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Paul Potts

„Ich habe einen Traum verwirklicht“

Von Harald Biskup, 04.09.09, 23:53h, aktualisiert 05.09.09, 10:18h

Tenor Paul Potts war der Überraschungssieger einer Castingshow. Jetzt steht seine zweite Tournee an. Im Interview bekennt er, das große Los gezogen zu haben. „Ich habe einen Traum verwirklicht, das können nicht viele von sich behaupten.“

Paul Potts
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Paul Potts in Köln auf der Bühne. (Bild: Hennes)
Paul Potts
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Paul Potts in Köln auf der Bühne. (Bild: Hennes)
KÖLNER STADT-ANZEIGER Mr. Potts, zwei Jahre sind eigentlich nicht viel Zeit. In Ihrem Fall haben allerdings haben zwei Jahre ausgereicht, um Ihr Leben einmal komplett umzukrempeln.

PAUL POTTS Ja, das das kann man wohl sagen. Das kommt mir immer noch unglaublich vor. Das ist wie ein modernes Märchen.

Sie waren ein Nobody und jetzt sind Sie eine Art Weltstar, der über alle Kontinente tingelt. Was für ein Gefühl ist das?

POTTS Damit muss man erst umzugehen lernen. Der Wandel kam für mich praktisch über Nacht. Ich hatte wenig Zeit, mich umzustellen. Jetzt bin ich ständig unterwegs und sehe unheimlich viel von der Welt, was ich sonst wahrscheinlich nie gesehen hätte. Australien, Japan, Südamerika.

Sie sagen von sich, Sie seien der glücklichste Mensch auf der Welt. Was bedeutet Glück für Sie?

POTTS Ich habe das große Los gezogen und eine tolle Chance erhalten. Ich habe einen Traum verwirklicht, das können nicht viele von sich behaupten.

Sind Sie schlanker geworden oder ist der Anzug günstig geschnitten?

POTTS Mein Gewicht schwankt stark. Vielleicht ist es im Moment etwas weniger. Aber ich werde natürlich oft zum Essen eingeladen und kann schlecht Nein sagen bei den süßen Sachen.

Ihre bisherige Biografie enthält den Stoff, aus dem Seifenopern gemacht werden. . .

POTTS Da mögen Sie recht haben. Es war alles schon sehr dramatisch, und es hat natürlich auch viel auf und ab gegeben. Manchmal wartet die Chance des Lebens gleich um die Ecke, manchmal muss man etwas länger suchen. Ich bin nicht besonders religiös, aber ich denke, was uns als Individuen ausmacht, ist eine Mischung aus dem, was uns von Gott geschenkt ist, aus Glück und natürlich aus harter Arbeit.

Sind Sie heute das, was die Amerikaner als „self-made man“ bezeichnen?

POTTS Ich spreche eigentlich lieber von selbstmotiviert.

Warum glauben Sie, fühlen sich Menschen in aller Welt so berührt von Ihrer Geschichte?

POTTS Ich glaube, das liegt daran, dass Musik, gerade auch klassische Musik, sehr viel mit Emotionen zu tun hat. Und dann erst kommt der persönliche Background. Musik ist eine Sprache, die alle gesellschaftlichen und kulturellen Barrieren überwindet.

Hängt Ihre Popularität auch damit zusammen, dass Sie sich nicht scheuen, offen über Ihre Schwächen zu reden und sich selbst als tollpatschig zu bezeichnen?

POTTS Ja, es stimmt, ich bin ziemlich tollpatschig. Das ist fast ein Stück von meiner Persönlichkeit. Wenn ich Ihnen sage, woran ich mir schon alles meinen Kopf gestoßen habe. . . Türen, Scheiben, alles Mögliche.

Zeigt Ihre Karriere nicht, dass es auf Talent unter Umständen mehr ankommt als auf eine fundierte Ausbildung, etwa an einem Konservatorium?

POTTS Ich wäre, als ich jünger war, eigentlich schon gern aufs Konservatorium gegangen, aber ich hielt mich nicht für begabt genug. Außerdem fehlte das Geld. Talent allein reicht nicht. Man muss viel an sich arbeiten. Das mache ich mit meinem Stimmbildner. Und es kommt sehr stark auf die Persönlichkeit an.

Betrachten Sie sich eigentlich als Künstler?

POTTS Ich singe einfach gern und bin sehr dankbar, dass so viele Menschen in aller Welt meine Leidenschaft teilen. Ich denke, durch hartes Training kann ich zum Künstler werden.

Und wie gehen Sie mit Kritik um?

POTTS Mit Kritik habe ich keine Probleme, solange sie konstruktiv und ehrlich ist. Musik gehört schließlich allen.

Sie verehren Pavarotti. Imitieren Sie ihn oder gelingt es Ihnen, einen eigenen Stil zu entwickeln?

POTTS Ich bewundere viele große Sänger, darunter Pavarotti, aber zum Beispiel auch Fritz Wunderlich und Mario Lanza. Ich bin jetzt 38, die ganz große Zeit für Tenöre ist, glaube ich, so um die 40.

Fühlen Sie sich eigentlich beleidigt, wenn britische Blätter schreiben, Ihre Stimme sei nicht besser und nicht schlechter als die irgendeines Kirchenchormitglieds?

POTTS Wenn die das denken, kann ich sie nicht daran hindern. Aber ich freue mich natürlich, dass Millionen Menschen, die meine Platten kaufen und in meine Konzerte kommen, das anders sehen.

Wenn man Sie mit Andrea Bocelli vergleicht, ist das ein Lob oder eher eine Geringschätzung?

POTTS Er hat eine sehr feine Stimme, und er ist sehr erfolgreich, besonders auch in Italien, was ja viel sagt. Ich denke, er macht seine Sache sehr gut.

Sehen Sie sich inzwischen als Profi-Sänger an oder doch eher als erfolgreichen Amateur?

POTTS Ich werde für meine Auftritte bezahlt, also in dem Sinne bin ich sicher Profi. Ich sehe noch viele Herausforderungen, und ich will noch perfekter werden. Für mich ist es wichtig, authentisch zu bleiben. Man darf nie vergessen, woher man kommt und wie man zu dem geworden ist, was man ist.

Gibt es einen speziellen Grund, warum Sie Puccini besonders verehren?

POTTS Seine Musik ist extrem leidenschaftlich. Tosca, Manon Lescaut, Madame Butterfly. Er übersetzt Emotionen einfach in Musik, mehr als andere Komponisten, einfach fantastisch. Ich kann einfach nicht ruhig bleiben, wenn ich diese Musik höre.

Wie wichtig ist Leidenschaft für einen erfolgreichen Opernsänger?

POTTS Unheimlich wichtig. Es geht nicht ohne, besonders bei Puccini.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann einmal auf einer Opernbühne zu stehen?

POTTS Im Moment kommt es mir unglaublich vor, aber man kann ja nie wissen.

Sehen Sie Ihre Mission darin, Menschen für Opern zu begeistern, die normalerweise nie in ein Opernhaus gehen würden?

POTTS Mir ist es schon wichtig, dass ich ganz normale Menschen mit meiner Musik anspreche und begeistere.

Sie haben sich auf extrem populäre Titel spezialisiert. Mein Musiklehrer hätte deshalb die Nase gerümpft und gesagt: Das ist Anbiederung an den Massengeschmack.

POTTS Ja und? Ich kann aber eigentlich nicht behaupten, dass meine Stücke wirklich leicht wären, sie sind nur eingängig.

Liegt der Gipfel noch vor Ihnen oder ist er schon erreicht?

POTTS Das ist schwer zu sagen. Ich habe eigentlich noch sehr viel vor. Aber das ist nicht meine Entscheidung, sondern die meiner Plattenfirma.

Können Sie sich noch einmal ein Leben als Handyverkäufer vorstellen?

POTTS Niemand kann in die Zukunft schauen, aber ich hoffe, dass meine Fans mich weiter unterstützen und ich noch lange singen kann.

INTERVIEW: HARALD BISKUP



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