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Fremdenfeindlichkeit in Bahnstation

„Ich hatte wirklich Angst“

Von Kirsten Boldt, 14.09.09, 18:40h, aktualisiert 14.09.09, 20:22h

U-Bahn Köln
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Mitten im Alltag plötzlich von anderen Menschen bedroht zu werden, ist für viele ein Alptraum. (Symbolbild: Risse)
U-Bahn Köln
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Mitten im Alltag plötzlich von anderen Menschen bedroht zu werden, ist für viele ein Alptraum. (Symbolbild: Risse)
Köln - Mitten im Alltag plötzlich von anderen Menschen bedroht zu werden, das ist für viele ein Alptraum. Ein solches erschreckendes Erlebnis hatte Taro Yamada (der wirkliche Name ist der Redaktion bekannt) vor drei Wochen. Bis dahin hatte der Japaner, der seit 35 Jahren in Köln lebt, keinerlei fremdenfeindliches Gebaren ihm gegenüber erlebt. Das änderte sich, als er auf dem Weg in die Philharmonie in einer Kalker U-Bahn-Station auf die Bahn wartete und ein junger Mann die Treppe herunterkam.

„In dem Moment, als er mich sah, sind bei ihm schon die Sicherungen rausgeflogen“, schildert Yamada die Situation. „Es kam direkt auf mich zu, spuckte mir vor die Füße und brüllte: Ihr Chinesen macht uns tot. Ihr Mörder. Ihr unterdrückt uns Moslems. Er hörte nicht auf zu schreien. Ich habe ihm ganz ruhig und direkt in die Augen geguckt, um ihm zu zeigen, das ich keine Angst habe.“ Gesagt habe er kein Wort.

Dann kam die Bahn. Beide stiegen ein. „Ich bin in der Nähe der Tür stehen geblieben. Der Mann hat mich immer weiter angebrüllt: Ihr seid Mörder. Allerdings mit mehr Abstand zu mir. Ich habe kein Wort gesagt, weil ich ihn nicht provozieren wollte. Der war schließlich ziemlich muskulös, also stärker als ich, und außerdem völlig von der Rolle. Glücklicherweise stieg er nur eine Haltestelle weiter wieder aus. Noch beim Rausgehen schimpfte er in meine Richtung.“

Alle Leute in der Bahn hätten geguckt, keiner habe etwas gesagt. „Ich hatte wirklich Angst, der Mann war unberechenbar. Ich glaube, die Leute hatten auch Angst. Erst Stunden später habe ich gedacht, es wäre gut gewesen, wenn ich direkt danach andere als Zeugen gebeten hätte. Mir war auch nicht mehr bewusst, dass es ja Überwachungskameras in den Bahnen gibt, und dass man die KVB sofort um den Film bitten sollte, um ein solches Verhalten aktenkundig zu machen. Ich habe lange überlegt, was ich denn falsch gemacht habe. Es war im Grunde nur mein asiatisches Aussehen, das als Auslöser bei ihm wirkte. Ich glaube, ich habe noch einmal Glück gehabt, dass der Mann nicht gewalttätig geworden ist. Aber was ist, wenn er wieder auf einen asiatisch aussehenden Menschen trifft, auf Kinder?“ Yamada vermutet, dass der Mann Uigure ist. Die muslimische Uiguren-Volk erlebt derzeit massive Verfolgungen durch Han-Chinesen.

An die KVB hat Yamada einen Wunsch: „Es wäre gut, wenn überall in den U-Bahn-Stationen, in Bussen und Bahnen ein Plakat hängen würde mit knappen Anweisungen, wie man sich als Zeuge und als Beteiligter in bedrohlichen Situationen verhält. Wenn man das immer wieder liest, dann ist das in einer Gefahrensituation präsent.“



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