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Startschuss

Möbel aus Stahl für Literatur und Kunst

Von Susanne Hengesbach, 21.09.09, 17:35h, aktualisiert 21.09.09, 17:40h

In Bayenthal wird nach langen Diskussionen ein für alle zugänglicher Bücherschrank aufgestellt. Dabei geht es nicht nur darum Lesestoff auszutauschen. Das Möbeltstück soll auch Menschen ins Gespräch bringen und Platz für Kunst bieten.

Kölner Stadtmöbel
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So sieht das Kölner Stadtmöbel „Bokx“ im Modell aus. Es besteht aus massivem, haltbaren Cor-Ten-Stahl und hat seitlich eine Vitrine, die mit Veedelskunst bestückt werden könnte.
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So sieht das Kölner Stadtmöbel „Bokx“ im Modell aus. Es besteht aus massivem, haltbaren Cor-Ten-Stahl und hat seitlich eine Vitrine, die mit Veedelskunst bestückt werden könnte.
Rodenkirchen - Für ein „Ende gut - alles gut“ ist es noch zu früh, aber zumindest wird heute ein Anfang gemacht: Auf dem Gelände des ehemaligen Allianz-Wohnparks in Bayenthal, wo das neue „Goltsteinforum“ entsteht, wird im März ein allgemein zugänglicher Bücherschrank aufgestellt. Das gab die Bürgerstiftung beim Richtfest des Forums bekannt. Das von dem Kölner Architekten Hans-Jürgen Greve hergestellte Stahlmöbelstück wird in einem Café etabliert, in dem künftig auch Kulturveranstaltungen stattfinden sollen.

Nicht nur Greve schöpft aus dieser Entscheidung neue Hoffnung, was die Realisierung seines Wunschprojekts „Bokx“ betrifft. Auch zahlreiche Leser, die in den vergangenen 14 Tagen mannigfaltig ihren Unmut oder ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht haben, dass ein solches Stadtmöbel angeblich nicht mit dem Masterplan zu vereinbaren sei, wird die Nachricht freuen. Und schlussendlich freut sich Ulrich Soenius, dem es als Mitinitiator des Masterplans natürlich nicht gefällt, wenn der Entwurf „in Verruf gerät“. Der Masterplan mahne zu einer gewissen Vorsicht, erläutert Soenius. „Aber ein Verbot lese ich daraus nicht“, ergänzt er und sagt damit praktisch das Gegenteil dessen, was Greve seitens des Planungsamtes respektive Gestaltungsbeirats zu hören bekam.

Die Haltung „geht nicht“ ist in Soenius' Augen „ohnehin eine schlechte Haltung“. Er selber könne sich ein solches Möbel beispielsweise am Rathenau- oder Sudermannplatz, vor der Kirche St. Severin oder am Eigelstein „durchaus vorstellen“ und würde dieses „sogar als Aufwertung“ empfinden. Sein Vorschlag für eine „rheinischen Lösung“, sprich: an zwei Stellen mal einen Schrank probeweise für ein Jahr aufzustellen, wurde Greve bisher indes von städtischer Seite verwehrt. Dabei kann er darauf verweisen, dass sich das Bonner Bücherschrank-Modell längst zu einer Erfolgsstory entwickelt hat und nun auch Städte wie Frankfurt und Duisburg den „Bokx“-Gedanken aufgreifen.

Der Einfall dazu stammt im Übrigen gar nicht von Greve, sondern der Mainzer Architekturstudentin Trixy Royek, die 2003 im Rahmen eines von der Bürgerstiftung Bonn ausgeschriebenen Ideenwettbewerbs einen frei zugänglichen Bücherschrank vorschlug, der auch realisiert wurde. Erst als er sah, dass die Konzeption des Erstlings auf der Poppelsdorfer Allee nicht wasserfest war, erwachte in Greve die Tüftler-Leidenschaft. Mittlerweile stehen fünf dieser massiven Möbel aus haltbaren Cor-Ten-Stahl in der ehemaligen Bundeshauptstadt. Mit dem „Kölner Modell“, das sich optisch vom Bonner darin unterscheidet, dass es seitlich eine Vitrine für Kunst vorsieht, könnte man nach Vorstellung Greves zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Bücheraustausch in Kombination mit Veedelskunst.

Dabei geht bei der Etablierung eines solchen Möbels gar nicht nur darum, Lesestoff auszutauschen. Es ist überdies geeignet, Menschen ins Gespräch zu bringen, die sonst nie miteinander kommunizieren würden. „Es kommt es zu einer echten Aufwertung von Plätzen“, hat Trixy Royek beobachtet und zudem ein reges Engagement seitens der Schrankpaten festgestellt.

Gleichwohl schien es bisher so, als sei man in Köln an einer Aufwertung von Plätzen nicht interessiert, obwohl der Architekt Greve nach Analyse des Stadtgebiets 25 Standorte als gut geeignet herausgehoben hat. Ein solches Möbelstück auf unzugänglichem Privatgelände aufzustellen, „schlimmstenfalls neben dem Abfallcontainer eines Discounters“, macht ja wenig Sinn. Nachdem die Bürgerstiftung dem Projekt in Bayenthal ihren Segen gegeben und die finanziellen Mittel bereitgestellt hat, hoffen die Verfechter der Idee „Bokx“, dass weitere Beispiele folgen.



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