Von Bernhard Bartsch, 08.09.09, 17:40h, aktualisiert 08.09.09, 17:40h
Doch aufgrund der Querelen im Fall Dai wird es wohl nicht der Ton sein, den Peking sich wünscht. „Unsere Regierung hat erklärt, die Buchmesse solle ein kulturelles Olympia werden“, sagte Dai gestern dieser Zeitung. Wie im Fall von Olympia wolle Peking dabei ein perfekt inszeniertes Selbstbild in die Welt tragen. „Im Oktober gibt China 50 Millionen Yuan (5 Millionen Euro) aus, um 100 ausgewählte Autoren nach Deutschland zu fliegen, aber wer wie ich unangenehme Wahrheiten sagen könnte, wird mit aller Macht an der Ausreise gehindert“, erklärte die 68-Jährige, die über zehn Bücher verfasst hat und seit den 80ern als eine der führenden chinesischen Investigativjournalistinnen und Umweltaktivistinnen gilt.
Da man in Peking um Chinas schlechtes Image in Sachen Meinungs- und Pressefreiheit weiß, hatten die chinesischen Gastlandorganisatoren mit der Konferenz eigentlich ihre Offenheit demonstrieren wollen. „Dieses Symposium gehört zu den Traditionen der Frankfurter Buchmesse, und nach sehr langer Bedenkzeit haben sich die Chinesen bereit erklärt, als Mitveranstalter aufzutreten“, sagt Peter Ripken, der die Veranstaltung koordiniert. Unter der Bedingung, auch eigene Redner benennen zu dürfen, habe Peking nicht nur kritische Referenten wie den Kulturwissenschaftler Wang Hui zugelassen, sondern auch das deutsche Pen-Zentrum als Mitorganisator akzeptiert. Dabei erkennen die Kommunisten den Pen im eigenen Land nicht an und ließen den Präsidenten des inoffiziellen chinesischen Pen, Liu Xiaobo, Ende 2008 verhaften, weil er mit anderen das Demokratiemanifest „Charta '08“ verfasst hatte.
Mit der Teilnahme von Dai Qing scheint Pekings Toleranz jedoch überstrapaziert. Bei der Buchmesse heißt es, das chinesische Gastland-Komitee habe mehrfach mündlich gedroht, die Veranstaltung platzen zu lassen, falls Dai dort sprechen werde. Das Komitee ignorierte gestern eine diesbezügliche Anfrage dieser Zeitung. Trotzdem schickte die Buchmesse Dai die für den Visumsantrag benötigte Einladung. Aufgrund einer „internen Kommunikationspanne“, wie es in Frankfurt betreten heißt, landete die Einladung allerdings bei Gapp, wo man sich weigerte, sie an Dai weiterzuleiten.
„Am Montagvormittag hat mir ein Gapp-Beamter namens Jiang Chuan am Telefon bestätigt, dass die Einladung eingegangen sei“, erzählt Dai. Da Jiang offenbar nicht wusste, dass die Autorin auf Pekings schwarzer Liste steht, versprach er, die Dokumente zu schicken. Als Dai das Schreiben wenige Stunden später persönlich abholen wollte, erklärte Jiang per SMS: „Ich habe den Auftrag, das Material zurückzusenden, es wird übermorgen in Deutschland ankommen.“ Als diese Zeitung Jiang gestern telefonisch erreichte, legte er mit dem Kommentar „Falsche Nummer“ auf.
„Wenn meine Reise jetzt daran scheitert, dass die Zeit für den Visumsantrag nicht mehr ausreicht, hat die Regierung ihr Ziel erreicht“, sagt Dai, deren Flug für Freitag gebucht ist. Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass die deutsche Botschaft in Peking ein Expressvisum ermöglicht. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Buchmesse dem Protest der Chinesen zum Trotz alle Hebel in Bewegung setzt, Dais Anwesenheit zu ermöglichen.
Wann lernen die Chinesen endlich...
09.09.2009 | 14.40 Uhr | Bendix
...dass Sie nur dann eine starke und im Westen angesehene Nation werden, wenn Sie Kritik und offenen Diskurs zulassen?
Meine Meinung:
08.09.2009 | 18.33 Uhr | A-Jay
Frau Dai notfalls auch ohne Visum ins Land lassen und ihr die Möglichkeit zur Rede geben.
Den Chinesen, denen das nicht passt, mitteilen, dass man…
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
Anzeige

Frankfurter Rundschau
Kinder- und Jugendfußball: Voller BrisanzJürgen Klopp in Mainz: Rendezvous mit der alten Liebe

EXPRESS
Wett-Skandal - Wirbel um Ex-Kölner CichonStaatsanwältin fordert Haftstrafe - Muss Amokmädchen Tanja O. sechs Jahre in den Knast?

Spiegel Online
Umstrittene Teewurst-Kündigung: Pflegehelferin verliert ihren Job doch nichtNach 14 Monaten Reparatur: Weltgrößter Teilchenbeschleuniger läuft wieder