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Kölner Brauerei

Generationswechsel in der Malzmühle

Von Willi Feldgen, 18.09.09, 00:32h, aktualisiert 18.09.09, 08:25h

Die „Brauerei zur Malzmühle“ am Heumarkt will mit einem neuen Markenauftritt Boden gutmachen. Mit Kostensenkungen, Kurzarbeit und Investitionen ins Sudhaus wurde die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft.

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Michael Rosenbaum, Geschäftsführer der Malzmühle (l.), Braumeister Hans Joachim Nickel und die künftige geschäftsführende Gesellschafterin Melanie Schnell mit dem neuen Mühlen-Kölsch-Six-Pack. (Bild: Schwarz)
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Michael Rosenbaum, Geschäftsführer der Malzmühle (l.), Braumeister Hans Joachim Nickel und die künftige geschäftsführende Gesellschafterin Melanie Schnell mit dem neuen Mühlen-Kölsch-Six-Pack. (Bild: Schwarz)
KÖLN - Mit einem neuen Markenauftritt will die „Brauerei zur Malzmühle“ am Heumarkt in Köln Boden gutmachen. Von 2007 auf 2008 hatte die mit 151 Jahren älteste Kölsch-Brauerei einen Absatzrückgang von 44 000 auf 37 000 Hektoliter erlitten und war in die roten Zahlen gerutscht. Am gesamten Kölsch-Markt hält „Mühlen Kölsch“ einen Anteil von unter zwei Prozent. Die Familie Schwartz, der die Brauerei in vierter und fünfter Generation gehört, hatte daraufhin Anfang dieses Jahres mit Michael Rosenbaum einen externen Geschäftsführer zur Sanierung und Restrukturierung des Unternehmens eingestellt.

Dessen Analyse fiel wenig erbaulich aus: „Die Marke wurde nicht ausreichend gepflegt, der Vertrieb wurde vernachlässigt, und die Kosten wurden nicht an die verringerten Absatzmengen angepasst. Die Marke hat sich einfach zu lange auf ihrem guten Ruf ausgeruht.“ Rosenbaum steuerte dagegen: Für 13 der 26 Brauerei-Mitarbeiter wurde vor vier Monaten Kurzarbeit angemeldet, gleichzeitig wurde „mit einer erheblichen Investition“ das Sudhaus modernisiert und damit der Energieverbrauch um 40 bis 50 Prozent und der CO-Ausstoß um 70 Prozent gesenkt.

Im laufenden Jahr will Rosenbaum den Mühlen-Kölsch-Absatz auf dem Niveau des Vorjahres halten (bei einem insgesamt schrumpfenden Kölsch-Markt). In den beiden kommenden Jahren soll dann - mit einer durch natürliche Fluktuation verkleinerten Mannschaft - wieder das Niveau von 2007 erreicht werden. Mittelfristig strebt er 45 000 bis 50 000 Hektoliter pro Jahr an. Zum Vergleich: Reissdorf, Gaffel und Früh, die drei Marktführer in Köln, verkaufen jeweils mindestens zehnmal so viel Kölsch. Dafür ist Mühlen-Kölsch mit einem Preis von etwa 15 Euro pro Kasten das teuerste Kölsch überhaupt.

An der jahrzehntealten relativ plumpen 0,5-Liter-Euro-Flasche („Bauarbeiter-Flasche“) statt der inzwischen üblichen Langhals-Flasche hält die Malzmühle nach längeren internen Diskussionen fest. Die Neuanschaffung des erforderlichen Leerguts kostet die Brauerei zwar jedes Jahr einen fünfstelligen Euro-Betrag (weil die Flaschen etwa doppelt so teuer sind wie das Pfand von acht Cent), aber man will das Alleinstellungsmerkmal nutzen. Künftig erhalten die Flaschen allerdings - wie früher schon einmal - ein zusätzliches Hals-Etikett. Das Marken-Logo wird geändert: Die Schrift wird etwas schlanker, und das Logo wird in einen individuellen dreieckigen Rahmen gestellt. Nahezu untergegangen sei die Einführung einer neuen Clubflasche mit 0,33 Litern Inhalt, kritisiert Rosenbaum: „Die ist vor drei Jahren eingeführt worden und trotzdem kennt sie in Köln kein Mensch.“ Hierfür wird nun ein neues offenes Sixpack eingeführt, das die ungewöhnliche Form der Flasche deutlicher als bisher herausstellt.

Um den Absatz anzukurbeln, soll „Mühlen-Kölsch“ künftig stärker im Getränkefachgroßhandel und im höherwertigen Lebensmitteleinzelhandel (etwa bei Rewe und Edeka) vertreten sein. Außerdem soll der Vertrieb in der Gastronomie ausgebaut werden - bisher wird die Marke in 150 Gaststätten im Großraum Köln ausgeschenkt. In den vergangenen vier Monaten seien bereits zehn Gaststätten dazugekommen, sagt Rosenbaum - verloren habe man als Absatzstätte allerdings den „Em goldene Kappes“ in Nippes - ein wichtiges Standbein.

Als Interims-Geschäftsführer eingestellt

Rosenbaum ist von Josef Schwartz, der sich inzwischen aus Gesundheitsgründen von der Unternehmensführung zurückgezogen hat, als Interims-Geschäftsführer eingestellt worden. Übernehmen wird das Unternehmen in einigen Jahren die fünfte Generation: Das sind die beiden Töchter Melanie Schnell (26) und Jennifer Schwartz (24). Beide studieren derzeit Betriebswirtschaft, Melanie plant ihren Abschluss für 2010 und will dann in der Brauerei die Bereiche Finanzen und Controlling übernehmen, während Jennifer sich auf Marketing und Vertrieb konzentrieren wird. Beide arbeiten auch jetzt schon im Unternehmen mit. Rosenbaum will die Verantwortung für die Malzmühle nach und nach auf die beiden dann geschäftsführenden Gesellschafterinnen übertragen und sich schrittweise wieder aus der Geschäftsführung zurückziehen. Dieser Prozess werde aber voraussichtlich noch einige Jahre dauern, sagt er.



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