Von Martin Oehlen, 18.08.09, 21:03h
Die Aufforderung an das Kulturdezernat, sein Programm mal eben um 30 Prozent zu reduzieren, kommt einem kölnischen Offenbarungseid gleich. Da hat sich dieser Kulturetat, mit dem die Kommune auf dem sensationell peinlichen 27. Platz im deutschen Städte-Vergleich liegt, allmählich Prozentpunkt um Prozentpunkt stabilisiert - und schon soll mit einem Federstrich die Raketenrückreise in die Altsteinzeit besiegelt werden.
Dem Kämmerer mag man glauben, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Das eine pocht fürs Löcherstopfen im Haushalt, das andere für die Kultur, also für Attraktivität, Bedeutung, Faszination, Vitalität, Zivilgesellschaft, Modernität, Anspruch, Standort, Leuchtkraft, Bildung, Vergnügen und, und. Da hilft nur eines: Dem Manne muss geholfen werden. Von der Politik und von allen, die bei Sinnen sind.
Eine Stadt, die sich mit einem rüden Gewaltstreich aus der Riege der Kulturstädte verabschieden will, indem sie ein Drittel ihres mickrigen Kultur-Etats auch noch einkassiert, verliert nicht nur Anziehungskraft und Reputation. Sie malträtiert auch noch, was seit dem Einsturz des Städtischen Archivs eh schon gelitten hat - ihre Identität.
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