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Malaysia

Stockschläge für den Bierdurst

Von Willi Germund, 24.08.09, 17:06h, aktualisiert 24.08.09, 17:09h

Die Mullahs nahmen die angedrohte Prügelstrafe für eine junge Frau, die in einem Nachtclub Bier getrunken hatte, kleinlaut zurück. Der Regierung ist die Angelegenheit peinlich - sie sorgt sich um das Image des Landes.

Kartika Sari Dewi Shukarno
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Auf dem Weg zu den Stockschlägen, die es dann doch nicht gab: Das mutige Model Kartika Sari Dewi Shukarno umarmt ihren Vater. (Bild: rtr)
Kartika Sari Dewi Shukarno
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Auf dem Weg zu den Stockschlägen, die es dann doch nicht gab: Das mutige Model Kartika Sari Dewi Shukarno umarmt ihren Vater. (Bild: rtr)
KUALA LUMPUR - In Malaysia wird gesoffen, was das Zeug hält: In Hotelbars, in Nachtklubs, auf Parties und von allen Bevölkerungsgruppen. Chinesen, Inder und moslemische Malaien kannten bislang keine Scheu vor dem alkoholischen Getränk. Dabei verbieten die Scharia-Gesetze der überwiegend islamischen Nation, die parallel zur Gesetzgebung mit angelsächsischer Tradition besteht, den Moslems des Landes jeden Schnaps, Wein und jedes Bier. Am Montag blamierten sich die religiösen Behörden Malaysias bei dem Versuch, ein Exempel zu statuieren, bis auf die Knochen.

Erst holten sie die 32-jährige Kartika Sari Dewi Shukarno, von Beruf Model, zu Hause ab, um ihr im Gefängnis eine gehörige Tracht Prügel bestehend aus sechs Stockschlägen zu verabreichen. Doch auf halbem Weg macht das Fahrzeug kehrt und brachte die junge Frau zurück zu ihrer Tochter und den Eltern.

Die Strafe sei auf die Zeit nach dem Ramadan verschoben worden, rechtfertigten die Mullahs die Kehrtwende auf offener Straße. Ein hoher Beamter im Büro des Generalstaatsanwalts aber ließ durchblicken, man wolle die ganze Affäre einschlafen lassen.

Kartika Sari Dewi Shukarno, die überwiegend in Singapur lebt, hatte es ihren Verfolgern bislang nicht gerade einfach gemacht. Sie wurde verurteilt, weil sie in einem Nachtklub mit einem vollen Glas Bier erwischt worden war. Zum Erstaunen der Scharia-Richter ging die selbstbewusste Frau aber nicht reuevoll in sich, sondern provozierte: „Dann gebt mir die Prügelstrafe.“

Kaum wieder zu Hause trat sie am Montag vor die Presse und verlangte: „Ich will eine klare, in schwarz und weiß geschriebene Stellungnahme. Ich will wissen, ob mir immer noch die Prügelstrafe droht.“

Das weiß zurzeit niemand so genau in Malaysia - beziehungsweise niemand will genau Stellungnahme beziehen. Denn die ganze Angelegenheit ist der Regierung inzwischen nicht nur ziemlich peinlich geworden, sie will auch nicht als Erfüllungsgehilfe von Mullahs entlarvt werden, die Methoden einsetzen, wie die Öffentlichkeit sie überwiegend von den radikalislamischen Talibanmilizen in Pakistan und Afghanistan kennt.

Würde die Strafe der Mullahs vollstreckt, wäre Kartika Sari Dewi Shukarno die erste Frau in Malaysia, die auf Anordnung von Scharia-Richtern verprügelt würde. Offiziell besteht das Urteil aus Stockschlägen, tatsächlich gleicht das ganze eher einer Auspeitschung. Dass es soweit gekommen ist, stellt freilich ein untrügliches Indiz dar. Der Einfluss fundamentalistischer, arabisch geprägter Kleriker wächst auch in Malaysia.



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