Von Tobias Döring, 05.10.09, 21:49h, aktualisiert 06.10.09, 16:50h
Das Modell „Cocoon“ von Rickard Hederstierna vom „Lund Institute of Technology“ gewann den ersten Preis - obwohl es wohl auch in den nächsten 90 Jahren kaum umsetzbar sein wird. Der Schwede entwarf ein Gerät, in dem bereits abgepacktes, künstlich gezüchtetes Genfleisch mittels elektromagnetischen Wellen zum Wachsen gebracht wird. Am Ende des Prozesses liegt dann ein Schnitzel oder ein Fischfilet auf dem Teller, ohne dass dafür Tiere sterben mussten.
Kaviar aus der Spritze
Gegen diese Vision konnte sich Nico Kläber im Finale nicht durchsetzen. Der Student der Köln International School of Design (KISD) hatte es aber immerhin in die Endrunde der besten acht von 900 Bewerbern geschafft. Sein Entwurf „Moléculaire“ ist ein Gerät, das molekulare Gerichte in 3D-Strukturen produziert. Bei der Molekularküche vermischt sich Kochen mit Methoden, wie man sie aus dem Physik- oder Chemieunterricht kennt: „So kann aus Lakritzen Kaviar imitiert, indem flüssige Lakritz-Kügelchen aus einer Spritze gedrückt werden“, nennt Nico Kläber ein Beispiel. „Sieht aus wie Kaviar, schmeckt aber wie Lakritz.“
Auch wenn es mittlerweile „Startersets“ für die Molekularküche zu kaufen gibt: selbst schon einmal molekular gekocht haben die wenigsten. Das Experimentieren mit Chemikalien und Lebensmitteln ist einfach noch zu kompliziert. „Das kann nicht sein, es muss auch einfacher gehen“, dachte sich Nico Kläber. Der Student kocht gern. Ein Lieblingsgericht hat er zwar nicht, wenn es schnell gehen muss, greift der 28-Jährige auch schon mal zur Tiefkühlpizza. Aber er hat ein großes Faible für die molekulare Küche. Und so kam er auf die Idee, dass die komplizierte Angelegenheit von einem einzigen Gerät durchgeführt werden könnte.
Molekül für Molekül auf den Teller
In zwei Auslandssemestern in Hongkong machte er aus der Idee einen Entwurf: „Moléculaire“ war geboren. Kläbers Konzept will molekulares Kochen in den Alltag bringen. Sein Entwurf, der wie ein Küchengerät aussieht, wird mit einer Kapsel gefüllt. Ein Roboterarm trägt anschließend - wie ein Drucker - das Essen dreidimensional auf dem Teller auf: Molekül für Molekül, Schicht für Schicht. Desserts, aber auch Dekoration könnten so entstehen, erläutert Kläber. Doch wer den Lebensmittel-Drucker jetzt schon in seiner Küche stehen und sich damit bei der nächsten Party mächtig Eindruck schinden sieht, den muss der Design-Student enttäuschen: „Das Ganze ist, wie die anderen Entwürfe des Wettbewerbs auch, ein Zukunftskonzept.“ So gäbe es beispielsweise Probleme, die Moleküle in Form zu halten. Des Weiteren sei es noch nicht möglich, eine Kapsel zu produzieren, aus der man auf Knopfdruck alle Lebensmittel herstellen kann.
In 15 bis 20 Jahren könnte sein Lebensmitteldrucker aber tatsächlich entwickelt sein, schätzt Nico Kläber. Immerhin konnte er beim Design-Finale in London ein mehrere tausend Euro teures Modell seines Entwurfs in den Händen halten. Dass es dann nicht für einen Platz unter den ersten drei reichte, machte Nico Kläber nichts aus. Schließlich konnte er vom Wettbewerb Ideen und wichtige Kontakte mitnehmen. Und gutes Essen habe es in London auch gegeben, erzählt Nico Kläber. Allerdings kein molekulares.
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