Schriftgröße

Selbstversuch

Endstation vor Kilometer Eins

Von Thorsten Moeck und Tim Stinauer, 04.10.09, 21:01h, aktualisiert 05.10.09, 11:56h

Wie lange kann ein Hobbyläufer mit den topfitten, kenianischen Langstrecklern mithalten? Unsere Reporter Tim Stinauer und Thorsten Moeck haben beim Köln-Marathon die Spitzenläufer herausgefordert - und sind gescheitert. Das kurze Protokoll zweier Aussteiger.

Köln-Marathon
Bild vergrößern
Im Windschatten der Sieger: Tim Stinauer (Startnummer 13 512) und Thorsten Moeck (im weißen Shirt) treiben die Kenianer zum Streckenrekord. (Bild: Grönert)
Köln-Marathon
Bild verkleinern
Im Windschatten der Sieger: Tim Stinauer (Startnummer 13 512) und Thorsten Moeck (im weißen Shirt) treiben die Kenianer zum Streckenrekord. (Bild: Grönert)
11.42 Uhr: Noch zwei Minuten bis zum Start am LVR-Turm in Deutz. Von den Topfavoriten fehlt jede Spur. „Wo sind die Kenianer?“, fragt ein nervöser Streckenposten seinen Kollegen. „Keine Ahnung, ich hab die noch nicht gesehen.“ Der vordere Bereich des Starterfeldes ist mit Flatterband abgesperrt, er ist reserviert für die etwa 20 Spitzenläufer und ihre Tempomacher - und für die beiden „Stadt-Anzeiger“-Reporter Thorsten Moeck und Tim Stinauer. Sie wollen testen, wie lange sie mit den Kenianern und mit der Favoritin auf den Sieg bei den Frauen, Sabrina Mockenhaupt (28), mithalten können. „Mocki“ ist in der Vorbereitung knapp 650 Kilometer pro Monat gelaufen. Moeck (33) spielt zweimal pro Woche Fußball. Seine Laufkarriere hat er vor 13 Jahren beendet. Damals schaffte er die 42,2 Kilometer beim ersten Köln-Marathon in 3:38 Stunden. Stinauer joggt zweimal pro Woche durch den Stadtwald, ganz gemütlich. Zu seinen besten Zeiten lief der 32-jährige Lokalmatador die zehn Kilometer in respektablen 48 Minuten.

11.43 Uhr: Der Einzug der Gladiatoren: Die Kenianer kommen. Manche lächeln, die meisten starren konzentriert auf die Straße. Ihre Haut glänzt, der kernige Geruch von Sport-Lavit-Aufwärmöl steigt in die Nase. In vier Reihen stellen sich die Athleten hintereinander auf, sie hüpfen auf und ab. Sabrina Mockenhaupt lacht und hat noch Zeit für Fotos. „Drei Kilometer bleibe ich an dir dran“, verspricht Moeck. Mockenhaupt grinst und droht: „Lauf mir bloß nicht vor die Füße“. Sie wird jeden Kilometer in durchschnittlich dreieinhalb Minuten abspulen, die Kenianer sogar in unfassbaren drei.

11.44 Uhr: Der Oberbürgermeister ballert mit der Startpistole in die Luft. Der Sprint ist eröffnet. Die Strecke führt sofort bergauf, hoch auf die Deutzer Brücke. Die ersten Meter sind kein Problem. Moeck und Stinauer liegen hervorragend in der Zeit, halten Mockenhaupt und die Hälfte der Afrikaner auf Distanz.

11.46 Uhr: Erst zwickt die Lunge, dann der Oberschenkel. Stinauer wird langsamer, die Kenianer fliegen vorbei. „Komm Jung, die holste dir noch“, feuert ein Zuschauer an. Doch Stinauer weicht auf den Gehweg aus, schnauft kurz durch und piddelt sich die Startnummer vom T-Shirt. Nach 700 Metern ist Schluss. Es ist die erste Aufgabe des Tages.

11.48 Uhr: Als die Kenianer weg sind, hat Moeck einige Sekunden Zeit, durchzuatmen. Dann nähert sich Sabrina Mockenhaupt mit ihren Tempomachern. Moeck hängt sich dran und erreicht das Linksrheinische. „Super Moecki“ brüllen einige Zuschauer. Jedenfalls klingt das so. Aber vielleicht meinen sie auch „Mocki“. Die Schrittlänge und das Tempo der kleinen Läuferin sind enorm. An einer brutalen Steigung kurz hinter dem Heumarkt wird der Abstand immer größer. Am Neumarkt hat die deutsche Top-Läuferin schon rund 100 Meter Vorsprung.

11.52 Uhr: Die Kenianerin Rose Nyangacha (33) überholt Moeck. Der Lärm am Straßenrand ist gigantisch. Nach einigen hundert Metern setzt auch sie sich ab. Moeck bewegt sich im anaeroben Bereich.

11.54 Uhr: Der Rudolfplatz. Immer mehr Athleten joggen vorbei. Moeck nutzt eine Lücke zwischen den Absperrgittern am Straßenrand zur Flucht. Nach etwa zweieinhalb Kilometern ist das Experiment „Kenia“ vorbei. Die Beine sind schwer. Die Kenianer haben bereits den Barbarossaplatz überquert.

13.57 Uhr: Frisch geduscht stehen Moeck und Stinauer am Rudolfplatz zwischen den Zuschauern, an der Fanmeile bei Kilometer 38,2. Die Kenianer sind bereits auf dem Weg zum Ziel. Die Straße ist leer. „Ganz melancholisch warten wir auf Sabrina Mockenhaupt“, säuselt ein Stimmungsmacher ins Mikrofon und dreht die Musikanlage auf. Dann erklingt „Du bist die Stadt“ von den Bläck Fööss. „Jrell jeschminkt, die Fott jet breit“ tönt es aus den Lautsprechern. Dann kommt Mockenhaupt. Zierlich, grazil, verschwitzt. Auf den letzten paar Kilometern sei sie eingebrochen, heißt es hinterher. Den Streckenrekord der Damen von 2:27,27 Stunden verfehlt sie am Ende deutlich. Vielleicht lag es an der Beleidigung auf Kilometer 38,2.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Köln Marathon Ergebnissuche


Anzeige


Marathon-Infos


Fotolines


Links