Von Patrik Reinartz, 03.09.09, 17:33h, aktualisiert 04.09.09, 11:52h
Seit langem bekannt
Wie Corinna Relles von der Unteren Denkmalbehörde erläuterte, wusste man bereits seit Anfang der 1990er Jahre von der Existenz des Bodendenkmals. Auf dem Areal waren damals Scherben aus römischer Zeit gefunden worden, die darauf hindeuteten, dass sich Reste eines landwirtschaftlichen römischen Gutes im Boden befanden. Auch bei Straßenbauarbeiten waren immer wieder Fragmente entdeckt worden. Bislang schlummerten die Überreste des römischen Gutshofs aber friedlich im Boden. Aufgrund mehrerer Anfragen potenzieller Bauherren entschloss sich die Stadt nun dazu, die Vermarktung der Gewerbefläche voranzutreiben. Mit den Interessenten sollen demnächst Gespräche geführt werden. „Im Bereich der Villa Rustica sind natürlich keine Tiefbau-Arbeiten erlaubt“, erklärte Bürgermeister Dr. Uwe Friedl. Vielleicht gebe es ja auch einen Investor, der die historischen Fundamente freilegen und mit einem Glasboden abdecken wolle.
Mit den Grabungen wurde die Bonner Firma „Archaeo-Net“ beauftragt. Leiterin vor Ort war die Archäologin Claudia Neutzer. Wie sie erklärte, sind von der Villa Rustica nur noch die Fundamente stehen geblieben. Zu dem landwirtschaftlichen Gutshof gehörte auch ein „Porticus“, ein offener Laubengang. Zwei Ecktürme dienten vermutlich als Lager. Hinzu kamen eine große Halle und drei weitere Räume. Nebengebäude rundeten das Ensemble ab.
Die Villa Rustica war mit einem Wall umgeben, es handelte sich also um abgegrenzte Hofanlage. Ausgegraben hat man rund 1500 keramische Scherben, die nun noch genauer untersucht werden müssen. Zu den interessantesten Entdeckungen gehörten die Reste von zwei kleinen Keramik-Köpfen, die wohl als Ornament ein Terrakotta-Gefäß verzierten.
Die Archäologen fanden auch Körpergräber. „Leider waren die Knochen kaum noch erhalten“, so Claudia Neutzer. In der vergangenen Woche, kurz vor Toresschluss, entdeckte man dann auf einer 10 mal 20 Meter großen Fläche die Reste von Brandgräbern. Man fand sechs Begräbnisstätten und mehrere Urnen, deren Inhalt noch nicht untersucht wurde. Ein Sandsteinblock mit der Darstellung Jupiters und ein Brunnentrichter lagen ebenfalls im Erdreich. Wie Corinna Relles erklärte, sollen die Fundstücke künftig im Euskirchener Stadtmuseum präsentiert werden.
Landwirtschaftliche Gutsbetriebe bildeten in römischer Zeit das Grundgerüst der Infrastruktur, auch in der Provinz Niedergermanien. Die Einzelhöfe waren meist zwischen 50 und 110 Hektar groß. Die Gutsherren unterhielten auch einträgliche Werkstätten, in denen Güter für den täglichen Bedarf hergestellt wurden. Damit wurde die Versorgung der Truppen in den Militärlagern sichergestellt, die Güter wurden aber auch an die Zivilbevölkerung veräußert. Was in der Euskirchener „Villa Rustica“ hergestellt wurde, muss noch genauer untersucht werden.
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