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Interview

Zwei Frauen gegen Friedl

Erstellt 25.08.09, 16:42h, aktualisiert 25.08.09, 16:46h

Dr. Uwe Friedl (54 Jahre, CDU) ist seit 1999 Euskirchener Bürgermeister. In der Wahl am Sonntag tritt er gegen Martina Grundler (47, SPD) und Susanne Daniel (42, UWV) an. Die drei Kandidaten geben im Gespräch mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" Auskunft über ihre politischen Ziele.

Uwe Friedl
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Uwe Friedl (CDU)
Uwe Friedl
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Uwe Friedl (CDU)
Susanne Daniel
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Susanne Daniel (UWV)
Martina Grundler
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Martina Grundler (SPD)
Susanne Daniel
Martina Grundler
Euskirchen -

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Zuerst ein Thema, das in der Bevölkerung seit Monaten diskutiert wird: die Verzögerung beim Bau des Sport- und Wellnessbades. Wie viel Zeit wollen Sie dem Investor noch einräumen bis zum ersten Spatenstich? Falls er nicht baut - welche Alternative favorisieren Sie?

UWE FRIEDL: Bei einem derart umfangreichen und anspruchsvollen Investitionsprojekt lassen sich Verzögerungen leider nie gänzlich ausschließen. Aufgrund der derzeitigen internationalen Banken- und Finanzkrise ist allerdings noch ein wenig Geduld gefragt. Gleichwohl bin ich sehr zuversichtlich, dass die ausstehende Finanzierungszusage einer Landesbank in den nächsten Wochen vorliegen und im Herbst dieses Jahres der Spatenstich erfolgen wird. Daher gehe ich nicht davon aus, dass die früheren Pläne für ein Allwetterbad als Alternative aus der Schublade geholt werden müssen.

MARTINA GRUNDLER: Ich kann die Ungeduld gut verstehen, das Bad sollte ja ursprünglich in diesem Herbst eröffnet werden. Es gab immer wieder neue Begründungen des Bürgermeisters für Verzögerungen: Artenschutz, zusätzliche Sicherheiten, die von den Banken gefordert wurden, dann die europaweite Ausschreibung und aktuell die weltweite Finanzkrise und die Zurückhaltung der Banken. Ich habe das Projekt Sport- und Wellnessbad immer unterstützt. Aber irgendwann muss es dann eben auch mal losgehen, oder wir müssen über Alternativen diskutieren. Ich will damit aber warten, bis der neue Rat sich konstituiert hat. Das Risiko einer Verzögerung kannten alle Parteien beim Beschluss zum Wellnessbad. Was ich aber kritisiere ist, dass so getan wurde, als sei alles in trockenen Tüchern, und dass man nicht nur das Hallenbad abgerissen, sondern das Freibad gleich mit demontiert hat. Damals wurde so getan, als ginge es nur um eine kurze Phase, bis das neue tolle Bad eröffnet wird. Falls nun der Investor nicht baut, sollten wir auf eine kleine Lösung setzen: ein neues Hallenbad als Sportbad, damit Schulschwimmen und Vereinssport wieder möglich sind.

SUSANNE DANIEL: Bei der derzeitigen Wirtschaftskrise ist es nachvollziehbar, dass die Banken vorsichtig geworden sind. Insofern ist der Investor für die Verzögerung nicht verantwortlich. Ich bin dennoch zuversichtlich, dass das Projekt bald gestartet wird. Vor dem Hintergrund stellt sich für mich auch derzeit keine Alternative, denn andere Investoren oder Kommunen - wenn sie denn ein Bad selbst finanzieren müssten - würden ebenso auf Kreditbewilligungen warten. Die Stadt Euskirchen, die bekanntlich finanziell sehr schlecht aufgestellt ist, hätte mit großer Wahrscheinlichkeit überhaupt keine Chance auf Finanzierung eines Bades.

Die Gemeindeprüfungsanstalt hat Euskirchen kürzlich eine ungewöhnlich hohe Verschuldung attestiert, knapp 4000 Euro je Einwohner, insgesamt 220 Millionen Euro. Der daraus resultierende Kapitaldienst belastet den Haushalt stark. Wie wollen Sie die Finanzlage der Stadt verbessern?

GRUNDLER: Die Finanzsituation ist durch konsequentere Wirtschaftsförderung zu verbessern - sowohl im Hinblick auf die Ansiedelung neuer Unternehmen als auch bei der Bestandspflege. Denn die Gewerbesteuer ist eine der wichtigsten, aber leider sehr unsicheren Einnahmequellen der Stadt. Bei der Haushaltskonsolidierung will ich die Erfüllung der Pflichtaufgaben ins Visier nehmen. Wenn es uns gelingt, diese Aufgaben effektiver und kostengünstiger zu erfüllen, ergeben sich deutliche Einsparpotenziale. Ich würde städtische Großprojekte darauf prüfen, ob sie auch mal zwei, drei Jahre nach hinten geschoben werden können und ob kleinere kostengünstige Lösungen nicht auch zur Attraktivierung der Stadt beitragen können - Stichwort Gardebrunnen. Wir brauchen eine neue Grundlage für kommunale Finanzen, deshalb würde ich mich als Bürgermeisterin auf allen politischen Ebenen für die längst überfällige Gemeindefinanzreform einsetzen.

DANIEL: Die Haushaltsmittel müssen mit äußerster Sparsamkeit nach Prioritäten eingesetzt werden. Aus diesem Grund würde ich zuerst mal alles auf den Prüfstand bringen sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger und die Fachleute in der Verwaltung mit ihrem Sachverstand zur Verbesserung der Haushaltssituation einbinden - Stichwort Bürgerhaushalt. Mir gefällt diese Idee, auch Arnold Schwarzenegger greift ja auf dieses Mittel zurück.

FRIEDL: Aufgrund der sehr guten Infrastruktur in der Kernstadt und den Ortsteilen mit beispielsweise zahlreichen Schulen, Kindertagesstätten, Sport- und Spielplätzen hat die Stadt Euskirchen in den vergangenen Jahrzehnten hohe Investitionskredite aufgenommen, die es nunmehr abzubauen gilt. Die Gemeindeprüfungsanstalt hat aber ebenfalls bestätigt, dass die bereits eingeleiteten Konsolidierungsbemühungen erste Wirkungen zeigen. Durch die zeitliche Streckung von investiven Maßnahmen und die damit verbundene Reduzierung der Aufnahme von Kreditmitteln muss die Entschuldung jedoch weiter konsequent betrieben werden. Eine Erhöhung der Gewerbe- und Grundsteuern, um Einnahmen auf Kosten der Bürger zu akquirieren, halte ich - besonders in der jetzigen Konjunkturlage - weiterhin für das falsche Signal, so dass dies für mich keine Lösung zur Sanierung kommunaler Finanzen darstellt.

Wo würden Sie als Bürgermeister oder Bürgermeisterin in den kommenden Jahren die weiteren Schwerpunkte Ihrer Arbeit setzen?

DANIEL: Ich würde die Schwerpunkte in folgenden Bereichen setzen: Soziales, Schulen, Kindertagesstätten, Senioren, Jugend, Freizeit und Sport sowie Vereine. Ebenfalls wichtig ist der Ausbau Euskirchens als Wirtschaftsstandort, unter anderem durch die Entwicklung der LEP-Fläche. Alles dies ist unter der Überschrift Haushaltskonsolidierung zu betrachten. Ich bin der Meinung, dass wir mit einer guten Infrastruktur ausgestattet sind. Deshalb sollten wir jetzt mal wieder in Köpfe und weniger in Beton investieren.

FRIEDL: Da die Stadt Euskirchen sich - und dies mit landesweitem Modellcharakter - bereits sehr frühzeitig mit den Auswirkungen des demographischen Wandels auseinandergesetzt hat, werden sich daraus zahlreiche Handlungsfelder und notwendig durchzuführende Maßnahmen für die kommenden Jahre ergeben. Außerdem ist der Wirtschafts-, Arbeits- und Einkaufsstandort Euskirchen weiter zu stärken, um Zuwachs und Expansion zu ermöglichen. Die bisherigen engagierten überregionalen Ansiedlungsstrategien für die LEP-VI-Fläche sind fortzuführen. Aber auch im Bereich der „weichen“ Standortfaktoren, zum Beispiel Freizeit und Kultur, gilt es, trotz des bisher schon Erreichten unseren Bürgerinnen und Bürgern, aber auch den zahlreichen Besuchern aus der Region eine noch bessere Aufenthaltsqualität in unserer Stadt zu gewährleisten.

GRUNDLER: Schwerpunkte will ich im Bereich der Bildung setzen. Dazu zählen, trotz schlechter Haushaltslage, ein Programm zur Sanierung unserer Schulgebäude, der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote und der Schulsozialarbeit und der Erhalt des Schulangebotes in Euskirchen, aber auch dessen Ausbau - Stichwort Gemeinschaftsschule oder Gesamtschule. Euskirchen will ich als Einzelhandelsstandort stärken und Leerstände bei den Ladenlokalen beseitigen. Mit dem Programm „Wohnen in Euskirchen“ will die SPD attraktiven Wohnraum für junge Familien und Anreize zur energetischen Sanierung von Wohngebäuden schaffen. Hinzu kommen gezielte Wohnumfeldverbesserungen und flankierende soziale Maßnahmen in Bereichen, die sich sonst problematisch entwickeln könnten, zum Beispiel im Gebiet rund um die Peter-Simons-Straße. Gemeinsam mit ARGE, Partnern aus den Wohlfahrtsverbänden und privaten Unternehmen wollen wir einen öffentlich geförderten Arbeitsmarkt schaffen, damit schwer vermittelbare Arbeitslose in Euskirchen eine Perspektive haben. Außerdem erinnere ich an die Umsetzung des von der SPD erarbeiteten Handlungsprogramms gegen Kinderarmut.

Was befähigt Sie, die Geschicke einer Stadt mit rund 56 000 Einwohnern und eine Verwaltung mit fast 600 Mitarbeitern zu führen?

GRUNDLER: Meine beruflichen Erfahrungen als freigestellte Betriebsrätin in einem großen Versicherungskonzern. Diese Aufgabe erfordert Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgeschick, hohe kommunikative Fähigkeiten und soziales Gespür. Man benötigt Kenntnisse in juristischen und betriebswirtschaflichen Fragen, kennt sich in Personalführung theoretisch und praktisch aus. Die Tätigkeit fordert, dass man viele - oft komplexe - Arbeits- und Problemfelder gleichzeitig bearbeitet. Dann natürlich auch meine langjährige kommunalpolitische Erfahrung in Euskirchen, ich kenne die kommunalpolitischen Handlungsfelder und Probleme. Last but not least die Verbundenheit zu meiner Heimatstadt, die ich von klein auf kenne und in der ich gerne lebe.

FRIEDL: Da ich diese Tätigkeit aufgrund meiner Ausbildung als diplomierter Verwaltungswirt und promovierter Ökonom sowie einer fast vierzigjährigen Beschäftigung in den unterschiedlichsten Bereichen und Ebenen öffentlicher Verwaltungen quasi von der Pike auf erlernt habe, befähigt mich dies dazu, Chef einer Kommunalverwaltung zu sein. Und meine Arbeitskraft zum Wohle und der Weiterentwicklung der Stadt Euskirchen einzusetzen, habe ich in den vergangenen zehn Jahren immer als oberste Priorität angesehen. Dabei scheue ich auch nicht davor zurück, im Sinne der Sache manchmal deutliche Worte zu finden - auch wenn dies beispielsweise im Kreishaus oder auch anderswo das ein oder andere Mal nicht gefallen hat.

DANIEL: Ich verweise auf meine berufliche Ausbildung zur Sparkassenfachwirtin sowie die langjährige Erfahrung im Umgang mit Kollegen und Kunden unterschiedlichster Charaktere. Hier ist ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl und Sozialkompetenz erforderlich. Da ich seit 2001 Führungsaufgaben erfüllt habe, kann ich auch diese nachweisen. Dabei ist es unwichtig, ob man fünf, zehn oder mehr Mitarbeiter zu führen hat. Das Wichtigste ist der faire und menschliche Umgang mit den Mitarbeitern.

Verraten Sie uns Ihre persönliche Schwäche(n)?

DANIEL: Kuchen und Schokolade. Ich kann nur schlecht daran vorbeigehen. Deshalb muss ich auch regelmäßig Lauftraining machen.

GRUNDLER: Gummibärchen und manchmal Ungeduld.

FRIEDL: Bekanntermaßen ist Ungeduld meine Schwäche. Wenn ich eine Idee habe oder wir für die Stadt ein Konzept geplant haben, dauert mir die Umsetzung meist zu lange - und dies, obwohl alle Beteiligten mit Hochdruck an der Realisierung arbeiten. Insoweit sind die oben angesprochenen Verzögerungen für mich etwas, womit ich mich sehr schwer tue.

Angenommen, Sie hätten eine Million Euro zur Verfügung, die Sie für Euskirchen ausgeben dürfen. Wo würden Sie das Geld einsetzen?

FRIEDL: Da die Stadt Euskirchen über eine hervorragende Infrastruktur verfügt, die zwar in einigen Bereichen einen gewissen Sanierungsbedarf ausweist, und außerdem im Bereich der freiwilligen Leistungen noch Mittel zur Verfügung stellt, würde ich eine Million Euro vorrangig für die weitere Entschuldung einsetzen, da nur so eine dauerhafte und nachhaltige Wirkung für die Verbesserung der städtischen Finanzlage erzielt werden kann.

GRUNDLER: Ich würde mit dem Geld wirksame Maßnahmen gegen Kinderarmut finanzieren und Beschäftigungsprojekte für Langzeitarbeitslose.

DANIEL: Auf keinen Fall würde ich das Geld in den Gardebrunnen stecken. Nein, ernsthaft: Wie eben erläutert, würde ich das Geld gemäß der Prioritätenliste einsetzen.

Die Fragen stellte Johannes Bühl



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