Von Thorsten Moeck, 02.10.09, 18:23h, aktualisiert 03.10.09, 14:31h
Rein äußerlich ist Özgür immer noch der Alte. Der Kinnbart ist frisch gestutzt, sein kahler Schädel glänzt, der Stiernacken zeugt von Stärke. Massig ist sein Oberkörper, muskulös der Bizeps. Mit acht Jahren war er zum ersten Mal beim Taekwondo-Training. Später probierte er sich im Boxen, Bodenkampf und Ringen. Als er 17 war, stemmte er Gewichte. Irgendwann konnte er 180 Kilogramm dreimal drücken. „Früher ging es nur um Muskeln. Aber ich will nicht mehr wie eine Nussecke aussehen“, sagt er. Jetzt zähle für ihn „Charakterstärke und Menschlichkeit“. „Dadurch will ich auffallen, und sonst durch nichts“, verspricht er.
Das polizeiliche Führungszeugnis von Özgür ist ohne Eintrag. Wenn er von seiner Jugend erzählt, ist das ein ziemliches Wunder. Als Pubertierender gründete er mit einigen Kumpanen die „Ossendorf Gangsters“, seine Freizeit verbrachte er im Milieu. Heute kann er nicht mehr sagen, wie oft er Prügeleien erlebt hat. Immer sei es um Imponiergehabe und Revierkämpfe gegangen. „Irgendwann habe ich mal einen Türsteher umgehauen“, sagt er, „das hat sich ziemlich schnell rumgesprochen.“ Für Özgür war sein bulliger Körper Eintrittskarte in die Türsteher-Szene. Schon als 17-Jähriger sortierte er vor einer Disco auf den Ringen die Gäste aus. Sein Aufstieg in der Szene war rasant.
Es dauerte nicht lange bis der „kleine Junge aus Ehrenfeld“, als den er sich immer noch sah, eine ernst zu nehmende Nummer auf den Ringen wurde. Er wurde für Veranstaltungen gebucht, später bewachte er den Eingang eines Strip-Lokals. „Dann wurde ich auf Partys eingeladen, Frauen haben sich für mich interessiert. Ich habe das genossen“, gesteht er. Ihm habe auch der Weg ins Rotlicht-Milieu offen gestanden. „Aber ich hätte niemals zu einer Frau gehen können, um zu fragen, ob sie für mich arbeiten will“, sagt er. Als Zuhälter habe er nicht enden wollen. Sein Erfolg bescherte ihm offenbar auch Neider. In einer Ringdisco wurde ihm vor sieben Jahren ins Bein geschossen. Doch er hatte Glück, denn außer einer kleinen Narbe blieb nichts zurück.
Geld hatte der gebürtige Kölner damals genug. In seiner Freizeit versuchte er sich dann als Gangsta-Rapper. Und wurde zu OJ Kingpin. Seinen Künstlernamen hat er sich auf seinen Hals tätowieren lassen. Früher habe er sich Musik von „2pac“, „Ice Cube“ und „Notorious B.I.G.“ reingezogen. Dann habe er sich mit einem Freund selbst als Texter versucht. Sie sangen von Hass und Gewalt, ihre Lieder waren gespickt mit schlimmster Fäkalsprache. „Ich habe genug von der Gossensprache und dem Bedrohungs-Rap. Die Geburt meines ersten Sohnes hat da sicherlich eine Rolle gespielt“, sagt er heute. Derzeit arbeitet er an einem Doppelalbum, in dem er mit seiner bisherigen Musik abrechnen will. Nun singt er von Familienleben, Ehre und Selbstvertrauen.
Ende August soll sein Rap-Partner einen Mann (26) auf der Merianstraße in Chorweiler bei einem Messerangriff schwer verletzt haben. Er wurde später festgenommen. Der Entschluss zum Ausstieg aus der Szene habe für ihn schon vorher festgestanden, sagt Özgür. „Wenn ich mir vorstelle, dass meine Kinder mal meine alten Texte lesen, werde ich wahnsinnig“, sagt er.
Schweren Herzens ist Özgür kürzlich zum Arbeitsamt gegangen. Er war mal Kontrolleur bei der KVB, vor einem Jahr hat er aufgehört. Seine Ausbildung als Groß- und Einzelhandelskaufmann brach er nach nur einem Monat ab. Kurz zuvor war sein Bruder zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er seine Frau getötet hatte. Für Özgür sei das ein Schock gewesen, es habe ihn aus der Bahn geworfen.
Nun will er sein Leben neu beginnen. Mit 29 Jahren. Das sagt er. Und er singt es.
Im WDR-Fernsehen beginnt am Sonntag, 4. Oktober, 15.55 Uhr eine dreiteilige Serie über Gangsta-Rapper OJ Kingpin. Gezeigt wird der Beitrag in der Sendung Cosmo TV.
Gut so Özgür!
05.10.2009 | 16.19 Uhr | fourcatmafia
Wenn du es schaffst, bekommst du auch Respekt. Von mir und später von deinen Kindern. Hau rein!
immer wieder
04.10.2009 | 18.54 Uhr | adelaide747
“Diese Menschen mit ihrer vielfältigen Kultur, ihrer Herzlichkeit und ihrer Lebensfreude sind eine Bereicherung für uns alle.” Maria Böhmer, CDU
Mir ist lieber in der Bahn steht einer wie Özgür G
03.10.2009 | 15.45 Uhr | riverphoenix
als ein deutsches Nazi-Schwein!
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