Schriftgröße

Wanderroute 281

Tippeltour durch das Urfttal

Von Peter Squentz, 21.09.09, 16:44h, aktualisiert 07.05.10, 08:21h

Ingenieurskunst trifft Natur: Die Strecke der Tippeltour 281 führt von Vogelsang aus über den Eifelsteig. Nur selten liegen architektonisch imposante Werke und eindrucksvolle Natur so dicht beieinander.

Tippeltour 281
Bild vergrößern
Die Ufttalsperre (Bild: Squentz)
Tippeltour 281
Bild verkleinern
Die Ufttalsperre (Bild: Squentz)
Tippeltour 281
Bild verkleinern
Die neue Urftseebrücke (Bild: Squentz)
Tippeltour 281
Bild verkleinern
Die Strecke von Tippeltour 281 (Grafik: ksta)
Tippeltour 281
Tippeltour 281
Die bundesdeutsche Sondermarke „Nationalpark Eifel“, aufgelegt am 4. Juni 2009, 220 Cent, nur echt mit Grün und Ginster, schmückt sich am Rand mit emblematischem Getier, vom Rothirsch bis zum Schwarzstorch. Was nebenan der Mensch hervorgebracht hat, sieht allenfalls der zweite Blick: Wegepflöcke und das Blau der Urfttalsperre, seit 1905 ein See von Menschenhand, doch so nicht zu erkennen. Nichts als Natur: So liebt man seine Eifel!

Dabei war Professor Intzes Staumauer von 1904 einmal stolzes Vorbild für manches Bauwerk in der Welt: ein filigraner Bogen aus 185 000 Kubikmetern hiesigen Steins, 226 Meter lang, 5,50 Meter breit auf der Krone, der sich mit einem Radius von 200 Metern der Natur entgegenstemmt. Noch filigraner ist die neue Fuß- und Radwegbrücke über das obere Ende des Sees. Schlank wie der Rücken eines Sensenblatts, und genauso blank, spannt sie sich übers Wasser, 124 Meter lang, 2,50 Meter breit - bei Niedrigwasser 24 Meter hoch! Wie damals Intzes Sperrmauern und Wassertürme ist die neue Urftseebrücke heute eine Pionierleistung der Ingenieursbaukunst. Und hätte eine Briefmarke verdient!

Natur pur um die Sperrmauer

Doch weil sie im Nationalpark liegt, ist sie kaum weniger umstritten als einst die Bambuskonstruktion am River Kwai. Und das auch, weil sie nicht aus Holz ist. Keinen Kilometer Vogelflug entfernt von den denkmalgeschützten Scheußlichkeiten der ehemaligen NS-„Ordensburg“ Vogelsang, deren 50 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche den Bergrücken entstellen, steht die Aluminiumbrücke im Tal. Wie der heilige Sebastian vereinigt sie die Pfeile vieler Gegner, vom Hüter der Mauereidechse bis zum Gralshüter der Holzbauweise. Da bietet es sich an, doch einmal nachzuschauen, was es mit der Brücke auf sich hat. Und weil man schon mal dort ist, führt uns der Weg auch über Intzes Mauer. Schließlich will man auch zurück. Dazu noch Wollseifen und Vogelsang, geschichtsgetränkter Boden. Doch ansonsten: Nichts als Natur. Wie auf der Sondermarke.

Von der Architektur der „Ordensburg“ mit „Adlerhof“ und „Wandelhalle“ steigen wir am „Bergfried“, der ja eigentlich ein Wasserturm war, auf der Ostflanke des Bergs hinab („Hang-Rundgang“), und passieren auf dem alten „Sonnwendplatz“ das Nazi-Denkmal „Fackelträger“.

Auf dem Beton der Panzerpiste geht es weiter abwärts, am Fußballplatz vorbei und am wiederhergestellten Schwimmbad. Dann schwenkt der Weg nach rechts, um dem Gefälle auszuweichen, und bringt uns durch eine doppelte Kehre an die Brücke heran und hinüber. Seit ihrer Planung war die Brücke umstritten. Es ging um die Störung der Natur, und es ging um das Material: Die Naturschutzstiftung BUND wünschte Holz im Buchenwald. Am Fuß der Nazi-Hochburg von einst hat das Argument mit dem sozusagen „artfremden“ Material schon ein „Gschmäckle“, wie der Schwabe sagt. Doch den Ausschlag gab, dass Holz in schöner Regelmäßigkeit mit Schutzmitteln gestrichen werden müsse, die dann ins Wasser kämen. Die Variante mit einer überdachten Holzbrücke hätte mit ihrer baulichen Wucht die Flugrouten der Vögel gestört. So blieb die blinkende minimalistische Lösung mit zwei Spann- und zwei Tragseilen aus Stahl und einem Pfeiler (am Ufer!), gewissermaßen der mathematische Entwurf der Brücke in Stahl und Aluminium, die Bauskizze im Maßstab eins zu eins. Die Gegner wird auch das nicht überzeugen. Ihnen wäre es dann doch lieber gewesen, es wäre gar keine Brücke gebaut worden.

Wir passieren den einsamen Pylon, 20 Meter hoch, um 19,3 Winkelgrad zum Berg gelehnt, der auf einer Kugel von der Größe eines Kinderballs die ganze Spannung balanciert, und wenden uns nach links. Es geht vorbei am Zufluss des Amselbachs bei einem großen Felsaufschluss: „Urftstaumauer 4,8 km“ lesen wir auf einem Hinweisschild. In der Wand sind die Spuren der variskischen Faltung gut zu erkennen. Vereinzelt sieht man in den Felsenflächen dünne Haken, die Erdbewegungen verraten: Wie die Talsperre liegt auch der devonische Tonschiefermantel im Urfttal in einer erdbebenträchtigen Region, und was 400 Millionen Jahre lang gehalten hat, kann doch einmal reißen. Steinschlagnetze wie im Hochgebirge schützen uns zur Wand hin. Und so haben wir die Muße, die blauen und roten mineralischen Verfärbungen zu bewundern.

Eifelsteig nach Wollseifen

Wir wandern an der Insel Krummenauel vorüber und sehen vor dem flachen Ufer Kormorane und Haubentaucher. Bald fällt der Blick zurück, hinauf zur Naziburg und fern zur neuen Brücke. Irgendwann passieren wir den Zulauf des Hohenbachs. Gut einen halben Kilometer später wechseln wir auf einer Landzunge wieder entscheidend die Richtung; dann sehen wir, noch fern und überm Wasser, die Staumauer des Urftsees.

Zuletzt passieren wir das Türmchen für den Druckstollen, romantisch mittelalterliche Industriearchitektur mit Kragsteinen für die High-Tech-Ausstattung des frühen 20. Jahrhunderts: War der Schieber, der nun wie der Schild eines Riesen hier steht, geöffnet, dann schoss das Wasser durch einen Stollen von 2800 Metern Länge hinab zum Jugendstilkraftwerk von Heimbach und erzeugte in acht Turbinen durchschnittlich 12 000 Kilowatt.

Durch ein grünes Gittertor erreichen wir die Zufahrtstrecke für die Urftstaumauer, schwenken links und wandern nun den letzten Kilometer auf Intzes Wunderwerk zu. Am ersten März 1905 war der erste Vollstau erreicht - und wie brausender Beifall schoss das Wasser am Überlauf zu Tal. Die Besucherterrasse des Ausflugslokals an der Mauer ist gut besucht. Jeder, der hier unterwegs ist, ob zu Fuß, ob mit dem Rad, hält für eine Pause an, studiert die Hinweistafeln, tätschelt die alten Flachkeilschieber, die man aufgestellt hat, oder staunt, dass die Talsperre auch auf ihrer trockenen Seite im Wasser steht: Das ist so seit dem Bau der Rurtalsperre unterhalb.

Wir wandern über den Überlauf und die Mauer, schauen von zwei Aussichtskanzeln noch einmal zurück. Jetzt heißt es Steigen: Von 324 Metern auf der Mauer bis Wollseifen, 504! Durch ein Tor im Zaun erreichen wir den Willibrodusweg des Eifelvereins („5“, Keil) und folgen ihm den Felsensteig ein kurzes Stück hinab. Dann geht es mit dem breiten Weg die Böschung links hinauf („Wollseifen 2,8 km“), hier nun bis zum Ende mit dem Eifelsteig (und Weg „5“). Nach einer Doppelkehre folgt noch einmal eine Aussichtskanzel. Wir nehmen Abschied vom See und steigen mit dem Eifelsteig hinan.

Auf der Höhe schwenkt der Weg halblinks („Wollseifen 2,1 km“), es geht über einen flachen Buckel hinweg und dann im rechten Winkel rechts („1,9 km“). Jetzt steigt der Weg noch moderat. Aus dem Waldland geht es auf die freie Hochfläche. Bald schauen wir über die Spitzen des Ginsters zurück bis auf Simmerath und seinen Windpark und vorwärts bis nach Vogelsang. Auf der Höhe, 2,9 km von der Staumauer entfernt, gehen wir halblinks. So erreichen wir die Wüstung Wollseifen in der fatalen Nachbarschaft von Vogelsang: Erst verdienten die Bauern am Bau und an Beherbergung, am Ende verloren sie alles und mussten ihr Dorf als Zielscheibe zurücklassen, weil hier der Truppenübungsplatz entstand.

An Ruinen vorbei zum Ziel

Wir kommen mit dem Eifelsteig an der Ruine von St. Rochus vorüber. Ihr gegenüber, mit der Nummer 32, steht noch das alte Trafohäuschen. Die betonierte Piste rechts war einst die „Schuel-Jass“. Auch die alte Schule ist, zumindest als Ruine, noch erhalten. Dann bringt uns der Eifelsteig halblinks in die „Zöleper Jass“ („Vogelsang 2,8 km“). Es geht hinab, vorüber an den Bauruinen des Dorfes Vogelsang, über den Neffgesbach hinweg und so zuletzt an Vogelsang heran: „Vogelsang (Nord) 423 m“. Links führte uns der Weg noch einmal nach Vogelsang. Wir folgen rechts dem Eifelsteig für einen letzten Kilometer: Nach rund 400 Metern, am Punkt „Vogelsang (West), 461 m“, verlassen wir die Panzerpiste und wandern mit dem schwarzen Keil in Richtung „Modelhübel 2,8 km“.

Noch einmal kommen wir vorbei an einer Sitzgruppe mit dem Blick auf Wollseifen. Dann schwenkt der Pfad halblinks und vollends auf die Höhe. Hier verlassen wir den Eifelsteig, gehen geradeaus und auf die Häuser zu und links zurück zum Ausgangspunkt.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Ausflugstipps


WAS.WANN.WO.


Das Magazin auf Facebook

Das Magazin auf Facebook

Extra


Serie


Mode und Design



Kolumne


Kolumne


Aktion


ksta-blogs.de


Dienste



Die 5 beliebtesten Pausenspiele

Mahjongg Fortuna
Zuma
Zuma »
1507 Spieler
Bookworm
Bookworm »
1263 Spieler
Bubble Shooter
Bubble Shooter »
1034 Spieler
Bejeweled 2
Bejeweled 2 »
956 Spieler

Stadtmenschen Community