Erstellt 11.09.09, 17:55h
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Lonnes, Sie übernehmen die Damen von Rot-Weiß nicht gerade auf dem Höhepunkt ihrer Erfolgsgeschichte. Warum tun Sie es trotzdem?
MARKUS LONNES: Zum einen war ich in Neuss fertig, ich habe etwas Neues gesucht. Zum anderen hat mir Rot-Weiß das Konzept hier sehr schmackhaft gemacht. Es geht darum, etwas Neues aufzubauen. Das ist ein Klub, mit dem man richtig was erreichen kann. Es ist ja auch viel interessanter, mit einer jungen, hungrigen Mannschaft etwas aufzubauen, als etwas Erfolgreiches zu übernehmen.
Also sehen Sie es sogar als Vorteil, dass die Kölnerinnen zuletzt nicht in Meisterschaftsform waren?
LONNES: Was heißt Meisterschaftsform? Die Kölnerinnen waren nach der Hauptrunde punktgleich mit dem späteren deutschen Meister. Sie haben die Endrunde nur knapp verpasst. Sicherlich hatte Rot-Weiß auch bessere Zeiten. Es kann ein Vorteil für mich sein, dass die Mannschaft jetzt umso hungriger ist.
Welchen Eindruck haben Sie nach den ersten Trainingswochen von der Mannschaft gewonnen?
LONNES: Wir haben uns relativ neu gefunden. Wir haben einige Neuzugänge, dafür aber einige Big Points verloren. Im Moment ist das eine Mannschaft, die unheimlich willig ist und heiß darauf, erstens Erfolg zu haben und zweitens, sich auch weiterzuentwickeln.
Trauern Sie den „Big Points“, also Nationalspielerinnen wie Maike Stöckel, Eileen Hoffmann oder Yvonne Frank nach?
LONNES: Das sind sehr gute Spielerinnen, aber sie sind nicht da. Es gibt viele gute Spielerinnen in Deutschland, die auch alle nicht hier sind. Das bringt ja nichts. Dafür haben wir sehr gute junge Spielerinnen dazu bekommen, die - vielleicht nicht direkt, aber über kurz oder lang - diese Positionen ausfüllen werden. Wir wollen etwas aufbauen, das über Jahre geht.
Es heißt, Sie hätten einiges verändert. Was genau ist das?
LONNES: Köln stand in den letzten Jahren dafür, viele gute Individualisten zu haben. Maike Stöckel und so weiter. Diese Leute sind nicht mehr da, deshalb wollen wir jetzt mehr ein mannschaftlich geschlossenes Hockey spielen. Das Kollektiv muss mehr herauskommen. Das wird dauern, aber wir sind auf einem sehr guten Weg.
Am Samstag geht es los mit einem Auswärtsspiel gegen Nürnberg. Was für eine Partie erwarten Sie?
LONNES: Das wird spannend. Nürnberg kennen wir nicht, das ist der Aufsteiger. Man weiß noch nicht so 100 Prozent, wo man steht. Aber wir werden gucken, dass wir drei Punkte holen, das ist klar das Ziel.
Bei Rot-Weiß stand zuletzt immer das Damenteam mit seinen vielen Nationalspielerinnen im Mittelpunkt. Jetzt sind es die Herren mit ihren acht Olympiasiegern. Kann ein Verein überhaupt zwei absolute Topteams haben?
LONNES: Das sieht man ja, es sind doch noch zwei Spitzenteams da.
Aber zwei Spitzen-Spitzen-Teams?
LONNES: Das ist möglich. Der UHC Hamburg wurde mit den Herren deutscher Vizemeister und mit den Damen Meister. Hier in Köln haben die Herren definitiv ein Spitzenteam, und wir wollen da wieder hin.
Sie sehen es also nicht als Problem, dass die Männer in Köln den Frauen die Show stehlen könnten?
LONNES: Nein. Es ist immer so, dass Herren im Verein ein bisschen wei ter oben angesiedelt sind als die Da men. Das liegt an unserer Gesell schaft. Aber hier bei Rot-Weiß wird richtig gut gearbeitet für die Mädels. Was kann dieses Team erreichen?
LONNES: Die Liga ist so eng wie noch nie. Es gibt keinen Topfavoriten. Keine Mannschaft ist so herausragend wie in den letzten Jahren Köln oder Berlin. Unser Ziel sind die Playoffs, da wollen wir rein. Und wenn man dann einmal im Halbfinale ist, kann es klappen oder auch nicht. Ich denke, wir werden die Hinrunde brauchen, um uns zu finden. Es ist alles etwas ganz anderes, anderer Trainer, andere Mannschaft, keiner weiß bislang so genau, wie der andere reagiert, wenn es hart auf hart kommt.
Was für ein Typ Trainer sind Sie?
LONNES: Ich kann auch sehr laut werden, aber am Ende ist es die Mischung, denke ich. Ich bin kein Weichspültyp, aber auch kein totaler Diktator, der die Mädels von rechts nach links scheucht.
Das Gespräch führte
Susanne Rohlfing
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