Ein typisches Big-Food-Schnitzel: für Pommes bleibt auf dem Teller kein Platz. (Bild: Jüngling)
Ein typisches Big-Food-Schnitzel: für Pommes bleibt auf dem Teller kein Platz. (Bild: Jüngling)
Was ist nicht schon alles aus Amerika zu uns rübergeschwappt! Der Hamburger, das Late-Night-Shopping, die iPhones und viele andere Dinge, die die Welt nicht braucht. Das gilt auch für eine neue Errungenschaft: „Big-Food-Restaurants“! Immer mehr dieser Fresstempel öffnen nun auch bei uns ihre Pforten. Und was neu ist, wird probiert. Also reservierten wir einen Tisch und machten uns zu mehreren Jungs - darunter auch echte Schwergewichte - auf ins XXL-Restaurant. Beim Eintreten in die Welt der großen Portionen war gleich zu erkennen, dass diese Sache eine echte Männerdomäne ist: Eine Junggesellenabschiedsclique neben der anderen und auch sonst nur Männer im Speisesaal, bis auf die Bedienung natürlich. Bei der Getränkeauswahl stockte uns dann der Atem: Unter 0,5 Liter ging gar nichts; das größte Glas - ein FC-Aufstiegskrug - fasste drei Liter. Doch die wahre Herausforderung war die Wahl des Essens. Ich bestellte vernünftigerweise eines der kleinsten verfügbaren Zwiebelschnitzel - Fleischeinwaage „nur“ 600 Gramm! Unsere wahren Schnitzelkönige nahmen natürlich den 1,2-Kilo-Lappen. Nach knapp 15 Minuten wurde serviert; die Völlerei konnte beginnen. Dabei war ich eigentlich allein vom Anblick schon fast satt. Am Ende gab ich mich nach etwa drei Vierteln der Masse geschlagen. Auch unsere Spezialisten wurden immer stiller. Kaum einer schaffte mehr als die halbe Portion, und am Ende fühlten wir uns alle wie fette, aufgedunsene Fleischklopse. Dann fragte die Kellnerin auch noch, ob wir die Reste eingepackt haben möchten. Nein, danke!!!
Abends im Bett konnte ich nicht einschlafen - erstens, weil mir das Futter wie Blei im Magen lag, zweitens, weil ich ins Grübeln kam: Ich will jetzt nicht mit den armen Kindern in Indien anfangen, aber ein bisschen pervers sind diese Läden schon. Just for Fun wird bis weit über die Sättigungsgrenze hinaus gemampft, und trotzdem kriegt kaum einer den Teller leer. Ich will nicht wissen, wie viele Kilo Fleisch in solchen Lokalen an einem einzigen Tag in die Tonne wandern. Und während die einen sich vollstopfen, stehen andere bei der „Tafel“ in der Schlange. Dumm, dass ich da nicht vorher drauf gekommen bin. So hat der alte Brecht mal wieder Recht behalten: Erst kommt das Fressen, dann die Moral.