kürzungs-Szenario zeigen, dass sie zumindest im Wahlkampf davon nichts wissen wollen. Peter Kurth (CDU) formulierte es am Klarsten: Der Kulturetat für 2010 steht nicht zur Disposition.“ Er begründete dies damit, dass die Kultur in Köln strukturell unterfinanziert sei, dass Köln weniger für die Kultur ausgebe als die meisten anderen großen und mittleren Städte und dass Kultur für Köln „eine unglaublich wichtige und nicht eine beliebige Rolle“ spiele. Jürgen Roters, der Kandidat der SPD und der Grünen, stellte fest: „Wir dürfen keine kulturellen Strukturen zerschlagen.“ Daher müsse „mit großem Augenmaß“ entschieden werden, wo gekürzt werden könne. Ralf Sterck (FDP) formulierte, dass „das Ziel, den Kulturetat aufzustocken“ nicht so einfach aufgegeben werden“ dürfe. Es seien für die Kultur mehr Anstrengungen als bisher zu erbringen - nicht nur finanziell, sondern auch von Seiten der Politik. Martin Börschel, der Fraktionsvorsitzende der SPD, will zwar nicht versprechen, dass es immer Zuwächse geben könne. Aber das dann doch: „Das Niveau muss gehalten werden.“

Tenor war, dass das Land NRW sich stärker für Köln ins Zeug legen müsse. Roters ist der Ansicht, dass Düsseldorf seine große Nachbarstadt vernachlässige: „Wir müssen darauf achten, dass wir nicht weiter abgehängt werden vom Ruhrgebiet.“ Kurth sehnt sich ebenfalls nach einer stärkeren Unterstützung von Bund und Land und sieht bei seinem Parteifreund und Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers eine „grundsätzliche Bereitschaft“ dazu. Sterck meint, dass NRW beim Gürzenich-Orchester „ein Schippchen drauflegen sollte“, um es als ein Landesorchester zu etablieren. Dann könnte es auch international weiter aufsteigen.

Einig waren sich die OB-Kandidaten auch darin, dass die Schenkung eines Anbaus an das Kölnische Stadtmuseum angenommen werden müsse. Alles andere sei den Stiftern, die zehn Jahre ihr Geschenk angeboten hätten, nicht zumutbar. Deshalb sehe man auch darüber hinweg, dass das Wettbewerbsergebnis ein anderes gewesen sei. Einig war sich das Trio weiter, dass die Kostenexplosion beim Opernquartier nicht hinzunehmen sei. Auf die Akademie der Kulturen der Welt freut es sich zudem, aber will nicht, dass deren Finanzierung andere Kultureinrichtungen beinträchtige. Und schließlich wurde die Freie Szene gepriesen; ihr bessere Bedingungen zu verschaffen, nicht zuletzt im Atelierbereich, war Konsens.

Überrascht zeigte sich das Podium, das von Jürgen Keimer moderiert wurde, vom großen Zuspruch der Veranstaltung, zu der der „Kölner Komment“ eingeladen hatte. Sterck stellte fest, dass dies wohl „das größte Publikum“ sei, vor dem die drei Kandidaten bislang im Wahlkampf aufgetreten seien: „Das ist eine eindrucksvolle Demonstration, dass Kultur viele angeht.“ Auch Winrich Granitzka, der Vorsitzende der CDU-Fraktion, zeigte Wirkung angesichts des überfüllten Saals: „Kultur ist eine der Lebensadern der Stadt - das haben wir vielleicht in der Vergangenheit zu sehr den Spezialisten überlassen. Kultur geht alle an.“

Kasper König, der Direktor des Museum Ludwig, formulierte in diesem Zusammenhang die heftig beklatschte Aufforderung, dass die Politik im Umgang mit der Kultur mehr „Respekt in allen Bereichen“ zeigen solle. Es gehe um Klarheit und Wahrheit. Dazu zähle auch, dass die Museumsdirektorinnen Adele Schlombs und Hiltrud Westermann-Angerhausen (siehe Artikel unten) endlich erführen, ob sie ihre großen Ausstellungen realisieren können oder absagen müssen. Das Podium, auf dem auch Jörg Frank von den Grünen und Jörg Detjen von den Linken saß, gab an, nicht eingeweiht zu sein in diese Details. Doch ließ sich aus den Wortbeiträgen deuten, dass keiner die Blamage einer Absage verantworten möchte.



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