Von Norbert Ramme, 02.09.09, 15:40h
„Na ja, zwei Wochen werden wir wohl noch brauchen, ehe die Räume eingerichtet sind, aber dann geht es los“, sagte Franziskaner-Pater Jürgen Neitzert lachend. Die neuen Räume riechen nach Farbe, Möbel gibt es noch nicht. Aber der Franziskaner und sein Verein „Pro Humanitate“ sowie sein Team um Chaled Malekyar und Michael Schuster sind sichtlich glücklich. „Nun steht unsere Arbeit wieder auf einem festen Fundament.“
Nach einem Wasserschaden waren die alten Räumlichkeiten, in denen die Hausaufgabenhilfen, Sport- und Freizeitgruppen sowie Bewerbungstrainings stattfanden, erheblich beschädigt worden. Der Boden war durchgerostet, innen roch es stets muffig. Der Ersatz kam nun auf dem Schiffsweg aus China. Aus drei großen See-Containern - für den Ankauf und Transport hatte die GAG einen fünfstelligen Betrag beigesteuert - haben Mitarbeiter des Kölner Vereins „Jack in the Box“ unter Anleitung von Architekt Uwe Harzer eine kleine, aber feine Jugendeinrichtung gezaubert: mit einem großen Gruppenraum, einem Hausaufgabenzimmer, einer Teeküche und einer Toilette. Die bestehenden Gruppen, die in den vergangene Wochen provisorisch im benachbarten „Vingster Treff“ untergebracht waren, sollen nun noch um eine Mädchengruppe erweitert werden.
„Wir wollen in Vingst, wo wir bis 2012 rund 200 Millionen Euro zur Modernisierung und zum Neubau von Wohnungen ausgeben, nicht nur in Steine investieren, sondern auch in soziale Projekte“, begründete GAG-Sprecher Dirk Kästel das Engagement der Wohnungsbaugesellschaft. Jochen Ott: „Da, wo Kinder, Jugendliche und Heranwachsende ernst genommen werden, gefördert und gefordert werden, gibt es weniger Schäden durch Vandalismus, weniger Angst-Räume und stattdessen ein besseres Miteinander verschiedenen Altersgruppen und sozialen Schichten.“
Da sei der Franziskanerpater Neitzert, der ehrenamtlich schon mehr als 15 Jahren vorrangig mit türkischen Kindern und Jugendlichen aus dem Veedel arbeitet, ein verlässlicher Partner. Mit seiner freundlichen Art hat sich der studierte Islamwissenschaftler nicht nur bei den Jugendlichen, sondern im ganzen Stadtteil Respekt verschafft und einen guten Ruf erworben. Rund 50 junge Menschen zwischen zehn und 26 Jahren nehmen regelmäßig die verschiedenen Angebote in Anspruch. Sogar bis nach Rom ist er mit seinen Jugendlichen schon gereist.
Vor allem über den Fußball erreicht er die Jungs. Dabei hilft der aus Afghanistan stammende Fußballtrainer und Sportlehrer Malekyar, den Neitzert während des Studiums kennen gelernt hat. Nachdem Kalks Bezirksvertreter kürzlich einstimmig beschlossen hatten, den von Neitzert gegründeten und geleiteten „Internationalen Verein für Frieden und Gerechtigkeit - Pro Humanitate“ offiziell als „Träger der freien Jugendhilfe“ anzuerkennen, ist es nun, so weiß SPD-Ratsfrau Susana dos Santos Herrmann, leichter, an städtische Zuschüsse und an Spenden heran zu kommen. Denn für ihre soziale Arbeit benötigen die Ehrenamtler rund 25 000 Euro im Jahr. „Und die wollen erst einmal zusammengetragen werden“, sagt Neitzert.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
![]() |