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Erziehungstipps

Wenn der Hund den Boss markiert

Von Jasmin Michels, 25.08.09, 19:21h

Hunde haben ihren eigenen Kopf. Wer von seinem Hund verstanden werden möchte, muss lernen, die Sprache des Tieres zu verstehen. Mit diesen fünf Tipps lässt sich das Verständnis zwischen Halter und Hund leicht verbessern.

Hund Erziehung
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Zwischen den Befehlen wird auch geknuddelt: Chantal Turri mit Hund Tronco. (Bild: Bause)
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Zwischen den Befehlen wird auch geknuddelt: Chantal Turri mit Hund Tronco. (Bild: Bause)
Ein lang gezogenes „Cooooraa“ hallt wieder und wieder über die Rösrather Wiese. Von der Besitzerin, die offenbar nicht müde wird, ihren Hund zu rufen, ist nichts zu sehen. Wohl aber von ihrem Vierbeiner, der sich völlig unbeeindruckt von den Bemühungen seines Frauchens freudig der ausgiebigen Begrüßung von Jagdhündin Gretchen widmet.

Deren Besitzerin Gabriele Böhm schmunzelt. Dieses Beispiel am lebenden Objekt kommt ihr gerade recht, denn eben hat die Hundepsychologin ihren Schülern erklärt, dass es sinnlos ist, seinen Hund immer wieder zu rufen, wenn er nicht hört. „Richtig ist, ihn kommentarlos zu holen und anzuleinen“, sagt sie. Unangemessenes Verhalten vom Hund soll ignoriert, angemessenes belohnt werden.

Gretchen ist so etwas wie ein Musterhund, mit dem Böhm vorführt, wie es gehen sollte: Einfache Handzeichen oder ein Pfiff genügen, und die aufmerksame Jagdhündin kommt, setzt sich oder macht Platz. „Warum sollte ich sprachliche Befehle geben, sie versteht mich auch ohne Worte“, erklärt die ausgebildete Tierpsychologin. „Meine Handzeichen leuchten ihr viel besser ein.“ Die Basis für den Gehorsam liege jedoch in der Beziehung zwischen Hund und Halter: „Mein Hund respektiert mich und achtet immer auf mich“, so Böhm.

Die Sprache des Tieres lernen

Wer von seinem Hund verstanden werden möchte, muss zunächst umgekehrt lernen, die Sprache seines Tieres zu deuten. Das weiß auch Stefan Engels, der zusammen mit seiner Frau Chantal Turri und den gemeinsamen Hunden, Bordeaux-Dogge-Podenko-Mischling Tronco und Jack-Russel-Terrier Lui, von der Hundepsychologin unterrichtet wird. „Ich hätte früher niemals gedacht, dass ich meinen Hund mal anknurren würde“, sagt Engels und grinst. „Aber es hilft, Hunde machen es ja genauso“, fügt er hinzu. Wenn Kraftpaket Tronco zu Hause am Tisch bettelt, wird er von seinen Besitzern kurzerhand angeknurrt - und zieht umgehend Leine. „Ich erkenne jetzt, dass ich bei meinen früheren Hunden vieles falsch gemacht habe“, sagt Engels. „Ich dachte immer, Hunde bräuchten eine harte Hand, aber eigentlich kommt es nur darauf an, sie zu verstehen.“ So sei Schwanzwedeln, wie er jetzt wisse, keineswegs nur Ausdruck von Freude, sondern auch von Aufregung. Ebenso wird Gähnen oft als Symptom von Langeweile interpretiert, tatsächlich kann es aber ebenso Ausdruck von Unsicherheit sein.

„Ich wurde mal gefragt, ob mein Hund überhaupt Spaß am Leben hat, wo er doch so gut gehorcht“, erzählt die 56-Jährige Böhm kopfschüttelnd. „Viele Hundebesitzer glauben, dem Tier etwas Gutes zu tun, wenn sie ihm möglichst viele Freiheiten lassen, dabei ist mit dieser Situation keiner von beiden glücklich“, weiß die Rösratherin. „Hunde sehnen sich nach Sicherheit. Sie sind vergleichbar mit Kindern von zwei, drei Jahren. Und die lässt man ja auch nicht einfach machen“, erklärt sie. Wenn der Besitzer nicht die Rolle des Rudelführers übernimmt, tut das zwangsläufig der Hund. Einen Chef muss es in der Hundewelt nun mal geben. Die Ursache für das Verhalten von sogenannten „Problemhunden“ liege deshalb meist beim Halter, erklärt Böhm. Eine Ursache, die viele Symptome hat wie Ziehen an der Leine, Bellen und Ungehorsam. Dabei seien Hunde als soziale Wesen durchaus darum bemüht, es ihren Besitzern recht zu machen.

Gabriele Böhm gibt ein paar Tipps für das Verständnis zwischen Hund und Halter:

Ziehen an der Leine

„Wenn der Hund an der Leine zieht, übernimmt er die Chefposition“, erklärt Gabriele Böhm. „Er achtet nicht auf seinen Besitzer.“ Heftiges Gegen-Rucken an der Leine sei nicht die Lösung. „Damit tue ich meinem Hund nur Gewalt an, sein Verhalten wird er deshalb aber nicht ändern“, so die Hundepsychologin. Wichtig sei es dagegen, das Tier auf sich zu beziehen. „Wenn der Hund mir Aufmerksamkeit schenkt, bekommt er seinen Lohn“, so Böhm. „Die Richtung muss immer allein der Besitzer bestimmen. Zieht der Hund nach vorne, bleibe ich stehen. Bleibt er hinter mir, gehe ich einfach weiter.“

Der Hund hört nicht, wenn er gerufen wird

Sinnvoller als Rufen ist es, den Hund, wenn er nicht gehorcht, kommentarlos am Halsband zu nehmen und anzuleinen. „Schimpfen oder Brüllen ist falsch“, erklärt die Expertin. „Damit kann der Hund nichts anfangen, es verwirrt ihn bloß. Wenn ich ihn einfach wortlos aus der Situation heraus und zu mir hole, treffe ich die Entscheidung über ihn, darauf kommt es an.“

Hört der Hund dagegen, wird er gelobt und bekommt ein Leckerchen. Hunde sind Opportunisten: „Sie machen nur Dinge, die sich für sie lohnen“, weiß die Expertin. Voraussetzung für Gehorsam ist deshalb auch eine gute Beziehung zwischen Mensch und Hund: Dann bleibt das Tier auch gerne bei seinem Besitzer.

Der Hund bellt, wenn er angebunden oder alleingelassen wird

„Bellen ist eine Forderung“, erklärt Böhm. Der Hund empfindet es als eine Unverschämtheit, dass er angebunden oder alleine gelassen wird und beschwert sich lautstark darüber. Auch das zeugt davon, dass das Tier meint, die Entscheidungsgewalt bei sich zu haben. Hier hilft nur Übung: „Man kann den Hund beim Spaziergang immer wieder anbinden und solange hin und hergehen, bis er aufhört zu bellen. Erst dann lobt man ihn“, rät Böhm.

Besucher werden angesprungen

Springt der Hund scheinbar freudig an Besuchern oder am Besitzer hoch, zeugt dies keineswegs nur von Zuneigung, sondern auch von Respektlosigkeit. „Das macht er auch bei Hunden nicht, denn sonst kassiert er eine Abmahnung“, so Böhm. Deshalb sollte man sich dieses Verhalten auch als Mensch nicht gefallen lassen. Besucher müssen dazu aufgefordert werden, ein Knie zu heben und den aufdringlichen Hund damit sanft aber bestimmt von sich zu stoßen. Ist der Vierbeiner um zu viel Aufmerksamkeit bemüht, sollte er kommentarlos am Halsband genommen und in einen anderen Raum gebracht werden. „Ich hatte einen Fall, bei dem der Hund bestimmte, wer das Grundstück betreten durfte“, berichtet Böhm. In der Therapie bekam das Tier einen Platz zugewiesen, von dem aus es die Wohnung nicht überblicken konnte. Wenn Besuch kam, wurde es weggesperrt und durfte erst dazu kommen, nachdem die Familie den Neuankömmling empfangen hatte.

Der Hund verteidigt seinen Besitzer übermäßig

Dass ein Hund seine Besitzer vor Angreifern verteidigt, ist natürlich wünschenswert, bedeutet aber, dass er bestimmt, wer Freund und wer Feind ist. Und das darf er nicht. Ein deutliches Signal ist es etwa, wenn das Tier sich in der sogenannten „T-Stellung“, also quer, vor ein Familienmitglied stellt. „Damit schützt er den Halter, versperrt ihm aber gleichzeitig auch den Weg und will niemanden an diesen heranlassen“, erklärt Böhm. Der Hund muss dann weggezogen und mit einem „Sitz“ oder „Platz“ in die Unterordnung gebracht werden. „Auch wenn ein Hund seinen Besitzer im Haus ständig verfolgt, zeugt dies nicht von bedingungsloser Liebe“, erklärt Böhm. Vielmehr kann der Hund sich nicht entspannen, weil er als vermeintlicher „Chef“ seinen Besitzer kontrollieren will. Es ist deshalb wichtig, dass er seinen eigenen Platz hat, auf den er in diesem Fall verwiesen werden kann.

Aber keine Sorge: Im Ernstfall wird der Hund immer Stellung für seinen Besitzer beziehen.



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