Schriftgröße

Rapper „OJ Kingpin“

„Ich wollte nicht als Zuhälter enden“

Von Thorsten Moeck, 02.10.09, 18:23h, aktualisiert 03.10.09, 14:31h

Ausstieg aus dem Milieu: Özgür G. alias Rapper „OJ Kingpin“ will sein Leben ändern. Der ehemalige „Ossendorf-Gangster“ hat genug von Gossensprache, Schießereien und Rotlicht-Milieu - und zeigt das deutlich in seinen Texten.

Özgür G
Bild vergrößern
Ausstieg aus der Nachtclub-Szene: Der ehemalige „Ossendorf-Gangster“ OJ Kingpin alias Özgür G. (Bild: Krasniqi)
Özgür G
Bild verkleinern
Ausstieg aus der Nachtclub-Szene: Der ehemalige „Ossendorf-Gangster“ OJ Kingpin alias Özgür G. (Bild: Krasniqi)
Köln - Mit seinem bisherigen Leben hat „OJ Kingpin“ abgeschlossen. Für einen Mann mit 29 Jahren ist ein solcher Wandel ungewöhnlich. Sein richtiger Name ist Özgür G., aber in der Rapper-Szene kennen ihn alle nur als OJ. So genau kann er gar nicht sagen, was die Einsicht auf Veränderung herbeigeführt hat. Vielleicht waren es die unzähligen Schlägereien, vielleicht auch der Schuss ins Bein. Vielleicht die Geburt seiner beiden Söhne.

Rein äußerlich ist Özgür immer noch der Alte. Der Kinnbart ist frisch gestutzt, sein kahler Schädel glänzt, der Stiernacken zeugt von Stärke. Massig ist sein Oberkörper, muskulös der Bizeps. Mit acht Jahren war er zum ersten Mal beim Taekwondo-Training. Später probierte er sich im Boxen, Bodenkampf und Ringen. Als er 17 war, stemmte er Gewichte. Irgendwann konnte er 180 Kilogramm dreimal drücken. „Früher ging es nur um Muskeln. Aber ich will nicht mehr wie eine Nussecke aussehen“, sagt er. Jetzt zähle für ihn „Charakterstärke und Menschlichkeit“. „Dadurch will ich auffallen, und sonst durch nichts“, verspricht er.

Das polizeiliche Führungszeugnis von Özgür ist ohne Eintrag. Wenn er von seiner Jugend erzählt, ist das ein ziemliches Wunder. Als Pubertierender gründete er mit einigen Kumpanen die „Ossendorf Gangsters“, seine Freizeit verbrachte er im Milieu. Heute kann er nicht mehr sagen, wie oft er Prügeleien erlebt hat. Immer sei es um Imponiergehabe und Revierkämpfe gegangen. „Irgendwann habe ich mal einen Türsteher umgehauen“, sagt er, „das hat sich ziemlich schnell rumgesprochen.“ Für Özgür war sein bulliger Körper Eintrittskarte in die Türsteher-Szene. Schon als 17-Jähriger sortierte er vor einer Disco auf den Ringen die Gäste aus. Sein Aufstieg in der Szene war rasant.

Es dauerte nicht lange bis der „kleine Junge aus Ehrenfeld“, als den er sich immer noch sah, eine ernst zu nehmende Nummer auf den Ringen wurde. Er wurde für Veranstaltungen gebucht, später bewachte er den Eingang eines Strip-Lokals. „Dann wurde ich auf Partys eingeladen, Frauen haben sich für mich interessiert. Ich habe das genossen“, gesteht er. Ihm habe auch der Weg ins Rotlicht-Milieu offen gestanden. „Aber ich hätte niemals zu einer Frau gehen können, um zu fragen, ob sie für mich arbeiten will“, sagt er. Als Zuhälter habe er nicht enden wollen. Sein Erfolg bescherte ihm offenbar auch Neider. In einer Ringdisco wurde ihm vor sieben Jahren ins Bein geschossen. Doch er hatte Glück, denn außer einer kleinen Narbe blieb nichts zurück.

Geld hatte der gebürtige Kölner damals genug. In seiner Freizeit versuchte er sich dann als Gangsta-Rapper. Und wurde zu OJ Kingpin. Seinen Künstlernamen hat er sich auf seinen Hals tätowieren lassen. Früher habe er sich Musik von „2pac“, „Ice Cube“ und „Notorious B.I.G.“ reingezogen. Dann habe er sich mit einem Freund selbst als Texter versucht. Sie sangen von Hass und Gewalt, ihre Lieder waren gespickt mit schlimmster Fäkalsprache. „Ich habe genug von der Gossensprache und dem Bedrohungs-Rap. Die Geburt meines ersten Sohnes hat da sicherlich eine Rolle gespielt“, sagt er heute. Derzeit arbeitet er an einem Doppelalbum, in dem er mit seiner bisherigen Musik abrechnen will. Nun singt er von Familienleben, Ehre und Selbstvertrauen.

Ende August soll sein Rap-Partner einen Mann (26) auf der Merianstraße in Chorweiler bei einem Messerangriff schwer verletzt haben. Er wurde später festgenommen. Der Entschluss zum Ausstieg aus der Szene habe für ihn schon vorher festgestanden, sagt Özgür. „Wenn ich mir vorstelle, dass meine Kinder mal meine alten Texte lesen, werde ich wahnsinnig“, sagt er.

Schweren Herzens ist Özgür kürzlich zum Arbeitsamt gegangen. Er war mal Kontrolleur bei der KVB, vor einem Jahr hat er aufgehört. Seine Ausbildung als Groß- und Einzelhandelskaufmann brach er nach nur einem Monat ab. Kurz zuvor war sein Bruder zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er seine Frau getötet hatte. Für Özgür sei das ein Schock gewesen, es habe ihn aus der Bahn geworfen.

Nun will er sein Leben neu beginnen. Mit 29 Jahren. Das sagt er. Und er singt es.

Im WDR-Fernsehen beginnt am Sonntag, 4. Oktober, 15.55 Uhr eine dreiteilige Serie über Gangsta-Rapper OJ Kingpin. Gezeigt wird der Beitrag in der Sendung Cosmo TV.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Anzeige


Umfrage

Freie Fahrt für Schlittschuhläufer?
In Hamburg ist das Eislaufen auf zugefrorenen Wasserflächen, anders als in Köln, offiziell erlaubt. Die Stadt sorgt für die notwendige Sicherheit, indem sie Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr bereitstellt. Ein Modell auch für Köln?

Special


Anzeige




Modisch aufgefallen


Junge Zeiten


Bildergalerien


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Neue ksta.tv-Videos aus Köln




Offene Schulen


Top-Links (Anzeige)



Weitere Serien


ksta shop


Aktuelle Verkehrsinfos


Service


Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Aktion


Aktion



Hintergrund


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste